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Nie so lange fahren, bis es knirscht

Sie muss schon mächtig was aushalten, die Felge. Ständig wird sie belastet, über Rinnsteine geschickt und von Bremsschuhen beidseitig in die Zange genommen. Kein Wunder, dass deshalb so manche Felge frühzeitig das Zeitliche segnet, wenn man nicht aufpasst.

Eine Felge ist ein Verschleißteil, doch viele glauben, der Laufring hielte ewig. Felgenbrüche können immer wieder vorkommen. Leider sind sie nicht so einfach vorhersehbar. Erste Anzeichen für einen Bruch lassen sich meist von außen auch nicht erkennen. Erst ein Blick ins Felgenbett macht kleine Risse sichtbar. Spätestens dann sollte man umgehend zum Fahrradhändler fahren, ja besser noch schieben.

Knistert es sogar merkwürdig aus dem Laufrad, kann es bald in der Felge kräftig knacken und am Ende knallen. Das war dann der geplatzte Schlauch, die geborstene Felge blockiert das Rad und der Fahrer stürzt. Schwere Verletzungen können die Folge sein.

Dass dieses Problem in den vergangenen Jahren verstärkt auftrat, liegt nicht etwa an den schlechter gewordenen Qualität der Felgen, sondern an den modernen Felgenbremsen. Während die Bremsen, wie V-Brakes, am Fahrrad immer besser zupacken, geschieht dies eindeutig auf Kosten der Haltbarkeit der Felge, die einfach nicht mit der Entwicklung neuartiger Bremsschuhe mithalten konnte.

Heutzutage würde sich wohl sowieso kein Konstrukteur mehr trauen, eine Bremse zu entwickeln, die ständig Stück für Stück Teile der Felge wegschmirgelt. Schließlich ist der Metallring ein wichtiges, tragendes und sicherheitsrelevantes Fahrradteil.

Zwar kann man dem Verschleiß ganz einfach vorbeugen, in dem man Scheiben- oder Trommelbremsen einbaut. Nur praktizieren dies nur wenige Hersteller. Selbst bei teuren Rädern wird weiterhin auf Felgenbremsen gesetzt, auch deshalb, weil die V-Bremsen ähnlich gut verzögern wie eine Scheibenbremse.

In Zukunft soll aber wenigstens der Grad des Verschleiß auch für den Laien besser erkennbar sein. Seit dieser Saison werden Felgen mit einem Verschleiß-Indikator produziert. Dieser Lackmus-Test für sicheres Fahren zeigt eine dunkle Linie, die dem Fahrer signalisiert: Felge auswechseln.

Hintergrund ist die bereits früher in einem Artikel beschriebene DIN-Norm 79100-2, die dies bei Alufelgen vorschreibt. Der Felgenhersteller Schürmann nennt seine Erfindung einen "Safety-Indicator", der Hersteller Grünert "Security Rim".

Das Neue besteht darin, dass Reifensitz und Bremsfläche mittels Hohlkammer voneinander getrennt sind. Beim Verschleiß und der Zerstörung der Bremsfläche bleibt die tragende Funktion der Felge für den Reifen erhalten.

Unabhängig davon kann jeder Radfahrer selber etwas gegen den Verschleiß tun. Eine unsaubere Felgenflanke führt zu besseren Bremsergebnissen. Gleiches gilt für die verwandten Bremsschuhe. Wer so lange wartet, bis der Alufuß auf der Felge schleift, muß sich nicht über tiefe Kerben in der Felge wundern. Doch auch eingeklemmte Steine können bei einem Bremsvorgang kräftig reiben. Das Schlimme: Während der Stein wieder herausfällt, setzt sich die abgeriebene Aluspäne im Gummi fest und bewirkt den zerstörerischen Kreislauf. Immer mehr Aluminium wird aus der Felge gefräst.

Ein regelmäßiger Austausch der Bremmsgummi, selbst wenn sie noch nicht vollständig abgefahren sind, kann deshalb Ärger vermeiden und letztendlich auch Geld sparen. Auch gute Bremsgummis können helfen, beispielsweise der Firma "Kool Stop". Die Klötze sind zwar mit zwölf Mark pro Paar nicht billig, ihr Geld aber allemal wert.

Eine spürbare Verkürzung des Bremsweges lässt sich auch durch keramikbeschichtete Felgen erreichen. Bei diesem hochwertigen Typ ist eine Alu-Felge mit einer Keramikschicht bespritzt worden. Verwandt wird dabei eine Mischung aus Aluminium- und Tintanoxid. Die Oberfläche wird dadurch spürbar rauher, so dass sich vor allem auf nasser Fahrbahn der Bremsweg um mehr als die Hälfte im Vergleich zu herkömmlichen Felgen verkürzt. Allerdings nutzt sich die Keramikbeschichtung im Laufe der Zeit auch ab.

Wie lange eine Felge durchschnittlich hält, lässt sich nur schwer sagen. Zu unterschiedlich können die Belastungen, zu verschieden das eingesetzte Material sein. Grundsätzlich gilt allerdings, dass eine dickere Wandstärke nicht schaden kann. Unter einem Millimeter Wandstärke wird´s kritisch. Wer selber nachmessen will, kann eine Felgen-Schiebelehre von Cutting Crew (149 Mark) benutzen. Je besser das Material (je härter das verwendete Aluminium), desto länger hat man Freude am Fahren. Doch auch die verwendeten Bremsgummis spielen eine wichtige Rolle. Einige Hersteller mischen dem Gummi Stahlstaub bei, um das Naßbremsverhalten verbessern. Anders verhalten sich weiche Gummis: Diese nutzen sich zwar schneller ab, malträtieren jedoch auch weniger die Aluflanke. Zudem können sie unter Umständen kleine Steine oder andere Fremdkörper "schlucken" und somit das Abschleifen der Felge verhindern. Daher ist es wichtig, dass die Bremsgummis öfters nach eingelagerten Schmutzpartikeln untersucht werden, das das Verschleißrisiko vermindert.

Das Problem zeigt, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen Felgen- und Bremsenherstellern wünschenswert ist. So könnten dann auch seitens der Felgenproduzenten Empfehlungen für bestimmte Bremsgummitypen ausgesprochen werden. Aber vielleicht will man dies ja gar nicht, schließlich würden dann die Aluringe auch länger halten und der Umsatz sinken.

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