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Hydraulisch Bremsen und Schalten

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Es ist unverkennbar, daß in letzter Zeit immer mehr der Technik, die sich seit Jahren beim Motorrad bewährt hat, nun auch beim Fahrrad Einzug hält. Seien es die vollgefederten Räder oder die Hydraulikbremsen.

Der klassische Bremszug, bei dem die Kraft mechanisch über ein Seil vom Hebel auf die Bremsschuhe übertragen wird, hat entscheidende Nachteile: Nicht nur, daß sich der Draht mit der Zeit dehnt. Irgendwann gibt auch er mal den Geist auf. Meist zum ungünstigten Zeitpunkt: Bei einer Abfahrt. Der Materialschwund läßt sich nicht verhindern, zwar werden immer öfter Bremszüge mit einer Teflonschicht überzogen, die die Reibung innerhalb des Zuges vermindert. Ganz frei von Reibung kann aber auch dieser Zug nicht sein. Hauptgrund sind die zahlreichen Biegungen, die der Draht auf dem Weg vom Bremshebel zum Bremskörper zurücklegt. Jede Biegung bedeutet Reibung, und jede zusätzliche Reibung führt nicht nur zu einem höheren Kraftaufwand, sondern auch zu einem höheren Verschleiß.

Wenn der Zug nicht irgendwann reißt, wird er meist aufgrund von eingedrungenem Schmutz und auftretendem Rost so schwergängig, daß er sich im Extremfall gar nicht mehr von alleine zurückbewegt.

All diese Problem hat man bei der hydraulischen Bremse nicht. Wie immer bei Neuerungen hat es auch die schwäbische Firma Magura mit ihrer flüssigkeitsgefüllten Bremse schwer, sich auf dem Markt durchzusetzen.

Hauptgrund dafür ist nicht nur die auf den ersten Blick komplizierte Technik, sondern in erster Linie der Preis und die nicht immer vorhandene Kombinierbarkeit mit bestehenden Schaltsystemen. Über 300 Mark muß man schon für die einfachste Ausführung auf den Tisch legen. Da mancher für dieses Geld ein ganzes Fahrrad kauft, ist die Magura-Bremse vor allem bei hochwertigen Rädern zu finden.

Doch um in den Genuß des reibungsfreien Bremsens zu kommen, muß man sich nicht ein neues Rad zulegen, denn die Bremsen sind auch nachrüstbar. Allerdings ist die Montage nicht ganz einfach. Der Aufwand ist im Verhältnis zu einem Bowdenzugwechsel sehr hoch. Zum Beispiel, wenn die Zugaussenhüllen unterbrochen sind und die Innenzüge direkt am Rahmen unverkleidet geführt werden. Um die hydraulischen Bremszüge durch die Anlötteile legen zu können, muß man deshalb gegebenenfalls zur Bohrmaschine greifen. Hat man zu weit gebohrt, hilft nur der klassische Kabelbinder, um die Leitungen am Rahmen festzuzurren. Alles nicht ganz einfach. Wer das Geld hat, sollte deshalb die Arbeiten vom Fachhandel ausführen lassen.

Neben den grundsätzlichen Problemen beim Einbau gibt es auch systembedingte Schwierigkeiten. So läßt sich die Hydro-Bremse nicht mit allen Schalt-Bremssystemen kombinieren. Wer zum Beispiel ein Shimano STI-System am Lenker hat, muß auch noch einen speziellen Adapter neben der neuen Bremse montieren. Die Adapter passen allerdings nicht bei den neuen Shimano-Shiftern mit optischer Ganganzeige.

Da meistens die Bremszüge zu lang sind, müssen sie gekürzt werden, was auch nicht ganz einfach ist. Ein paar Ölspritzer lassen sich dabei meist nicht vermeiden. Aber die Gefahr, daß das Öl ausläuft, ist so lange nicht gegeben, wie man nicht aus Versehen, bei geöffneter Bremsleitung den Bremshebel drückt. Hat man die Montage im Wohnzimmer vorgenommen, hat der weiße Teppich von nun an eine kleine Ölspur.

Ist die Bremse erst einmal installiert, ist sie so gut wie wartungsfrei, daß lästige Bremszugwechseln und das Nachjustieren der Seilzüge entfällt. Hat man allerdings bei der Montage ein paar Luftbläschen mit eingeschlossen, vermindern diese die Bremswirkung erheblich. Meist merkt man es an einem schwammigen Druckpunkt. Der Grund ist, daß sich Luft im Gegensatz zu Öl zusammendrücken läßt. So kommt ein Teil der Bremskraft gar nicht an der Felge an, sondern drückt nur die Luft zusammen. Für das Entlüften gibt es ein spezielles Kit. Wer´s einmal kapiert hat, braucht auch dafür keine Stunde mehr.

Ansonsten ist die Bremswirkung unschlagbar. Fahrradhändler berichten sogar davon, daß die Bremse derartige Kräfte entwickelt, daß sich Gabel und Hinterbau bei Billigrädern verbiegen können. Doch dagegen hilft eine Verstärkung der Hinterbaustrebe (Booster, ab 32 Mark). Die Frage ist natürlich nur, welcher Radler mit einem Supermarktrad kommt schon auf die Idee sein Rad mit den High-Tech-Bremsen zu tunen?

Während sich die Öl-Bremse ganz langsam durchsetzt, hat es die hydraulische Schaltung erheblich schwieriger. Doch noch ist es nicht über den Prototypstatus hinausgekommen. Es könnte mal die Alternative zur herkömmlichen Seilzugschaltung werden. Es wäre dann auch ein sehr exaktes Schalten möglich. Das Rattern der Kette zwischen den Gängen würde dann der Vergangenheit angehören, hofft zumindestens der Erfinder der Hydraulik-Schaltung Jochen Wendler. Doch bis sich die flüssigkeitsgefülle Schaltung durchsetzen wird, werden noch sehr viele Schalt- und Bremszüge reißen.

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