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Was bringen bunte Fahrradreifen?

Manch ein Fahrradhändler könnte mittlerweile über seinen Laden "Villa Kunterbunt" schreiben, jedenfalls, wenn man einen Blick in sein Reifenlager wirft. Da liegen merkwürdige bunte Gummis in den Regalen. So scheinen einige in der Mitte (dem Laufstreifen) bereits abgefahren zu sein, zeigen in Blutrot warnend wie eine abgeschürfte Haut ihre Halbglatze. An den Seiten, dann nicht mehr im gewohnten Schwarz (sondern in Gelb) sind ein paar Stollen übriggeblieben. Vor 20 Jahren hätte dieser bunte Vogel, den man heute gefährlich "Semi Slick" nennt, zum Symbol für die Punkbewegung werden können.
Farblich scheint mittlerweile alles möglich, selbst ein trabbiblau wird verwandt. "Wir können theoretisch sämtliche Farbwünsche der Kunden erfüllen, wirbt Frank Badel von der Reifenfirma Continental. Doch ist die bunte Vielfalt der rollenden, rundlich bunten Smarties wirklich mehr als ein Modegag?
Um das zu klären müssen wir ein wenig weiter ausholen und den Aufbau eines Fahrradreifens beschreiben. Im Prinzip besteht der Gummi aus Naturkautschuk. So jedenfalls war es über Jahre der Fall. Naturkautschuk ist nicht rabenschwarz, sondern braun. Die schwarze Farbe der Reifen kommt vom zugesetzten Ruß (bis zu 30 Prozent Gewichtsanteil). Ruß verstärkt zwar den Rollwiderstand des Pneus, erhöht aber auch seine Lebensdauer. Dadurch wird der Reifen abriebfest und gegen Einschnitte resistent. Der typische Reifengeruch kommt übrigens nicht vom Kautschuk, sondern durch die zugesetzen Weichmacher, die sich allmählich verflüchtigen. Wer einen härteren Reifen wünscht lagert den Pneu ein bis zwei Jahre dunkel und recht kühl (zum Beispiel im Keller) ein.
Aber zurück zum Ruß. Kieselsäure-Mischungen ersetzen nun zunehmend diesen Zusatz als Füllstoff. "Erst das Silika macht es möglich, dem Reifen Farbstoffe zuzusetzen", sagt Frank Badel.
Doch die bunten Flächen können einen höheren Verschleiß zur Folge haben. Als Vorteil wird oft der geringere Rollwiderstand und bessere Trockenhaftung genannt.
Vorsicht ist jedoch bei Billigprodukten angebracht. Denn wie der Wolf in Hänsel und Gretel kann auch der Reifen mächtig Kreide gefressen haben. Die Folge der Kreidereifen ist ein überdurchschnittlicher Verschleiß. Billige bunte Reifen haben auch eine geringere Naßhaftigkeit. Um Vor- und Nachteile gegeneinander aufzuwiegen, setzten viele Hersteller wenigstens am Rand und an der Karkasse auf den guten alten Rußanteil. Dieser Schulterbereich muß schon so einiges aushalten, wenn sich Fahrer und Bike rasant in die Kurve legen.
Helle Reifen sind oft etwas weicher. Was an den Flanken nicht gewünscht wird, kann in der Laufmitte durchaus von Vorteil sein. Dort wird so der Rollwiderstand vermindert und der Abrollkomfort erhöht. Die (eventuell vorhandenen) Noppen sind nicht so hart und drücken sich eher ein, als ihre schwarzen Schwestern.
Von "dual-compound" spricht der Reifenprofi wenn er die Kombination aus schwarzer Schulter und farbiger Lauffläche meint. Wer viel auf Asphalt fährt, sollte zum guten Schwarzen greifen. Ruhig kann man dabei auf die Noppen in der Mitte verzichten und den rasierten "Punk" bevorzugen.
Mittlerweile sind viele Hersteller auf den bunten Zug aufgesprungen. Der französische Hersteller Hutchinson bietet beispielsweise den "Success Gold" ab dieser Saison, der eine schwarz-gelbe Lauffläche hat. Die schwarze Gummimischung steht laut Hersteller für einen hohen Wirkungsgrad und hohe Abriebfestigkeit, die gelbe Mischung sorgt für überragende Kurvenhaftung.
Continental nennt sein Verfahren "Activated Silica Compound (ASC)", das auch vom Konkurrenten Michelin angewandt wird. Laut Frank Badel, Fahrradreifenexperte bei Conti, gelingt erst durch das neue ASC-Verfahren, bunte Reifen herzustellen, die mindestens ihren schwarzen Kollegen gleichwertig sind. Die Nachteile, wie schlechte Naßhaftigkeit und starker Abrieb, seien damit beseitigt. Die ASC ist seit Jahren im hochwertigen Autoreifenbereich Stand der Technik. Im Straßenrennradbereich war Continental mit der Grand Prix 3000 der erste Anbieter. Seit 1998 radeln auch die Jungs vom Team Telekom auf dem grau-magentaroten Reifen.
Ebenfalls bunt geht es zu, bei einem neuen luftlosen Reifen der englischen Herstellers Green Tyre. Der Reifen verspricht 100 Prozent Pannensicherheit. Nur dem Fahrer kann die Luft ausgehen. Die Reifen sind aus mikrozellulärem Polyurethan gefertigt, das Tausende von winzigen Lufbläschen enthält. Die Mirkozellenkonstruktion gewährleistet beim Fahren – laut Hersteller – dieselbe Dämpfung von Stößen wie ein Luftreifen. Der Luftdruck kann aufgrund modernster Technologie (Herstellerangabe) "nach Wunsch von zwei bis 14 bar exakt festgelegt werden".
Schön bunt sind die Reifen ja, ob sie was taugen, bleibt fraglich. Schließlich wird mit Vollgummireifen bereits seit 1870 experimentiert. Green Tyre hat dies erstmalig wieder 1992 aufleben lassen. Knifflig bleibt die Montage und das exakte Zusammenspiel mit der Felge, ansonsten kann der Reifen auf der Felge "reiten".
Fazit: Ohne oder mit Luft, mit oder ohne Farbe. Grundsätzlich sollte man die Kaufentscheidung nicht zu sehr von modischen Schnickschnack abhängig machen. Denn nach der ersten richtigen Schlammschlacht ist jeder Reifen grau.

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