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Call-A-Bike: Ein Fahrrad mit Computer zum Mieten

Neues Fahrradmietsystem startet in München

Das Motto von Christian Hogl könnte „nicht kleckern sondern klotzen“heißen. Hogl von der Call-A-Bike AG will ab dem Frühling die Münchner Innenstadt flächendeckend mit 2000 Fahrrädern ausstatten. So sollen an jeder Telefonzelle in der City durchschnittlich zwei Fahrräder zum Ausleihen stehen.

Hinter der auf den ersten Blick einfachen Geschäftsidee steckt die Denk- und Entwicklungsarbeit von fast fünf Jahren. Denn die Firma stellt nicht irgendwelche Billigräder zur Verfügung, sondern vollgefederte Sonderanfertigungen, die derzeit in einer Halle am Münchner Ostbahnhof zusammen gebaut werden. Sie sollen zum Markenzeichen werden und später dann auch bundes- ja vielleicht sogar europaweit exportiert werden (www.callabike.de).

Die Idee scheint erfolgsversprechend, durchdacht, steht auf soliden finanziellen Beinen und hat einen enormen technischen Vorsprung.

Das Prinzip ist sehr einfach. Der Kunde ruft zunächst eine kostenlose Telefonnummer an (bundesweit unter 0800/522 55 22) und meldet sich an. Dazu gibt er seine Konto- oder Kreditkartennummer bekannt. Damit nicht irgendjemand auf Kosten anderer fahren kann, wird dem Interessenten erst einmal eine Mark überwiesen, mit der auch die Kundennummer übermittelt wird.

Und schon kann´s losgehen. Bei Bedarf ruft der Kunde wiederum die Hotline an und gibt seinen Standort durch. Call-A-Bike nennt dem Kunden ein in der Nähe abgestelltes Bike und einen vierstelligen Öffnungscode.

Mit diesem lässt sich nun ein spezielles Bügelschloss öffnen, das fest mit dem Fahrrad verbunden ist. Das geschieht mittels eines Bildschirmdialogs (Touchscreen). Falsche Angaben können korrigiert werden und man wird jeweils zu nächsten Handlung aufgefordert. Also etwa: „Bitte Bügel herausziehen“ oder „Gute Fahrt“. Beim Abschließen wird man gefragt, ob man die Fahrt beenden oder nur unterbrechen möchte. Bei einer Unterbrechung kann das Fahrrad wieder mit der alten Nummer geöffnet werden. Drückt man „Beenden“, so bekommt man einen Quittungscode angezeigt, den man von der nächsten Telefonzelle aus der Hotline mitteilt. Den Rest erledigt der Computer, die Abrechnung vom Konto erfolgt am Monatsende.

Die Fahrt auf dem Velo kostet eine Mark 80 Grundpreis und für jede Minute drei Pfennig. Nach der siebenten Stunde fällt der Preis auf einen Pfennig. Eine Stunde Radeln kostet somit 3,60 Mark, zwei Stunden 5,40 Mark. Ein ganzer Tag kostet 24 Mark. Ob die Preise nicht zu hoch sind, muss sich in der Praxis zeigen.

Die Räder, so steht´s in den Geschäftsbedingungen müssen im Umkreis von 30 Metern zu einer Telefonzelle abgestellt werden. Handybesitzer könne die Velos auch an einer Straßenkreuzung platzieren.

Christian Hogl nennt seine Idee bewusst nicht Radverleih, sondern „öffentlichen Radverkehr mit direkter Verfügbarkeit“.

Das elektronische Schlosssystem, vom Informatiker Hogl entwickelt, macht es möglich, ganz flexibel zu reagieren. Und genau daran krankten bisher alle Fahrradverleihsysteme. Wer beispielsweise mit dem Rad in die Stadt zum Einkaufen fährt, stellt das Rad ab und beendet die Ausleihe. Nach dem Bummel nimmt man sich das nächste Velo und fährt zurück. Das spart effektiv Geld. Es sei denn, man fährt innerhalb einer Stunde weiter.

Das Herzstück der Idee ist das patentierte Elektronikschloss. Es ist eine Art rollender Computer mit Speichen- und angehängtem Stahlschloss. Dadurch kann nicht nur das Rad blockiert werden, sondern das gute Stück auch an einen festen Gegenstand angeschlossen werden. Anhand einer LED lässt sich sehr schnell feststellen, ob das Rad benutzt wird (rote LED blinkt) oder frei ist (grüne LED blinkt).

Wird das Fahrrad während der Ausleihe gestohlen (dann leuchtet übrigens keine Lampe), dann haftet der Mieter mit 80 Mark. Baut man einen Unfall, dann deckt eine Haftpflichtversicherung Schäden an Dritten ab. Natürlich rechnen die Gesellschafter mit einem gewissen Schwund. Sollte jemand in einer Nacht einen Großteil des Bestands stehlen, kommt dafür aber eine Versicherung auf. Die flächendeckende Verteilung übernimmt ein mobiles Serviceteam, das nachts durch die Stadt fährt und nebenbei auch kaputte Räder aus dem Verkehr zieht.

Sobald man ausreichende Erfahrungen in München sammeln konnte, will die Call-A-Bike AG expandieren. Konkrete Pläne für Verleihsysteme existieren für Wien, Stockholm und Amsterdam, potenzielle Zielstädte in Deutschland sind Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Köln.

Die Callbikes sind Unisex-Modelle, die sich sowohl von großen als auch kleinen Menschen fahren lassen. Unser erster Eindruck bei einer Probefahrt in München war durchweg positiv. Das silberfarbene Bike (mit der in Signalorgane lackierten Hinterradschwinge) fällt im Stadtgebiet schnell auf und trifft mit der Vollfederung und dem tiefen Durchstieg den Zeitgeist. Allerdings treiben die Komfortfederung und besonders das massive Schloss das Gewicht des Bikes auf knapp 20 Kilogramm. Überraschend leicht fährt sich dann doch das Rad, nur Tragen ist sehr mühsam. Im Einsatz ist es wendig und ohne Übung sofort beherrschbar. Acht Gänge stehen zur Verfügung. Gebremst wird mit wartungsarmen Rollenbremsen aus der Shimano-Nexavegruppe. Garantiert ohne Platten kommt man ans Ziel, denn montiert sind die Schlauchlosreifen von Continental. Eines steht fest: Die Münchner werden sich wohl mit an ein neues Verkehrsmittel gewöhnen müssen. Die Bikes sind schon jetzt so beliebt, behauptet Hogl, dass man nicht ausschliessen möchte, sie auch zu verkaufen. Darüber hinaus ist der Rahmen so konzipiert, dass leicht ein Elektromotor eingebaut werden kann.



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