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Das Porscherad: Zwischen Tennischlägern und Armbanduhren

Von Ulf Hoffmann

Zwischen Tennischlägern und Armbanduhren

Porsche bietet erstmalig ein Sport-Tourenrad an / Das Ziel: Mit Accessoires aus dem Katalog den Kunden an die Marke binden

 

Es soll ja immer noch Kritiker geben, die behaupten, die Autofirmen würde ihre Fahrräder nur als Dekomaterial für den Dachträger oder als Bonus beim Autokauf anbieten. Stimmt natürlich nicht (mehr). Doch wenn man in den neuen Zubehör-Katalog von Porsche schaut, so könnte man auf diesen Gedanken durchaus kommen. Zwischen Tennisschlägern auf Seite 55 (für 399 Mark) und Armbanduhren ab Seite 66 (von 698 bis 3990 Mark) werden fünf schicke Fahrräder präsentiert, die zwischen 3490 und 9990 Mark kosten. Für die Preise muss man allerdings in einem Extra-Heft nachschauen, das überhaupt nicht so schön gestaltet wurde. Die Hauptausgabe heisst „Selection“ und im Untertitel „Accessoires von Porsche“. Accessoire nennt der Duden „modisches Zubehör zur Kleidung“. Na ja, mit einem Porsche schmückt es sich schon ganz gut. Also doch nur Masse zum Feilschen?

Es gibt zum Glück auch einen besonderen Katalog nur mit den Fahrrädern. Alles andere wäre auch schlecht fürs Geschäft. Selection erinnert doch sehr an einen Gemischtwarenhandel, oder an das Fanshopangebot eines Fußball-Bundesligisten, der auf Fahrradmessen auftreten würde.

Wir trafen uns in Seewalchen (Österreich) mit den Porscheverantwortlichen zu einer Probefahrt. Es gab zunächst Schnittchen und ein paar nette Worte von Walter Röhrl. Ja, das ist der zweifache Rallye-Weltmeister, der früher immer so rasant mit seinem Copilot Christian Geistdörfer um die Kurven gedüst ist. Heute radelt Röhrl lieber und bevorzugt auf einem Porsche. Deshalb war er auch wohl auch da. Porsche hatte extra für uns Journalisten drei Touren zusammengestellt und mit Fähnchen (die gibt´s noch nicht im Katalog) abgesteckt: fürs Mountainbike, fürs Rennrad und fürs neue Tourenrad.

Ich nahm mir das Sporttourenbike, das das Kürzel „ST“ trägt und fuhr damit die Mountainbikestrecke ab. Wenn schon, denn schon, dachte ich mir. Schlamm und viele Wurzeln erschwerten zwar das Vorankommen, doch selbst 15 Prozent Steigung waren mit der Untersetzung von 28 zu 34 Ritzeln kein großes Problem. Allerdings verklemmte sich die Kette zwischen Nabe und Ritzelpaket. Wie sich herausstellte, ist der Abstand zu den Speichen zu breit, eine Schutzscheibe fehlte völlig. Mit öligen Fingern ging es dann durch den tiefen Wald, so konnten wir sogar die Beleuchtung an unseren Bikes ausprobieren. Leider verlor mein Rad bei der Abfahrt das in den Gepäckträger integrierte Rücklicht (mit Standlichtfunktion). Noch nie ist mir so deutlich geworden, was man genau genommen unter Standlicht versteht.

Die Mountainbikestrecke war wohl ein wenig zu viel des Guten. Dabei kommt das ST-Bike sehr bullig daher. Die fast schon Porsche-typische breite Doppelbrückengabel (60 Millimeter Federweg) ist ein Novum an einem 28-Zoll-Tourenrad. Sie stammt natürlich - wie immer bei Porsche- von Votec und hinterließ von allen Komponenten an diesem Rad den besten Eindruck. Gefolgt von der gefederten Sattelstütze. Die „Cane Creek Thudbuster“ arbeitet nach dem Parallelogramm-Prinzip und ist damit herkömmlichen Federsystemen für das Sattelrohr deutlich überlegen, was sich natürlich auch im Preis niederschlägt, aber ein riesiger Plus an Fahrkomfort bedeutet. Selbst Treppen kann man damit hinunterfahren, ohne aus dem Sattel zu müssen.

Völlig misslungen ist der Gepäckträger. Obwohl nagelneu, gehört er in die Zweiradabteilung eines Verkehrsmuseums. Solch ein Stück mit dicken Alurohren und nur je einer Strebe zur Achse gab´s vor 15 Jahren an Kettler-Alurädern. Ein Tourenrad mit dem man schon gerne einen Ausflug machen möchte, sollte über einen soliden Gepäckträger verfügen. Dort muss man nicht nur einen Korb befestigen können, sondern auch zwei Satteltaschen. Und die finden an dem Silberrohr wenig Halt. Wenn überhaupt, denn die Rohre sind so dick geraten, dass viele Hakensystem buchstäblich passen müssen. Hier zeigt sich dann doch der sportliche Charakter der Firma Porsche. Offensichtlich ist niemand in Zuffenhausen auf die Idee gekommen, mal mit ein paar Satteltaschen eine Proberunde zu drehen. So hart es klingt: Für die Tour ist das ST damit ungeeignet. Über die sonstigen Komponenten braucht man nicht viel böse Worte verlieren. Es wurde fast komplett die Nexave-Gruppe von Shimano verbaut, die wir schon oft als empfehlenswert bewertet haben. Ein nettes Gimmick sind die Schutzbleche aus Carbon. „Sündhaft teuer, aber wunderschön“, nennt sie Porsche-Projektmanager Bernhard Kciuk. Da sie ohne Streben eingebaut wurden, kam es während der Fahrt zu kleineren Reibereien mit dem Vorderrad. Ein Strebenpaar am Vorderrad hätte das Rad auch nicht viel schwerer gemacht. Es wiegt sowieso schon auffallend viel. Laut Hersteller 15,9 Kilogramm (ohne Pedale), also fahrfertig (denn wer fährt schon ohne Pedale?) muss man mit mindestens 16,2 Kilogramm rechnen.

Wenn man bedenkt, dass der erkennbar in der  Porschegeometrie gefertigte Rahmen aus Aluminium besteht und das ganze Fahrrad 3490 Mark kostet, ist das Gewicht hoch. Zumal man nicht vergessen sollte, dass es sich trotz gefederter Sattelstütze natürlich nicht um ein vollgefedertes Rad handelt.

Das Ziel von Porsche ist klar. Kciuk möchte mit den Fahrrädern gerne frühzeitig die Kunden an die Marke binden. Während die Knirpse mit dem Tretauto „Junior Porsche“ für 299 Mark (findet man auch im Katalog) ihren ersten Sportwagen lenken sollen, soll die Jugend aufs Rad abfahren. Einmal ein Porsche, immer ein Porsche. Die Bikes gelten somit als „Bestandteil der Porsche Erlebniswelt“ (Kciuk). Wir warten deshalb gespannt auf das erste Kinderrad aus diesem Hause. Eines muss man Porsche zugute halten: Von den Bereichen Marketing und Promotion könnten sich die meisten etablierten Fahrradhersteller ein paar ganz große Scheiben abschneiden. Die Stärken bei Porsches Fahrrädern findet man hingegen bisher eher bei den sehr gut abgestimmten Mountainbikes.



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