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Augen auf beim Brötchenkauf: Das Porsche FS

Das Bild eines typischen Mantafahrers kennen wir aus dem Kino. Doch wie sieht der typische Porschefahrer aus? Jener soll schön und reich sein, behauptet jedenfalls der Focus. Schlußfolgerung des Magazins: Deshalb fänden wir die Sportwagen jener Firma schön. Aha!

Läßt sich diese Ansicht allerdings auch auf Porscheradfahrer übertragen? Eine mehrwöchige Probefahrt sollte eine Antwort bringen.

Porschebikes sind natürlich nicht irgendwelche x-beliebige Räder. In Stuttgart beging man nicht den Fehler, aus Trendgründen voreilig ein Sportrad einzukaufen und das Porschelogo draufzukleben, um den Mountainbikes der anderen Autofirmen Paroli bieten zu können. Die Schwaben vergaben dagegen einen Entwicklungsauftrag an die angesehene Sportradschmiede Votec.

Ergebnis: Ein Porsche auf zwei Rädern. Votec stellt zwei unterschiedliche Porscheräder her: Das vorderradgefederte Bike S und das vollgefederte FS. Die beiden Typen unterscheiden sich nicht nur in der Rahmengeometrie, sondern auch im Preis. In Anlehnung an die Sportwagenreihe „911“ liegt der Endpreis bei 6911 (fürs FS-Bike) beziehungsweise 2911 Mark für die S-Version. Die 2911 Mark sind sehr knapp kalkuliert. Vergleicht man das Rad mit Ähnlichem aus dem Hause Votec, so müßte der Verkaufspreis bei etwa 3300 Mark liegen. 3911 Mark waren eben zuviel, so wurden es nur 2911.

Das FS-Bike stand uns auf der Suche nach Schönheit und Reichtum zur Verfügung. Es ist schon ein echter Blickfang. Mehrere spontane Gespräche mit den Nachbarn im Hausflur entwickelten sich aufgrund des außergewöhnlichen Aussehens. „Sieht aus wie vom Mars“ war noch der harmloseste Ausspruch eines Mitbewohners. Selbst mit unbekannten Menschen kam man ins Plaudern. Unser Tip: Porscherad fahren, dann klappt´s auch wieder mit den Nachbarn.

Wohin man dann fährt ist eigentlich egal. Auch zum Schrippenholen eignet sich das Rad. Aus den Augen lassen sollte man es aber besser nicht. Die zwölf Kilo Lebendgewicht sind schnell weggetragen. Deshalb „Augen auf beim Brötchenkauf“.

Den Liebhaber zieht es allerdings mit dem Vollgefederten in Wald und Flur: Auch stärkere Unebenheiten werden von der leider (noch) ungedämpften elastomergefederten Vorderradgabel spielend geschluckt, selbst bei höheren Geschwindigkeiten im Downhillbereich. Durch den langen Federweg von 110 Millimetern wird jede querliegende Baumwurzel zu einem wahren Vergnügen. So fühlt man sich jederzeit sicher im Sattel, denn das Vorderrad hat meist Bodenkontakt.

Sehr auffällig ist der zweiteilige Vorbausystem. So wird der Lenker nicht mehr am Vorbau festgeschraubt, sondern direkt an den beiden Gabelholmen. Die Konstruktion ist nicht nur äußerst stabil, sondern auch in drei Positionen winkelverstellbar. Die Gabel wiederum ist über zwei dreieckige Platten mit dem Lenkkopf verbunden.

Normalerweise kann man die Höhe des Lenkers über den Vorbau einstellen. Dies geht mit dem von Porsche als „revolutionär“ angepriesenen Vorbausystem nicht. Die Höhenverstellbarkeit ist deutlich eingeschränkt. Für Menschen ab etwa 1,85 m Körpergröße könnte deshalb der Lenker im Vergleich zum Sattel zu tief sitzen. Abhilfe schafft ein Ahead-Adapter (für ca. 80 Mark), der es ermöglicht, ganz normale Vorbauten zu montieren. Allerdings mit der Konsequenz, daß der Vorbau dann wieder schlicht aussieht.

Gebremst wird hydraulisch. Beim S mit Hilfe der Magura-Felgenbremse, beim FS mit der Scheibenbremse von Sachs (Power Disc II). Sie besitzt ein gutes Verzögerungsverhalten. Bei Schneeglätte zeigt allerdings auch diese Technik deutlich ihre Grenzen auf. Schnellfahren im Winter ist sowieso schwer möglich: Bereits nach 400 Meter Schneefahrt sprang die Kette beim Schalten in die unteren Gänge. Leider ist dies eine Folge des Trends immer mehr Gänge auf demselben Platz unterbringen zu wollen. Ein Problem, das sich bei allen Achtfach-Ritzelpaketen stellt und nicht nur bei Porsche.

Mit dem vorderen Dreifach-Kettenblatt stehen somit satte 24 Gänge zur Verfügung. Serienmäßig ist eine Kombination mit 22/34/44 Zähnen vorne und 11 bis 28 Ritzeln am Hinterrad montiert. Das vordere Paket läßt sich auf 18 bis 52 Zähne aufrüsten. Geschaltet wird mit den Sachs Quarzkomponenten. Beim F-Bike muß man kürzer treten und mit der Neos-Gruppe vorlieb nehmen. Bei unserem Rad, welches offensichtlich einige Kilometer schon gelaufen war, hatte die Sachs-Hinterradnabe bereits Spiel.

Ein Fall für den Service. Dienstleister in Sachen Porscherad ist in Berlin Kai Hoffmann vom gleichnamigen Radsportladen in der Kaiserin-Augusta Allee. Im Auftrag von Porsche kümmert sich der Charlottenburger exklusiv um Endmontage und Wartung. Hoffmann bestätigt, daß es schon öfters Probleme mit der Nabe gab. Etwas, das man bei einem 7000 Mark-Rad eigentlich nicht erwarten sollte. Doch Porsche steckt eben nicht in den Komponenten.

Ganze andere Probleme treten auf, wenn zukünftige Porscheradler vor dem Kauf bestimmte Einzelteile gegen andere ausgetauscht haben möchten. In jedem gutem Fahrradladen ist dies - gegen Verrechnung -ein selbstverständlicher Service. Bei der Porsche-Niederlassung in Berlin hieß es allerdings, das sei nicht möglich. So gießt man Wasser auf die Mühlen der Kritiker von fahrradverkaufenden Autofirmen.

Zurück zur vorzeigbaren Technik: Der erstklassig verarbeitete Rahmen (in den Größen 46 und 51 cm) ist beim FS schwarz, beim S-Bike indischrot. Die Rahmengeometrie mit unterschiedlichen Rohrdurchmessern ist sehr gut, die Pulverbeschichtung hält auch stärkere Beanspruchung aus. Die Schaltzüge verlaufen zum Teil ungeschützt außen am Rahmen, so daß Schmutz und Feuchtigkeit leicht eindringen können. Gekapselte Gore-Tex-Züge wären hier eine wirksame Verbesserung. Etwas provisorisch wirkt die Fixierung des vorderen Bremszuges mittels eines Kabelbinders an der Gabel. Auch daß eines der Bremskabel bei Lenkbewegungen klappert und reibt, ließe sich sicherlich noch verbessern.

Fazit: Die Porscheräder sind sehr gute, äußerst robuste, hervorragend verarbeitete Sportgeräte, für die man weder reich noch schön sein muß. Auch die noch vorhandenen Kinderkrankheiten ließen sich mit wenig Aufwand beheben.

Bleibt nur die Frage, wer sich ein Rad für fast 7000 Mark kauft. Immerhin habe man schon gut zwei Dutzend FS-Bikes verkauft, war von der Berliner Niederlassung zu erfahren. Während die FS-Version doch eher an den klassischen Porschefahrer ginge, seien bereits etwa 40 S-Räder vorwiegend an nicht sportwagenfahrende Kunden abgegeben worden.

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