Guter Service bei defekter Rohloff Speedhub-Nabe

Die Rohloff-Nabe Speedhub 500/ 14 ist in der Tat kein Schnäppchen. Eine Investition von rund 900 Euro sollte gut überlegt sein. Doch mit der 14-Gang-Nabe ist es in etwa so wie mit dem Kauf eines neuen Kühlschranks. Der Kaufpreis rechnet sich erst in späteren Jahren (wenn durch die Energieeinsparung die Stromkosten gegenüber dem alten Exemplar deutlich sinken). Doch was ist, wenn die Speedhub lange nach der Garantiezeit kaputt geht? Bekommt man für das Geld auch einen guten Service?

Nun wird ja kolportiert, dass die Technik in der Nabe unverwüstlich sei und es noch nicht "gelungen" sei, dass sich die Nabe verabschiedet. Doch Wehwehchen kommen durchaus vor. Leider kann der örtliche Fahrradhändler dann  wenig ausrichten. Einschicken heißt die Devise.

Probleme mit der Nabe kündigen sich meist langsam an. Erst klappert es ein wenig, erst in wenigen Gängen, oft lassen die Geräusche auch wieder nach, treten sporadisch auf, sind abhängig von Temperatur und Feuchtigkeit. Doch irgendwann werden die "Schreie" aus der Nabe beängstigend laut. Leider passiert dies natürlich bevorzugt auf Touren - fernab von Deutschland. Hilfe ist weit weg, so heißt es Daumen drücken und weiter radeln.

Vielleicht das gute Stück ein weniger belasten? Vielleicht steile Anstiege dann doch schieben? Keine Ahnung, ob es hilft. Vielleicht ist es psychologisch aber ganz gut, nicht ganz so doll in die Pedalen zu treten....

Im konkreten Fall waren nur noch die Gänge 1 und 2 geräuschlos. Ansonsten war ein Kampf der Planeten zu hören. Lautes Schlagen - wie Hammerschläge - war zu hören. Teilweise gab es Leertritte. Alles nicht schön, und da war er wieder der Gedanke: "Werde ich der erste sein, beim sich eine Speedhub aufraucht? Schließlich musste die Nabe in den vergangenen Jahren - und auch in diesem Sommer immer wieder durch Gletscherflüsse durch und feiner Wüstensand in Island oder der rote Staub Australiens dringt auch noch durch die kleinste Ritze.

Die Nabe hielt bis zum Schluss durch. Irgendwann gewöhnt man sich an den Krach und gewinnt wieder Zuversicht, dass schon alles nicht so schlimm sei. Zu Hause angekommen wurde sie dann über einen Händler zu Rohloff eingeschickt. Vielleicht war es auch mal ganz gut, nach fünf Jahren und rund 25 000 Kilometer unter Hochbelastung, die Nabe durchchecken zu lassen. Die Reparatur dauerte rund zwei Wochen. Zuvor gab es ein längeres Gespräch mit dem Fachhändler. Bevor die Nabe nämlich verschickt wird, heißt es, einen längeren Fragbogen mit einer detailierten Fehlerbeschreibung auszufüllen. Es empfiehlt sich deshalb bereits beim Radfahren zu notieren, in welchen Gängen und wann die Geräusche oder Leertritte vorkommen.

Rohloff entschuldigte sich in einem Begleitschreiben für die Probleme: "Es tut uns leid, dass Sie wegen diem Service auf die Speedhub verzichten mussten und wünschen Ihnen nun ungeteilten Spaß mit der Nabe". Was genau repariert, überprüft oder gar ausgetauscht wurde, ist nicht zu erfahren - auch nicht für die betreuende Werkstatt. Das Gute: Der Service war vollständig kostenlos.

Das ist insofern erfreulich, da Rohloff nur die gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren anbietet (und auf der Webseite zudem ein paar Verschleißteile ausschließt). Verlangt wird übrigens auch ein regelmäßiger Ölwechsel und ein "kostenpflichtiger Service-Check" beim Fachhändler.

Aufgrund einer Beschädigung der Dichtfläche des Ritzels wurde dieses auch ohne Gebühren ausgetauscht. Der Service bei Rohloff stimmt also. "Und was war nun kaputt?", fragte ich meinen Fahrradhändler. Der musste mit den Schultern zucken. Rohloff hält sich - auch gegenüber Händlern - sehr bedeckt. Eigentlich kann es einem ja egal sein, aber ein bißchen neugierig ist man ja schon, wie viel Planeten sich eventuell auf eine neue Umlaufbahn geschossen haben.

Kommen wir noch einmal zurück auf den Kühlschrankvergleich. In der Tat sind die Anschaffungskosten extrem hoch, doch aufgrund des Services und der Langlebigkeit des Produktes rechnet sich die Investition über die Jahre. Und Rohloff-Naben sind auch sehr wertstabil. Gebrauchte gegen bei Ebay auch selten unter 600 Euro weg. Wenn man dann bedenkt, dass man weniger Ketten verschleißt, auch das Ritzel weniger oft ausgetauscht werden muss (und mit rund 25 Euro auch deutlich billiger ist als ein Ritzelpaket), kommt ein Teil der Ausgabe über die Jahre auf diese Weise wieder herein. Das Ritzel kann man übrigens wenden, allerdings hat sich bei mir das Ritzel immer schon in der ersten Phase verabschiedet (durch Anbrüche), so dass eine Wendung nicht möglich war. Ansonsten fallen lediglich Kosten für den jährlichen Ölwechsel an. Der ist auch leicht selbst durchzuführen, so dass die sechs Euro fürs Öl keine große Summe darstellen.

Allerdings kommt dieser Tage auch mit der Alfine 11, einer Elf-Gang-Nabe von Shimano, Konkurrenz auf den Markt. Sie hat ein Übersetzungsumfang von 409 Prozent (Rohloff 526 Prozent), wiegt etwa 1600 g (250 g weniger als die Speedhub) und soll etwa 460 Euro kosten.  Doch eine echte Alternative für Viel- und Extremfahrer ist sie nicht. Shimano selbst gibt sie nämlich nicht für den Mountainbikeeinsatz frei. 

Zurück zur Speedhub: Wer im kalten Winter fährt (unter minus 15 Grad), dem empfiehlt übrigens Rohloff, das Öl zu wechseln, die die Nabe zunächst intensiv zu spülen und dann als Ölfüllung eine 50/50 Mischung aus Rohloff Spülöl und Ganzjahresöl verwenden (Gesamtmenge 25ml). Ich habe die Nabe kürzlich (nach der Reparatur) auf einer Tour durch Mittelschweden/Norwegen bei Temperaturen bis minus 18 Grad getestet und konnte keine Beeinträchtigung feststellen.

Der Schaltzug ging allerdings sehr schwer. Rohloff hat dafür ein paar Tipps parat.  Ein Grund kann aber auch eingedrungenes Wasser sein

Zum Schluss noch eine kleine Anmerkung zu der kleinen Lobhudelei an dieser Stelle: Ich werde nicht von Rohloff gesponsert und auch die Nabe wurde ganz normal im Fachhandel erworben. Rohloff kann also nicht wissen, dass die Nabe von mir stammt. Der Service gilt (hoffentlich) also für jedermann und nicht nur für Fahrradjournalisten.

Nun bleibt zu hoffen, dass andere von Ausfällen verschont bleiben, sollte die Nabe jedoch mal eingeschickt werden müssen, gibt Rohloff auf seiner Webseite Tipps für das richtige Vorgehen. 

 Rohloff Serviceschreiben

 

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