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Durch die erhöhte Nachfrage sinken auch die Preise. 80 Euro oder noch mehr muss heute keiner mehr für einen genagelten Reifen ausgeben, jedenfalls, wenn man weiß, wie man im Internet bestellt. Gute Reifen bekommt man dort für 20 bis 40 Euro. Wer sich allerdings weniger als ein Kilo Gewicht pro Reifen wünscht, muss tiefer in die Tasche greifen. Fahrradtest.de hat einige Spikesreifen auf längeren Touren getestet und deutliche Unterschiede in Punkto Haltbarkeit und Qualität festgestellt.

Da hier am Redaktionssitz in Berlin auch eher selten mit Glätte zu rechnen ist, haben wir den Langzeittest nach Skandinavien verlagert. Es sind etliche, ja Tausende von Kilometern zusammen gekommen, auf Asphalt, Schnee, Glatteis und Schotterstraßen - und nicht jeder Spikereifen hat auch überlebt.
Spikesreifen im Test Foto: Ulf HoffmannIm Test waren:
Ice Spiker von Schwalbe (26x 2,1 mit 361 Spikes)
Schwalbe Marathon Winter (26 x 1,75 mit x Spikes)
Schwalbe Ice Spiker Pro (faltbar, leicht, 26x 2,1 mit 361 Spikes)
Nokia Mount & Ground (26 x 2,1 W 288 mit 288 Spikes)
Biltema Dubbdäck (26x 2,10 mit 280 Spikes)

Am schlechtesten hat der Ice Spiker von Schwalbe abgeschnitten. Ein Reifen litt an Drahtbruch (nach wenigen 100 Kilometern), der andere hat komplett seine Nägel auf der Lauffläche verloren (siehe Fotos rechts). Doch wieso? Klar, könnte man meinen: falsch eingefahren, denn wichtig ist es, den Reifen auf trockener und sauberer Fahrbahn für 40 bis 50 km einzufahren. Nicht bei jedem Reifen hängt übrigens dazu ein Hinweis am Produkt. Durch Einfahren setzen sich die Spikes. Sie können dann nicht so schnell rausfliegen oder sich verdrehen. Während der Zeit sollte man nicht stark bremsen oder beschleunigen. Es ist also angebracht, Spikesreifen bereits im Herbst vor dem ersten Laubfall zu kaufen, denn ansonsten wird´s knapp oder auch gar nichts, weil die Spikes sich eventuell von alleine verabschieden. Bereits ein bisschen Sand, der sich in die Lücken setzt, kann sich negativ auswirken. Mit einer Gewährleistung wegen verlorener Spikes wird es also sowieso schwierig. Da wird Hersteller/Händler immer behaupten: du hast falsch eingefahren. 

Foto: Ulf HoffmannAber selbst wenn sie sich nicht – wie beim Ice Spiker – reihenweise verabschieden, hilft auch ein Stift im Reifen nichts, der sich bereits nach rund 500 km abgefahren ist. Darunter litten der Ice Spike und der Biltema. Weniger bis gar keinen Verschleiß zeigten Nokian Mount & Ground, der Schwalbe Marathon Winter und der Ice Spike Pro. Natürlich hängt Verschleiß auch davon ab, wie stark belastet der Reifen wird. Am Vorderrad hält er länger als am Hinterrad. Falls man nur einen Spikereifen hat, sollte man den übrigens vorne montieren.

Im Puncto Spikeverlust lag der Ice Spiker Pro ganz vorn. Spikeverlust war nicht zu verzeichnen (wie übrigens auch beim Biltema), auch war nach 800 km keine große Abnutzung zu erkennen. Der Ice Spiker Pro hat allerdings eine sehr dünne Seitenwand, lässt sich aber gut falten. Dafür ist er auch aufgrund der Wolfram-Carbid-Spikes vergleichsweise leicht.
Gut für die Stadt geeignet ist der Schwalbe Winter Marathon. Der hat im Winter 2012/13 und im laufenden Winter über 2000 km zurückgelegt und sieht bis auf fünf verlorene Spikes (meist auf der Außenseite) noch richtig gut aus. Mit einer Reifenbreite von 26 x 1,75 ist er auch der ideale Reifen für die Stadt. Die Rolleigenschaften sind noch akzeptabel, auch die Lautstärke ist nicht so auffällig wie bei den Ice Spiker.

Aufgrund der schlechten Erfahrungen mit dem Ice Spiker bin ich auch mit einem Spikereifen der skandinavischen Handelskette Biltema einen Winter lang gefahren. Der Reifen kostet 299 Schwedische Kronen, also in etwa 33 Euro. Das Profil ist gut, auch sind keine Spikes verloren gegangen. Nur sind die Spikes wenig haltbar und in der Mitte bereits fast vollständig abgefahren. Etwas, was mir auch schwedische und norwegische Radfahrer bestätigten. Die Reifen kommen übrigens aus China und werden exklusiv für Biltema hergestellt. Der Kauf vor Ort lohnt sich also nicht wirklich, für den Preis bekommt man in Deutschland deutlich bessere Reifen. 

Spikes bei Winterradtour Foto: Ulf HoffmannWie gut und lange ein Spikereifen halten kann, zeigt Nokia, heute Nokian genannt. Nokian ist ein Pionier unter den Spikereifen für Fahrräder. Nach wie vor werden die Reifen in Finnland produziert. Da spielt es auch keine so große Rolle, dass die Autoreifen unter dem Namen Nokian nichts mit den Fahrradreifen zu tun haben. Diese werden nämlich von Suomi Tyres hergestellt. Doch hat die Qualität in den vergangenen Jahren nachgelassen? Dies wird der Langzeittest mit dem Nokian Mount & Ground 160 zeigen, der frisch eingetroffen ist. (übrigens alle hier getesteten Reifen sind im freien Handel anonym eingekauft worden)

Der alte Mount & Ground W 288, gekauft 1998 in Oulu, ist weiterhin an zwei verschiedenen Fahrrädern im Einsatz. Nach etwa 12 000 km sind nur zwei Spikes verloren gegangen. Die Pins sind immer noch spitz. Der Reifen leidet jetzt aber zunehmend unter Altersschwäche. Heißt, die Seitenwand wird rissig. Für die Stadt ist er weiterhin einsetzbar. Für eine große Tour wäre das aber ein zu großes Risiko. Wie lange ein Reifen hält, hängt natürlich auch vom Untergrund ab. Viel Asphalt heißt viel Verschleiß, wer so wie ich, oft Schotterstraßen und Waldwege fährt, schont natürlich auch die Spikes. 

Spikereifen spielen ihren Vorteil übrigens vor allem auf Schneeglätte und Eis aus. Der Tagesspiegel hat letztens genau das Gegenteil behauptet, meinte, bei Eisglätte würde sie gar nichts bringen. Was stimmt: Im Tiefschnee und bei lockeren Verwerfungen helfen die Spikes auch nur wenig. Trotzdem: man kommt weniger stark ins Rutschen, weil irgendwo unterm Schnee ein glatter Untergrund ist, auf dem die Kralle zupackt. Im Tiefschnee hilft grobes, breites Profil, gepaart mit Spikes. Der Ice Spiker Pro zeigte auf Tiefschneewegen in Norwegen sein Können. Da er mit rund 695 g recht leicht ist, und auch gut faltbar ist, eignet er sich auch insbesondere für Touren, auf denen man eventuell mit Eis und Schnee rechnen muss, aber nicht dauerhaft mit Spikes fahren möchte.

Schwalbe Marathon Winter - ein guter Reifen für den Alltag Foto: Ulf HoffmannGenerell kann man aber sagen: ein paar Nägel unter dem Reifen zu haben, ist immer besser, als ohne durch den Winter zu radeln. Wie viel Nägel der Reifen haben sollte, hängt vom Einsatzgebiet ab. Wer in der Stadt unterwegs ist, besorgt sich einen leichtlaufenden Reifen, der an den Flanken mit Spikes ausgestattet ist. So wird das Wegrutschen verhindert. Bei eis- und schneefreier Fahrbahn fährt man mit hohem Luftdruck, bei glatter Piste verringert man den Luftdruck und erhöht die Auflagenfläche. 

Fazit: Es ist schwer, im Vorfeld zu erkennen, ob ein Spikereifen gut oder schlecht ist. Da hilft nur Probieren oder Erfahrungsberichte anderer Radfahrer.

Nokian und Schwalbe bieten übrigens Ersatzspikes an. Wie man die einsetzt erfährst Du hier.

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