Unsere Webmagazine

Elektroradtest.de - Der neue Ratgeber für E-Bikes & Pedelecs
Das Reiseradio - Audioreportagen und Interviews
Holidayjournal.de - Magazin für warme und kalte Reisen
Der komplette Reiseführer für Island
Bytetest.de - Der Internet- & Computerratgeber
Anzeige

Wenn man an Fahrradfahrer mit Atemmasken denkt, fällt einem als erstes wohl der arme asiatische Kleinunternehmer ein, der sich mit seiner Rikscha durch den dichten Feierabendverkehr schleppt, während man die andere Straßenseite aufgrund der Abgase schon nicht mehr sieht. So schlimm ist es bei uns zum Glück nicht. Die Luft in unseren Städten ist in den vergangenen Jahren durchaus besser geworden, aber belastet ist sie trotzdem weiterhin. Und im Sommer kommt noch die Ozonbelastung hinzu. Doch kann man sich gegen die Abgase in der Stadt mit einer Atemschutzmaske schützen?

Eine Antwort fällt nicht leicht. Fest steht: Fahrrad fahren ist und bleibt gesund - auch in der Stadt. Mit und ohne Maske. Nur sagen Mediziner, dass man bei Radeln bis zu 40 Liter Luft pro Minute einatmet. Ein Spaziergänger bringt es dagegen nur auf 14 Liter pro Minute. Oder anders ausgedrückt: Beim Fahrrad fahren wird fünf Mal soviel Atemluft gebraucht, wie bei der Arbeit vor dem Computer. Je mehr Luft, desto mehr Schadstoffe finden auch den Weg in die Lungen.

Für den Biker gibt es drei Lösungsvarianten. Entweder man fährt nicht mehr Rad (schlechte Lösung), strengt sich nicht so an (immer angebrachte Lösung), benutzt eine Atemmaske (umstrittene Lösung) oder atmet vor allem durch die Nase. Letztere Lösung empfiehlt Kim Tofaute, Sportmediziner und seines Zeichens fast promovierter Mountainbiker an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Tofaute hält nicht viel von Atemmasken. Manch ein Fahrradkurier dagegen schwört regelrecht auf den Mund- und Nasenschutz. Aber vielleicht liegt´s auch daran, dass man mit dem Gesichtschutz auch nicht so schnell beim "über Rot fahren" erkannt wird.

Aber was bringt eine Maske für die Gesundheit? Das Ergebnis ist nicht eindeutig. Greenpeace beispielsweise sagt: "Nicht viel". Die Umweltschützer haben sich schon vor Jahren mit dem Thema befasst und die durchaus beliebte und auch in Fahrradladen angebotene Atemmaske von Greenscreen getestet. Diese Masken sehen ganz poppig aus. Und wenn man noch eine Sonnenbrille aufsetzt, kommt man glatt als Bankräuber durch.

Herzstück der Maske ist ein Aktivkohlefilter, der in einer Baumwoll- oder Neoprenhülle steckt. Doch wie viel halten sie ab? Greenpeace kommt zu dem Fazit: "Die hochtoxischen Abgase und krebserregenden Partikel werden durch den Atemschutz kaum zurückgehalten". Selbstverständlich kam es zu einer Schadstoffverringerung. Um rund 17 Prozent verringerte sich der Kohlenmonoxidanteil (CO), Stickstoffdioxide (NO2) wurden zu fast 60 Prozent herausgefiltert. Der Wert von Schwefeldioxid (SO2) lag allerdings bei 30 Prozent und der Rußreduzierung bei etwas über 30 Prozent. Greenpeace schließt daraus: "Für die meisten Schadstoffe stellt der Filter kaum eine Barriere dar". Und man muss auch noch bedenken, dass die Masken nicht ganz dicht sind. Das British Health Institute in London hat zwei der Greenscreen-Filter (Neo und Rap) auf Dichtigkeit untersucht, und urteilte, dass 25 Prozent der Atemluft am Filter vorbeirauschen.

Für den Hersteller ist natürlich die andere Seite der Medaille wichtig: 75 Prozent der Schadstoffe wurden herausgefiltert, wenn auch mit unterschiedlicher Wirkung. Wenn also die Maske nicht richtig sitzt, ist der Effekt nicht sehr groß. Bei diesen Werten wären schon etliche Lackierer oder Feuerwehrmänner nicht nur berufsunfähig. Natürlich benutzen diese auch andere Masken, die sich nicht für Radfahrer eignen, da der Atemwiderstand vergleichsweise hoch ist und so sportliche Aktivitäten mit einer hohen Atemfrequenz erschweren. Jeder Bundeswehrsoldat kennt das Problem, wenn er mal in voller Montur durch den Matsch rennen musste. Zudem passt man mit diesen (auch erheblich) teureren Masken vom Outfit höchstens auf eine Fetisch-Party in Lack und Leder. Trotzdem: Auch mit den Gesichtsmasken für Biker fällt das Atmen schwerer. Und da man auch je Menge Feuchtigkeit ausatmet, ist die Maske auch ein guter Platz für allerlei Keime, die in der mollig-feuchten Umgebung wachsen. Während die Maske mit kaltem Wasser und Waschmittel gereinigt werden kann, muss der Filter etwa jeden Monat oder alle 40 Gebrauchsstunden gewechselt werden, sonst verpufft nicht nur die Wirkung sondern die Keimbelastung kann unter Umständen zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führen.

Sehr viel Wirkung zeigen die Aktivkohlefilter laut Greenpeace aber beim Ozon. Bodennahes Ozon, welches die Schleimhäute reizt, Kopfschmerzen und Augenröte verursacht, tritt besonders an heißen Sommertagen auf, und leider auch noch bevorzugt in Gebieten, wo man es nicht erwartet: auf dem Land, im Wald oder im Park.

Doch Ozon wird laut Greenpeace fast vollständig von den Filtern zurückgehalten. In diesem Punkt decken sich die Ergebnisse auch mit einer Studie des Instituto Autonomo de Investigaciones Ecologicas (INAINE) in Mexico. Die Mexikaner testeten die Masken in Mexico City und stellten folgende Ergebnisse - laut Hersteller - fest: Das Ozon ließ sich zu 84 Prozent zurückhalten, Blei zu 75 Prozent, Gerüche zu 90 Prozent. Ganz interessant ist die Maske als Pollenfilter. Pollen werden laut INAINE zu 95 Prozent rausgefiltert. Allerdings müssten dann natürlich Allergiker die Maske ständig tragen, nicht nur beim Rad fahren. Das INAINE hat die Testergebnisse zusammengerechnet und kam unterm Strich zu dem Schluss: "Die Masken filtern mindestens 50 Prozent der Schadstoffe heraus, die man in der Atemluft findet".

Angesichts der Testresultate fragt man sich als Radfahrer, brauch´ ich eine Maske? Natürlich schadet sie nicht, aber der Nutzen ist begrenzt und das regelmäßige Wechseln des Filters verursacht Folgekosten. Und Wunder sollte man auch bei richtiger Anwendung nicht erwarten. Am besten scheint zu sein, den großen Abgaswolken, wenn möglich, aus dem Weg zu gehen. Also nicht gerade an der Ampel hinter einem Diesel warten (Feinstäube und ultrafeine Partikel, die aus dem Dieselauspuff dampfen, können laut Umweltbundesamt die Atemwege schädigen, Herz und Kreislauf belasten und stehen im Verdacht Lungenkrebs hervorzurufen). Gut ist es deshalb auch, viel befahrene Straße meiden, und ruhig radeln. Denn wer aus der Puste kommt, sollten nicht gerade im Verkehrsstau, vielleicht noch in einer Unterführung Luft holen. Seine Atemzyklen und seinen Fahrweg anzupassen, scheint der beste Weg zu sein, denn ein Filter kann auch die eigenen Sinne täuschen. Man riecht einfach nicht mehr intensiv, bekommt deshalb auch wenig gut mit, wenn man wieder durch eine Schadstoffwolke radelt.



Ähnliche Beiträge

Fahrradtest.de - Ein Projekt der Journalia Kommunikation Multimediaagentur

Fahrradtest.de ist optimiert für Firefox, Chrome, Opera & Safari. Benutzer von IE8 sollten ihren Browser updaten.

Copyright © 2016. Alle Rechte vorbehalten.