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Radfahren soll ja gewisse Körperpartien, besonders im hinteren Bereich, in Form bringen. Damit man das Ergebnis dann auch bewundern kann, steckt so mancher seinen Allerwertesten beim Biken in eine knappe Radhose, könnte man denken. Doch nicht jeder und vor allem auch jede steht auch auf dieses meist auch noch glänzende Beinkleid. Im manchen Situationen ist das Radleroutfit weniger gefragt. Trotzdem sollte man auf längeren Touren stets spezielle Radbekleidung anziehen, nicht um aufzufallen, sondern um schmerzfrei das Ziel zu erreichen. Die flatternde Jogginghose oder gar Jeans stören beim Radeln nicht nur aufgrund des Schlags, der die Kette berühren kann.

"Baumwolle hat am Bikerkörper nichts verloren", sagt Jürgen Schatz von der Radsportbekleidungsfirma Gonso. Neuester Trend sind deshalb Radhosen, die ihr Geheimnis verstecken und von außen wie eine normale Short oder Trekkinghose aussehen. Die Industrie nennt dies funktionelle Bikebekleidung. Man setzt weniger auf plakative Drucke, sondern dezente Muster. Gleich, ob eng oder weitsitzend, sämtliche Radhosen haben zwei Sachen gemeinsam: Sie werden aus Kunstfasern hergestellt und haben ein eingenähtes Sitzpolster. Gerade Letzteres unterscheidet die Bikehose von einer so genannten Radler, die sehr oft auch im Supermarkt angeboten wird.

Es gibt auch Shorts, in die eine komplette Radhose integriert wurde. Bei der billigen Variante ist das Sitzpolster in eine Netzinnenhose eingenäht. Diese trägt sich nicht sehr gut, kann manchmal auch zudem merkwürdig aussehen, wenn das Polster vorne übersteht.

Damit nichts scheuert oder reibt, sollte das Polster, aber auch die gesamte Hose nur wenige Nähte aufweisen und keine Falten werfen. Wo Nähte unvermeidlich sind, findet man bei guten Produkten Flachnähte.

Standardeinlage ist heutzutage ein Fleecestoff, die Namen und Herstellungsverfahren unterscheiden sich je nach Anbieter. Descente nennt es beispielsweise "Airstripe" und Gore Bike Wear "Monolith".

Das früher oft verwendete Leder findet man nur noch selten. Der Kunststoff ist weicher und vor allem pflegeleichter, man muss es nach der Wäsche nicht unbedingt eincremen (obwohl es spezielle Cremes gibt) und besonders wichtig: Es trocknet erheblich schneller als so ein Lederlappen.

Denn aus hygienischen Gründen sollte man - wenn möglich - die Radhose nach jeder (Tages)Tour waschen. Die oft als antibakteriell deklarierte Einlage ist nämlich kein Wunderding. Bakterien können auf Dauer auch dem Material zusetzen, ganz abgesehen vom nicht sehr angenehmen Geruch. Und gegen Po-Schmerzen hilft in erster Linie auch nicht die Einlage sondern ein vernünftiger Sattel. Hersteller wie Gonso verwenden beim Innenpolster ausschliesslich ein Polyesterfleece. Andere Anbieter setzen im vorderen Bereich Frottee ein. Dieser Stoff ist billiger, wird allerdings auch schneller beim Schwitzen nass, was gerade in diesem sensiblen Bereich Probleme bereiten kann.

Der Einsatz von synthetischen Materialien hat den entscheidenden Vorteil, dass der Schweiß schnell abgeleitet werden kann, das Material besser gegen den Fahrtwind schützt, bestenfalls sogar atmungsaktiv und wasserdicht ist. Ganz wesentlich ist auch, dass es sehr schnell trocknet.Mit Naturfasern ist dies nicht zu erreichen, die eingesetzten Stoffe sind deshalb Produkte der chemischen Industrie und heißen etwa Sensitive, Absorbtex, Supplex oder Coolmax: Feine High-Tech-Fasern, die sich besonders dicht weben lassen und zum Teil wie beim Coolmax auch über eine Kapillarfunktion verfügen, die die Feuchtigkeit von der Haut weg führt. Weiteres Qualitätsmerkmal einer guten Hose ist die Antirutschnaht am Bein. Damit wird verhindert, dass sich das Hosenbein beim Treten nach oben bewegt.

Eine besondere Klimahose kommt im Frühjahr 2000 auf den Markt. Gleich mehrere Hersteller verwenden in ihren Hosen ein aus der Raumfahrt kommendes Material. Phase Change Material (PCM) heißt es und verändert je nach Temperatur den Aggregatszustand. Der Schaum ist mit Mikrokapseln gekoppelt, die die Temperatur um einen Bereich von sechs Grad regulieren können. Erhöht sich die Körpertemperatur, wird überflüssige Wärme gespeichert. Sinkt die Temperatur, wird die zuvor gespeicherte Wärme abgegeben, erläutert Roland Stadelmann von der Firma Descente. Vorab darüber nicht informierte Probanden berichteten in Tests des "Cool-Pads" zumindest von einem kühlen Gefühl.

Während das mit dem Cool-Pad noch nachvollziehbar ist, wird´s bei einer weiteren Erfindung schon schwieriger. Der Bayer Walter Zapf hat einen Chip entwickelt, der - in die Radhose oder ins Trikot eingenäht - zu mehr Leistung führen soll (Werbespruch: Mehr drin, besser drauf!).

Dieser Chip der Firma Urmoor aus Lindau soll vor allem die Sauerstoffversorgung während der Spitzenbelastung optimieren. Auf Deutsch: Es kommt nicht mehr zu einem Muskelkater. Wie das geschieht, bleibt das Geheimnis des Erfinders, der sieben Jahre daran geforscht haben will. Denn auch die Erklärung, dass dieser Chip "durch die Übertragung einer harmonischen Resonanzfrequenz der Sauerstoffinformation wirkt", ist wissenschaftlich gesehen, ziemlich unwissenschaftlich. "Das ist das Problem", sagt Zapf, "dass der Kunde etwas bekommt, was er nicht versteht, was aber wirkt". Woraus der Biochip, der etwa so groß wie ein Zwei-Mark-Stück ist, wirklich besteht, will Zapf nicht verraten. So bleibt doch so lange Skepsis, bis man einen Selbstversuch wagt. Es soll jedoch hervorragend funktionieren.

Bereits viele Sportler setzen auf diese Art der Leistungssteigerung. Egal ob Triathleten, die Deutsche Damen Ski-Nationalmannschaft, der Bayerische Leichtathletikverband, das Deutsche Biathleten-Team oder auch die Girls vom nationalen Ski-Team der USA. So manche Goldmedaille soll der Chip zumindest unterstützt haben.

Bei Gonso wird das Wunderding in die Hose und ins Trikot eingenäht. Und der Konkurrent Puma wird demnächst einen Schuh mit eingepflanztem Chip herausbringen. In Zukunft kann man auch auf den Chip ganz verzichten, denn die Information soll bereits in die Textilfaser quasi eingewebt werden, sagt Zapf. Ob das ganze Humbug oder Placebo ist und was es wirklich medizinisch bewirkt, soll demnächst in einer Studie der Uni Bayreuth untersucht werden.

Ganz praktisch für Männer mit schwacher Blase ist eine neue patentierte Erfindung der italienischen Firma Biemme. Dort hat man sich Gedanken über das kleine Geschäft gemacht. Besonders bei Trägerhosen ist das Ausziehen lästig, um kurz Wasser lassen zu wollen. Ein kleiner Schlitz in der Radhose, ähnlich einem Eingriff in einen Slip, garantiert schnellen Zugriff. Damen sollten übrigens nur Damenhosen anziehen. Diese sind nicht nur anders geschnitten, sondern verfügen auch über keine Mittelnaht im Sitzpolster.

Und was trägt Frau und Mann unter der Radhose? Nichts! Jeder Slip, jede Naht reibt auf der Haut, nicht erst dann, wenn der Biker schwitzt. Allerdings kann es natürlich bei längeren Touren ein hygienisches Problem darstellen, ständig nur eine Hose zur Verfügung zu haben.

Nach langer Suche und vielen schmerzhaften Erfahrungen habe ich ein paar Badehosen gefunden, die nicht reiben und deshalb unter die Radhosen gezogen werden können. Es gibt aber alternativ auch spezielle Unterhosen mit Einlage. So müssen nur noch diese gewaschen werden.



Gäbe es im Fernsehen noch das "Laufende Band" mit Rudi Carell, man könnte heutzutage statt der damals üblichen Utensilien wie Toaster, Stofftier oder Kaffeemaschine ein ganzes Band nur mit verschiedenen Fahrrädern füllen.

Wie viel Radtypen es nun wirklich gibt, kann wohl niemand so genau sagen. Fürs klassische Fahrrad gibt es mehr Begriffe als so mancher Händler Räder im Programm hat. Heute heißt ein Fahrrad schon lange nicht mehr schlicht Fahrrad. Es gibt Citybikes, Trekkingräder, Cross-Bikes, Reiseräder, Streetbikes, natürlich Mountainbikes, aber auch Falt- und Liegeräder. Hinzu kommen noch Rennräder, Triathlonbikes, Cruiser, vollgefederte Velos (so genannte Fullies), solche, die nur über eine gefederte Gabel verfügen (Hardtails). Nicht zu vergessen die Drahtesel mit einem extra tiefen Durchstieg (Easy-Boarding-Bikes), und andere mit einem zusätzlichen Antrieb durch einen Elektromotor (E-Bikes).

Die Auswahl ist überwältigend. Wer jetzt mit dem Beginn der Saison ein neues Bike sucht, hat deshalb die Qual der Wahl. Entweder wälzt man monatelange etliche Fahrradmagazine durch, oder man holt sich den fachmännischen Rat beim Fahrradhandel. Ein paar (meist englische) Fachbegriffe zu kennen, kann nicht schaden, ebenso wenig die einzelnen Typen vom Namen her unterscheiden zu können.

 Das Citybike

 Citybikes nannte man früher Stadträder. Im Prinzip ist es ein alter Fahrradtyp, der durch eine bequeme, aufrechte Sitzposition besticht. Auffällig bei diesem Rad ist der tiefe Durchstieg. Weshalb einige Hersteller sie auch "Easy Boarding Bikes" nennen. Auf Deutsch: Man muss nicht mehr mühsam aufsteigen (selbst mit Rock ist der Sattel leicht zu erreichen). Stadträder sind nicht als Sportgerät konzipiert. Ihr Einsatzgebiet ist –wie der Name schon verrät - die Stadt oder bestenfalls das nahe Umland bei einem kurzen Ausflug. Sie protzen nicht mit vielen Gängen, oft reicht für die Zielgruppe eine Nabenschaltung mit sieben Gängen aus. Ein stabiler Gepäckträger sollte ebenso vorhanden sein, wie eine komplette Lichtanlage und Schutzbleche. Citybikes bekommt man sowohl mit 26-Zoll als auch 28-Zoll-Rädern.

Zu den Stadtvelos muss man auch die Streetbikes zählen. Dieser noch neue Radtyp eignet sich eher für den sportlichen Fahrer. Die Rahmengeometrie ist nicht so "weiblich", das Fahrverhalten aggressiver und wendiger. Streetbikes sind oft mit einer Vollfederung ausgestattet, die Transportmöglichkeiten für Gepäck ist dagegen stark eingeschränkt.

Das Trekkingrad

Auffällig an einem Trekkingrad ist der große Einsatzbereich. Sie laufen in der Stadt ebenso gut wie auf einer Radtour. Und auch der Waldweg lässt sich mit diesen stabilen Bikes befahren. Trekkingräder verfügen meist über 28-Zoll-Laufräder und einen stabilen Gepäckträger. Durch die vergleichsweise schmalen Reifen besitzt es sehr gute Laufeigenschaften. Der große Übersetzungsbereich (meist verteilt auf 27 Gänge) ermöglicht auch längere Bergpassagen. Auf Grund der großen Laufräder eignen sie sich auch für groß gewachsene Menschen. Es gibt aber mittlerweile auch Varianten mit 26-Zoll-Rädern.

Zu den Trekkingbikes werden auch die All-Terrain-Bikes gezählt ( die man kurz ATB nennt) und die Crossräder gezählt. Beides sind sportliche Varianten dieses Typs, die vor allem dadurch auffallen, dass sie ohne Schutzbleche und Lichtanlage ausgeliefert werden.

Das Mountainbike

Mountainbikes (MTB) waren ursprünglich nur für den Geländeeinsatz konzipiert worden. MTBs verfügen deshalb immer über 26-Zoll-Laufräder, auf die groß-volumige Reifen montiert werden. Sie sind sehr robust, spurtreu und weniger anfällig für Pannen. Speichenbrüche gibt es auf Grund der kleineren Laufräder im Gegensatz zum Trekkingrad weniger oft. Verfügen Mountainbikes über eine Federung an Vorder- oder Hinterrad, so nennt man sie Fully (von dem englischen Wort "Fullsuspension"). Verfügt das Rad "nur" über eine Federgabel, so heißt das Produkt "Hardtail". Der Begriff "Fully" wird mittlerweile auch bei den anderen Radtypen verwendet. Allerdings nennt man sie dort oft – im Hinblick auf die Zielgruppe – auch Komforträder. Zu den MTBs zählen auch Downhill-Bikes. Diese Bergabfahrträder (die niemand so nennt) sollten eigentlich nur im Paket mit einem Jahresabo für einen Sessellift verkauft werden. Denn selbst fürs flache Gelände sind diese Räder ungeeignet. In einer abgespeckten Version heißen sie übrigens "Freeride". Damit kann man dann auch den ein oder anderen leichten Hügel bewältigen.

Das Elektrorad

Immer mehr Freunde finden mit einem Elektromotor ausgestattete Fahrräder. Neuerdings unterscheidet man in dieser Gruppe zwischen zwei verschiedenen Typen. Als Pedelecs bezeichnet man Fahrräder, die automatisch beim Treten "Gas" geben (abgeleitet vom Begriff Pedal-Electric). Bei der anderen Gruppe, den E-Bikes, wird über einen Handgriff "Gas" gegeben. Nicht alle Elektrofahrräder sind zulassungs- und versicherungsfrei.

Das Reiserad

Reiseräder leiteten sich ursprünglich von den Rennrädern ab. Mittlerweile werden sie aber auch mit der Plattform eines Mountainbikes angeboten. Egal, ob in der 26 oder 28-Zoll-Größe, Reisebikes müssen viel Gepäck tragen können, über einen sehr stabilen Rahmen verfügen und möglichst wenig komplizierte oder wartungsintensive Technik beinhalten. Der Übersetzungsbereich muss sehr gross sein, will man nicht an jeder Steigung schieben. Eine wichtige Rolle spielt auch eine bequemer Sattel und ein Lenker mit vielen Griffpositionen.

Das Rennrad

Der Klassiker schlecht hin. Schmale Reifen, wenig Gewicht und auf Geschwindigkeit getrimmt. Kein Gepäckträger, keine Lichtanlage, keine Schutzbleche. Ein Sportgerät par excellence. Auffällig der typisch gebogene Lenker, der in dieser Form nur noch an beim Cross-Bikes zu finden ist. Seit diesem Jahr hält auch die Federung verstärkt in diesem Bereich Einzug.



Was schenkt man nur einem Radfahrer zu Weihnachten? Einen Helm? Eine Radhose? Vielleicht gar ein neues Rad? Velos sollte man nicht verschenken, jedenfalls nicht, ohne dass der Beschenkte eine Probefahrt gemacht hat. Auch ein Helm muss passen, was nur durch Probieren klappt. Selbst die vergleichsweise unkomplizierte Radhose kann kneifen und muss deshalb nach dem Fest umgetauscht werden.

Beliebt sind aus diesen Gründen deshalb die kleinen Geschenke aus dem Zubehörbereich. Tachos, Pulsmesser, Rückspiegel oder Trinkflaschen. Doch, seien wir einmal ehrlich, so richtig originell sind diese Präsente nicht.

Wir hätten ein paar bessere, wenn auch sehr ausgefallene Ideen. Zum Beispiel einen Gürtel aus Fahrradreifen. Nein, keinen Gürtelreifen, sondern wirklich einen Hosenhalter aus Kautschuk.

Angefertigt wird der Gürtel in Handarbeit aus Original-Fahrradreifen in einem Radsportladen in Leipzig. Die Firma nennt sich Spork und zur Auswahl stehen sechs verschiedene Profile. Ein Klassiker ist sicherlich der Gürtel aus einem Schwalbe Marathonreifen. Die Pneus sind übrigens stets fabrikneu. Die Länge reicht für dünne Menschen (75 Zentimeter) und kräftige Radler (105 Zentimeter). Das Profil, also die Gürtelbreite, beträgt 3,5 beziehungsweise vier Zentimeter. Eine von neun Schnallen aus Altsilber wird an die Gummischlangen genietet. Den Gürtel bekommt man im gutsortierten Fahrradhandel oder preisgünstiger (ab 40 Mark) direkt beim Hersteller (Tel. 0341 / 498 02 44).#

Ein wenig teurer, aber dafür auch schlechter unterm Weihnachtsbaum zu packen, sind Fahrrad-Möbel. Der Berliner Torsten Weidland (Tel. 684 87 36) stellt diese her. Zum Sortiment gehören Lampen aus Laufrädern, Beistelltische mit einem Fuß aus einer Federgabel oder Couchtische, deren Glasplatte auf einem Fahrradrahmen ruht. Auch die passende Ledercouch kann angefertigt werden: Dabei nimmt man Platz in einer riesigen Fahrradnabe. Weidland geht selbstverständlich auch auf Wünsche ein. Selbst bis zu Weihnachten ist noch vieles möglich, betont der Neuköllner.

Auch T-Shirts sind immer ein Renner unterm Weihnachtsbaum. Fahrrad-Motive sind jedoch eher selten zu bekommen. Der Outdoor-Laden "Globetrotter" in der Bundesallee hat wenige im Angebot. Fündig wird man auch beim ADFC. Der Radclub unterhält einen Onlineshop mit vielen lustigen T-Shirt-Motiven (www.adfc.de). Die Auswahl ist recht groß. Auch Baseball-Kappen und Schlüsselanhänger mit Fahrradmotiven sind im Angebot. Originell sind Fahrrad-Blechmodelle für 14,95 Mark. Sie werden in Madagaskar aus alten Dosen hergestellt und ein Teil des Erlöses kommt laut ADFC Straßenkinderprojekten zugute. Im Shop findet sich auch ein Erste-Hilfe-Set für Radfahrer. Die Tasche ist aus Nylon und enthält unter anderem Kompressen, Pflaster, Binden, Verbandschere und Zeckenpinzette (34,90 Mark). Auch eine Fahrradbackform lässt sich gut verschenken (9,90 Mark). Bis auf die Anziehsachen können die Produkte auch über die Berliner Geschäftsstelle des ADFC bezogen werden (Brunnenstraße 28, Tel. 448 47 28), beziehungsweise – wenn nicht vorrätig - dort auch bestellt werden (wodurch man die Versandkosten spart). Im ADFC-Laden findet man zudem eine reichhaltige Auswahl an Fahrradbüchern.#

Auch Schmuck wird gerne verschenkt. Einen Kettenanhänger der besonderen Art bekommt man bei Martin Bischoff. Der Goldschmied fertig drei bis vier Zentimeter große Fahrräder nach Originalvorlagen aus Gold und Platin. Die Liebe zum Detail und das hochwertige Material hat natürlich seinen Preis: Rund 1200 Mark kostet so ein individueller Anhänger (Tel. 0041-33-4374042). Für die Anfertigung braucht Bischoff mindestens zwei Bildvorlagen vom Rad. Ein paar Modelle hat er auch auf Lager, unter anderem ein Mountainbike von Hot Chili, ein Rennrad und ein Triathlonrad. Mit dem Original von Rudi Kurth gewann dieses Jahr Natascha Badmann den Ironman Haiwaii. Im Prinzip, sagt der Schweizer, lässt sich von allem ein Schmuckstück anfertigten: "Selbst von einem Hund"!

Auch Annika Ponta ist Goldschmiedin. Sie stellt Armbänder und Ketten mit Bikemotiven her. Auch bei der Hamburgerin können Sonderwünsche abgesprochen werden. Ein Armreif kostet um die 300, eine Kette um die 200 Mark. (Tel. 040 / 27808427).

Und Christine David aus München hat sich auf Airbrush und Illustrationen spezialisiert. Die Künstlerin (www.cdavid.com) besprüht deshalb nach Wunsch auch Fahrradgabeln und Rahmen (Tel. 089/ 719 40 126). Im Prinzip ist auch hier bis Weihnachten noch eine Anfertigung möglich (wenn nur schnell genug das Objekt auch nach München komme). Kleinere Motive bekommt man bereits für 50 Mark. Natürlich bestimmt der Aufwand den Preis, so dass Preisempfehlungen nur schwierig möglich sind.

Der Bill Gates der Fahrradbranche heißt Joshi Shimano. So wie Gates die Computerbranche beherrscht, diktiert Shimano beim Fahrrad, wo es lang geht. Ohne die Produkte des Japaners läuft am Rad fast gar nichts. Geschätzte 90 Prozent des weltweiten Fahrradteilemarktes liegen in seinen Händen. Eine lukrative Nische zu finden, wird somit schwer, auch wenn das Produkt innovativ ist.

Es gibt wohl kein Fahrradteil, das die Situation in der Branche besser beschreibt, als der Drehgriff Synchroshift der französischen Firma EGS. Während die einen nämlich fast die gesamten Gehirnzellen ihrer Ingenieure dazu verbrauchen, um möglichst noch mehr Gänge ins Rad zu stopfen, versuchen andere diese Fehler wieder auszubügeln. So wurde ein Drehgriff entwickelt, der aus ursprünglich 24 oder 27 Gängen quasi im Handumdrehen überschaubare 12 werden ließ. Eigentlich klasse!

Das Problem ist nur: Die vergleichsweise kleine französische Firma ist Pleite gegangen, das Gangchaos bleibt. Gegen die großen Multis anzukämpfen ist der berühmte Kampf gegen Windmühlen. Der Monopolist Shimano ist sicherlich nicht ganz unschuldig daran, dass das Fahrrad hauptsächlich immer noch über die Anzahl der Gänge verkauft wird. Mit Komfort hat dies wenig zu tun.

Doch es wird weiter gehen. Im Internet findet man bereits ein Patent für eine 14-Gang-Kassette, die es theoretisch ermöglichen würde, über 42 Gänge zu verfügen.

Anscheinend scheint der Industrie noch nicht aufgefallen sein, dass sich auf dem Holzweg befindet. Wir warten immer noch auf Ketten, die nicht bereits nach 2000 bis 4000 Kilometern ausgetauscht werden müssen. Immerhin präsentierte vergangenes Jahr ein taiwanesisches Hersteller die erste korrosionsfreie Kette. Doch wird auch die nichts daran ändern, dass Inspektionsintervalle wie beim Auto oder Motorrad noch in weiter Ferne liegen. Dabei sollte heute ein Qualitäts-Fahrrad über 10 000 Kilometer pannenfrei laufen.

Also keinen Platten nach 100, keine verstellte Schaltung nach 150 Kilometern und kein Lichtausfall nach 400 Metern. Keine Illusion, schließlich ließe sich ein fast wartungsfreies Rad produzieren. Schlauchlose Reifen gegen Plattfüße, die 14-Gang-Nabe von Rohloff (Wartungsaufwand ein Ölwechsel pro Jahr) könnte man mit einem Kardanantrieb kombinieren, und hydraulische Bremsen mit Ausgleichsbehälter würden auch schleifende Bremsen beseitigen. Das Problem: Der Luxus der Sorgenfreiheit würde ein Vermögen kosten (halber Smartpreis). Allein für die Rohloff-Nabe muss man derzeit 1250 Mark bezahlen.

In diesem Sommer hatte die Branche sowieso andere Probleme. Sie klagt über Lieferengpässe und lange Lieferzeiten. Offensichtlich wurde man vom Sommeranfang und den plötzlich auftretenden wärmeren Tagen völlig überrascht. Ein bisschen mehr Logistik und größere Lagerkapazitäten hätten das Problem verhindert. Nur viele Hersteller lassen in Fernost produzieren. Dort wird dann aus Kostengründen einmal im Jahr die gesamte Palette der Firma von einem Großunternehmer hergestellt. In der restlichen Zeit sind die Maschinen für andere Kunden reserviert.

Es wird gespart an allen Ecken und Enden. Selbst namhafte Hersteller müssen große Rückrufaktionen für Fahrräder starten. Der Imageschaden ist groß, die Industrie reagiert nicht etwa mit einer Werbekampagne, sondern erhöht erst einmal die Preise (ja, ja, natürlich nur wegen des hohen Dollarkurses, wie sie alle versichern).

Und wo bleibt eigentlich die 12-Volt-Technik? Seit zwei Jahren gibt eine einzige Anlage, die zugelassen ist. Allerdings nur mit einer Ausnahmeregelung darf die Eisenacher Firma FER mehr Licht auf die Straße bringen. Warum nicht andere Unternehmen nachziehen? Schweigen, oder der Ruf nach dem Gesetzgeber.

Jedes Jahr werden immer wieder interessante neue Fahrrad-Konzepte präsentiert. Für die Zukunft steht das Sofabike des Holländers Andries Gaastra, dem ehemaligen Inhaber der Firma Koga Miyata. Der 60-Jährige entwickelte ein Stadtrad der besonderen Art: Niedriger Durchstieg, bequemer Sitz, Vollfederung, und die Möglichkeit, einen Einkaufswagen auf die Gabel aufzuschieben. Interessant ist in diesem Zusammenhang, mit wem Gaastra zusammenarbeitete. Der (stufenlos verschiebbare) Sitz (mit Rückenlehne) stammt von der Firma Keiper, die auch die Recaro-Autositze baut, die Konstruktion und Umsetzung des Prototyps erfolgte mit Hilfe der holländischen Firma Nedcar, die hauptsächlich den Volvo S40 und V40 und den Mitsubishi Carisma herstellt. Der Dämpfer kommt von Koni (auch eher Auto- als Fahrradfahrern ein Begriff). Wann das Sofabike (www.sofabike.com) in Serie geht, ist nicht klar, vielleicht bleibt´s auch hier wieder beim Prototyp, der über die Messen in diesem Jahr geschoben wird. Überraschend wäre dies nicht.

Jüngstes Beispiel: eine Studie vom Schweizer Bob Sticha. Ein Cityrad mit tiefem Durchstieg, Vollfederung, zwei Einarmschwingen, gekapselten Kardanantrieb, Scheibenbremsen und Laufrädern bei denen vorne, hinten, rechts oder links keine Rolle mehr spielt.

Die Rechte wurden (vielleicht vorschnell) an die Derby Cycle-Gruppe verkauft und das Rad dort erst einmal in der Asservatenkammer geschoben. Dort steht bereits der Prototyp Boomerang von Gazelle. Bequemer Sitz mit Rückenlehne, neuartiger Antrieb und Federung zeichneten das Fahrrad aus. Gebaut wurde es nie.

Die Fahrrad-Industrie hat offensichtlich mit neuen Konzepten und deren Umsetzung ein Problem. Ihr fehlt der Mut. Zu sehr hat man sich auf den Verkaufszahlen der vergangenen Jahre ausgeruht. Es lief doch, wieso sollte man deshalb etwas ändern? Während der Bestand an Fahrrädern 1990 53 Millionen betrug, stiegt er bis 1995 stetig und deutlich auf 63 Millionen Velos. Seit dem sind aber nur eine Million Bikes hinzugekommen (wenn auch fast fünf Millionen Räder 1999 verkauft wurden). Der Bestand stagniert.

Jahrelang wurde veraltete Technik unters Volk gebracht. Noch immer drehen die meisten Dynamos bei der kleinsten Pfütze durch und die Kabel -dünn wie Klingeldraht - nehmen reiß aus. Bezeichnend ist, dass derzeit die gesamte Branche vom ADAC vorgeführt wird. Der Autoclub kümmert sich nämlich seit rund eineinhalb Jahren auch um seine Rad fahrenden Mitglieder, gibt Tipps zum Fahrradkauf, verleiht Zertifikate für gute Fahrräder und durchdachte Fahrradteile und hat zudem eine lesenswerte Broschüre entwickelt, mit der das Thema "Fahrrad und Gesundheit" in den Mittelpunkt der Diskussion rückt. Über die Aktivitäten lacht mittlerweile niemand mehr.

Jedenfalls findet derzeit fast keine Diskussionsrunde über Fahrräder statt, an der nicht ein Vertreter der Automobilisten teilnimmt. Dem ADAC ist es gelungen, das Fahrrad aus der Müsliecke zu holen, den Gesundheitsaspekt und den Komfortgedanken in den Vordergrund zu schieben. In der Industrie wird der Druck größer, auch beim Fahrradclub ADFC, der sich nicht wundern muss, wenn er von den PS-Flitzern aus München rechts überholt wird und sich Deutschlands größter Automobilclub zu Deutschlands größten Fahrradclub mausert.

So mancher Radfahrer stand in diesem Sommer unter ständiger Beobachtung. Aus wissenschaftlichen Gründen versteht sich. Zahlreiche Arbeitsgruppen begleiteten weltweit Radfahrer, um neue Studien über den Zusammenhang von Gesundheit und Rad fahren schreiben zu können. Einer dieser Big Brothers der Biker ist Ferdinand Frauscher, seines Zeichen Mountainbiker und Urologe, also ein Mediziner der sich mit Harnorganen und deren Erkrankungen beschäftigt.

Frauscher hat in diesem Sommer in einer Studie an der Uniklinik Innsbruck 45 Mountainbiker untersucht. Der Arzt hat sie dafür betastet und mittels Ultraschall nach deutlichen Veränderungen im Genitalbereich gesucht. Nun ist es nichts Neues, das Rad fahren zu Problemen im Schritt führen kann. Das Ergebnis hat jedoch dann auch Frauscher überrascht: Bei 96 Prozent der Biker fand der Mediziner krankhafte Veränderungen bei den Genitalen, besonders im Hodenbereich. Auch Deutsch: Gutartige Tumore und schmerzhafte Verkalkungen wurden diagnostiziert.

Natürlich flammt damit auch wieder die Diskussion auf, ob man vom Rad fahren impotent werden kann. Vor Jahren hat dies vor allem die halbe USA in Angst und Schrecken versetzt, als Lance Amstrong, amerikanischer Radprofi und späterer Tour de France-Gewinner an Hodenkrebs erkrankte. Doch wie sich, beispielsweise durch Untersuchungen an der Deutschen Sporthochschule in Köln herausstellte, verliert man nicht durchs Radfahren seine Manneskraft. Es kommt zum Glück meist nur zeitweisen Potenzproblemen. Die Blutzufuhr im Penis wird unterbrochen, Taubheitsgefühle stellen sich ein, es kribbelt so merkwürdig und manch einer ruft dann schnell: "Alles Tote Hose".

Die Gesundheitsdiskussion vor allem der vergangenen zwei Jahre – auch in Deutschland - hat zumindest der Sattelindustrie einen Aufschwung beschert (und damit auch so manchen Wissenschaftler, der die Sättel aus medizinischer Sicht prüft). Ergonomisch geformte Sättel, also die in der Mitte so eine längliche Kerbe haben, sind der Renner und werden auch von Ferdinand Frauscher empfohlen, um die Verkalkungen, also Kalziumablagerungen im Hoden, zu verhindern.

Wobei Frauscher nicht unbedingt zu den Lautsprecher der wissenschaftlichen Radszene gehört. Der Österreicher hält sich mit plakativen Äußerungen zurück und verweist darauf, wen er untersucht hat: "Das waren alles keine Freizeit-Biker, sondern Sportler, die täglich bis zu zwei Stunden auf dem Rad verbrachten". Hinzu kam, dass die Biker bevorzugt im Gelände fuhren, sich also ständig Schlägen aufs Gemächt ausgesetzt sahen. Für den Freizeit-Radler bestehe deshalb keine Gefahr, sagt Frauscher und ärgert sich über so manche Schlagzeile, die seine kürzlich im renommierten britischen Wissenschaftsmagazin "Lancet" veröffentliche Studie, verursacht hat.

Rad fahren sollten Männer deshalb weiterhin, rät Frauscher. Wer allerdings intensiv radelt, sollte entweder regelmäßig Pausen einlegen (fünf Minuten jede Stunde), oder aber ein vollgefedertes Fahrrad (Fully) benutzen. Nur, ein Gutes und ein Passendes müsse es schon sein. "Was hilft es, wenn ich jetzt ein vollgefedertes Rad empfehle, und alle gehen in den nächsten Supermarkt und kaufen ein Fully für 700 Mark?", sagt Frauscher. Fully ist also nicht gleich Fully, und wer etwas für seine Gesundheit tun möchte, sollte bereit sein rund 3000 Mark für ein Rad auszugeben, so Frauscher.

Zur Radausrüstung gehört aus medizinischer Sicht auch ein Fahrradhelm. Zu dieser Empfehlung kommen Adrian Cook und Aziz Sheikh vom Imperial College in London. Die Forscher haben Unfallstatistiken der britischen Krankenhäuser zwischen April 1991 und März 1995 untersucht. In den vier Jahren hat sich die Zahl der verletzten Radfahrer nicht wesentlich verändert: Waren es 1991 8678, so sind es vier Jahre später 8781 Verletzte gewesen. Aber die Zahl der Kopfverletzungen habe deutlich abgenommen, nämlich von 40 auf nur noch 28 Prozent. Cook und Aziz folgern daraus, dass das Tragen eines Helms den Kopf wirklich schützt.

Wem diese Zahlen noch nicht ausreichen, um sich einen "Deckel" auf den Kopf zu setzen, sollte daran denken, dass Kopfverletzungen nicht nur Kopfschmerzen, sondern offensichtlich auch zu Alzheimer führen können. Besonders junge Erwachsene seien davon betroffen, sagen Forscher der Duke Universität in Durham (USA) in einer Studie, die sie im Fachblatt "Neurology" jüngst veröffentlichten. Die Wissenschaftler hatten 548 Kriegsveteranen untersucht, die vor mehr als 50 Jahren Kopfverletzungen erlitten hatten. Als Kontrollgruppe waren 1228 Veteranen ohne Verletzungen am Kopf untersucht worden.

Die Mediziner kommen zu dem Schluss, dass Personen mit leichten Kopfverletzungen ein zweifach höheres Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken. Je schwerer die Verletzung sei, desto größer auch das Risiko, so der Leiter der Studie, Richard Halvik. Es zeige sich einmal mehr, wie wichtig es sei, beim Fahrrad fahren einen Helm zu tragen.

Leider verleiht die Fahrradbranche keine Auszeichnung, die die Bedeutung des Film-Oscars besitzt. Genau genommen gibt es überhaupt keinen Preis. Doch nur mal angenommen, es gäbe diesen Fahrrad-Oscar, in der Kategorie Zubehör hätten wir einen Favoriten: den Sunliner. Denn der Sunliner überzeugt durch seine vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Er ist Sonnenliege, Fahrradanhänger und auch noch Einkaufswagen. Fehlt eigentlich nur noch der integrierte Grill, Solarmodule auf dem Dach zum Kühlen des Bieres und eine Aufblasmöglichkeit zur Luftmatratze, damit man damit auch noch ins Wasser gehen kann.

Wenn die Sonne scheint, schnallt man sich seine Sonnenliege hinters Rad, verstaut in dem zusammengeklappten Hänger die Badesachen, die Sonnenmilch, das Handtuch, den spannenden Roman und wenn man nicht aufpasst auch noch Waldi. Genügend Platz wäre vorhanden. Natürlich kann die Liege auch als Hackenporsche von Hand gezogen werden. Und wenn man nicht Liegen oder Sonnen, sondern zwischendurch Einkaufen gehen möchte. Kein Problem: Der Sunliner ist auch ein Kofferträger, der locker einen Kasten Bier oder die Kiste Mineralwasser transportiert.

Die Liegefläche beträgt 207 mal 56 Zentimeter. Zusammengeklappt reduziert sich der Umfang auf 85 mal 69 Zentimeter.

Erfunden hat den Sunliner die Münchner Designerin Karin Reiner. Vertrieben wird der mulifunktionale Trailer von der Schweizer Fahrradanhängerfirma Leggero und ist somit in jedem guten Fahrradhandel zu bekommen (oder zu bestellen). Bestellung sind aber auch übers Internet möglich (www.leggero.com). Das Gestänge ist aus Aluminium, die Netz-Bespannung ist (leider) zum Großteil aus PVC, der Schirm aus Polyestergewebe und die Räder sind aus Kunststoff mit Industrielagern. Mittels Becco-Kupplung kann der Sunliner ans Fahrrad gekoppelt werden. Die zehn Kilogramm Gewicht spielen in diesem Zusammenhang weniger eine Rolle. Der Sunliner eignet sich auch ideal als Geschenk, schließlich kann Mann bei so viel Funktionalität kaum etwas falsch machen. Der Preis liegt bei 264,39 Euro.

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Anderthalb Kilometer Kabel hat Winfried Reimann in seinem Fahrrad verlegt. CD-Player, Bordtelefon mit Freisprecheinrichtung, Fernlicht, Nebenscheinwerfer ,jede Menge kleiner Lämpchen und Stroboskope ins Bike integriert. "Star Vision" nennt der Bochumer sein fahrendes Kunstwerk an dem er zehn Jahre gearbeitet hat. Auf dem Internationalen Fahrrad-Markt (IFMA) in Köln hatte es Weltpremiere.

Reimann möchte mit dem Rad ins Guiness-Buch der Rekorde kommen, aber nebenbei auch einen Käufer für sein außergewöhnliches Fahrrad finden. Was es kosten soll, sei Verhandlungsbasis (Angebote nimmt der Künstler unter Tel. 0234 / 337 185 entgegen). "Man kann das Fahrrad fahren", versichert Reimann, "wenn man ein wenig Übung hat". Ab einer bestimmten Geschwindigkeit werden die kleinen Stützräder, die im Stand das Rad nicht umkippen lassen, wie beim Flugzeug vom Cockpit aus eingezogen. 245er-Reifen hat er aufgezogen, die Reifentechnik inklusive Bremsen aus einer Aprillia-Rennmaschine entnommen und mit normalen Freilaufkränzen vom Fahrrad kombiniert. Das "Star Vision" mit dem auffällig in Airbrushtechnik lackierten Aluhaut war das optischen Highlight auf dem Erfinder-Park, der mittlerweile fester Bestandteil der ansonsten von Kommerz dominierten Messe ist.

Die IFMA hat sich trotz absteigender Tendenz eines zum Glück bewahrt: Die Messe bleibt auch ein Markt für außergewöhnliche Ideen. Manch einer vom Erfinder-Park hat hier schon einen Produzenten gefunden. Andere sind bereits Produzenten, haben aber trotzdem nicht den Erfindergeist verloren. Die holländische Firma Basil zeigte einen Regenschirm mit dem Namen Regi, der am Vorbau montiert wird und Taschen im Lenkerkorb und auch Hosen trocken halten soll. Bei Rückenwind hat man ein Segel, bei Seitenwind Probleme und nass wird man immer noch.

Ähnlich schräg, aber unheimlich schön sind die Bonanzaräder des Christoph Dieckmann aus Köln (Tel. 0171 / 26 21 761). Dieckmann hat weltweit alte Teile zusammengetragen, die seit 25 Jahren nicht mehr hergestellt werden, und zu Originalrädern zusammengeschraubt. "Die Bonanzaräder gibt es noch und nicht wieder" sagt der Kölner, der derzeit noch ein nicht öffentliches Museum für Bonanzaräder betreibt. Der Preis für die raren Stücke liegt bei 1000 Mark.

Ziemlich rar machte sich ein Berliner Aussteller, der im Neuigkeitenkatalog noch mit einem Airbicycle warb. Eigentlich stand das Luftbike auf unserer Liste an oberster Stelle, doch anscheinend hat sich die Idee und damit auch die Tegeler Firma "Design Line Engineering" in Luft aufgelöst, denn auch die Telekom hat die Verbindung nach Tegel gekappt. Angekündigt war folgendes: "Am Airbicycle können jederzeit beim Fahrern alle Druckluftfederdämpfer auf einfach Art und Weise über den Fahrer durch eine Drehbewegung an nur einem Einstellventil über ihre Luftfeder- und Dämpfungseigenschaften unter Berücksichtigung des Körpergewichts, Gepäcks und der Reifengröße an die wechselnden Straßenunebenheiten beliebig ohne anzuhalten optimal angepasst werden".

Viel zu sehen gab es wie jedes Jahr auf Sonderausstellung über Elektroräder. Besonders gefallen haben uns dieses Jahr die E-Bikes "Flyer" der Schweizer Firma BKTech. Teilweise mit Scheibenbremsen und Vollfederung ausgestattet, kosten die Bikes zwischen 3400 und 6200 Schweizer Franken.

Viele interessante Neuigkeiten gab es beim Zubehör. Die Schweizer Firma DT Swiss bot erstmalig ein System an (Prolock), das angeblich beim Laufrad die Verbindung zwischen Speiche und Nippel "nachhaltig und konstant sichert". Im Klartext: Es soll keine Unwuchten mehr geben.

Die Firma Messingschlager warb für einen neuen Flaschenhalter, bei dem die Trinkflasche von der Seite eingesteckt wird. Der Halter ist deshalb besonders für die neuen Rahmenformen gedacht, wo oft nicht genügend Platz für einen herkömmlichen Halter ist. Ebenfalls bei Messingschlager sahen wir den Scheinwerfer "Blue Vision Halogen" mit dem wir Radfahrer endlich auch wie die Mercedes und BMW-Fahrer mit einer Xenon-Lampe blenden können.

Eine weitere sinnvolle Internetnutzung für den Fahrradfahrer bietet die Fahrradfindmaschine unter der Adresse "find-dein-bike". Dort kann man sein Bike mit Rahmennummer und Foto registrieren lassen, was die europaweite Suche nach dem guten Stück erleichtern soll. Für gefundene Räder wird es einen Finderlohn geben.

Ebenfalls auf den Computer setzt man bei der Einkaufsgemeinschaft Bico plus. Andreas Schuwirth und Derk Bossel haben eine Vermessungswand und ein Computerprogramm entwickelt, mit denen der Kunde im Fahrradladen besser beraten werden soll. Es werden mit einem Laserpointer fünf markante Punkte des Kunden gemessen und dann nach einem Fragekatalog das passende Rad aus 10 000 bei Bico verfügbaren Modellen ausgesucht. Viele Händler auch ein Großteil der Hersteller zeigte sich an dem neuen System interessiert.

Starke Namen sind gefragt. Namen, die jedes Kind bereits kennt. So wie Nivea oder Tempo. Nur: Wirklich weltbekannte Marken findet man in der Fahrradbranche nicht. Diese Lücke versucht man nun zumindest in Deutschland dadurch zu schließen, dass Promis ihren guten Namen auf ein Fahrrad kleben lassen.

EquinoxDies ist einer der auffälligsten Trends auf dem Internationalen Fahrrad-Markt (IFMA), der bis Anfang der Woche in Köln stattfand. Michael Schumacher stand für ein knallrotes Mountainbike Pate, das es eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte, einen weltbekannten Namen zu tragen. Es wäre sicherlich auch ohne "Schumi" und auch in Silber beachtet worden, schließlich hat das "High Tech Bike im Michael Schumacher Design" der Firma Staiger viel Neues zu bieten. Natürlich hat der Formel-1-Fahrer das rote Mountainbike nicht selbst entwickelt, der Name wurde in Lizenz erworben, wie man freimütig bei Staiger eingesteht. Doch musste sich, so die Vorgabe der Agentur des Rennfahrers, das Schumi-Bike deutlich in Aussehen und Konzept von den vielen anderen Bergboliden unterscheiden. Deshalb hängt das Vorderrad auch an einer Einarmschwinge, von einer Gabel kann man in diesem Zusammenhang nicht mehr sprechen. Vom Motorrad abgeschaut hat man sich den Anti-Dive-Effekt. Dadurch taucht die Einarmschwinge nicht mehr beim Bremsen ein, der volle Federweg soll erhalten bleiben. Ebenfalls auffällig ist die auf einem Speichenstern montierte Alu-Felge und die Kombination aus Aluminium und Chrom-Molybdän-Stahl beim Rahmenbau. Angesichts der neuen Technik am Rad und den großen Namen, mit dem man durch die Gegend radeln darf, ist der Preis von 3999 Mark fast schon preiswert. Das Radkonzept stammt von der kleinen und noch sehr jungen sächsischen Bikeschmiede "Protos". Schumacher soll im Übrigen ein begeisterter Mountainbiker sein, leider war er am Stand von Staiger nur als Foto zu sehen. Der hatte nämlich einen Termin bei Ferrari auf der Fahrradmesse EICMA in Mailand, die dort ihr erstes Rennrad vorstellten.

Übrigens gab es bereits vor Jahren ein Schumi-Bike. Allerdings machte der Rennfahrer dem Supererfolg damals einen Strich durch die Rechnung, weil er just in diesem Jahr nicht Weltmeister wurde. Bei der Fahrradeinkaufsgemeinschaft ZEG ist man deshalb ein wenig vorsichtiger und setzt lieber auf kleine Räder oder besser Rollen.

In die Fahrradläden kommt ein roter Mini-Tretroller in Schumachers Namen. Die Kickboards waren ja der Trend in diesem Sommer, und so möchte man wohl noch schnell aufs Brett springen. Auf der Messe war so mancher Kickboardhersteller im Gegensatz zu vielen verwaisten Fahrradständen von Menschentrauben umgeben. Wie lange der Trend noch anhält, bleibt abzuwarten. Die Fahrradhändler hoffen auf ein gutes Weihnachtsgeschäft mit den Brettern auf zwei oder drei Rollen.

Der Name eines anderen prominenten Rennfahrers fand man an gleich auf einer ganzen Bike-Kollektion. Jan Ullrich heißen nun gleich drei Rennräder und zwei Mountainbikes, die zwischen 999 und 4258 Mark kosten sollen.

Dass es auch ohne viel Wirbel durch Promis geht, beweist ein holländischer Hersteller. Das "Amazone" ist eher unauffällig. Nicht besonders schön aber mit ungemein praktischen Details ausgestattet.

In Holland ist das Amazone in kurzer Zeit zum Verkaufsschlager avanciert. Der Grund: Mit dem "Amazone" können ein Erwachsener und zwei Kinder, zusätzlich auch noch ein Buggy und Gepäck transportiert werden. In Deutschland soll es 1199 Mark kosten.

Der Komfortgedanke ist natürlich nicht mehr aus der Fahrradbranche wegzudenken. Die große Mehrheit der auf der IFMA ausgestellten Bikes verfügte mindestens über eine gefederte Gabel. Bequeme Sättel besitzen heutzutage Geleinlagen oder Luftpolster, oder auch Aussparungen für die besonders belasteten Stellen.

Doch kein noch so weicher Sattel kann eine Federung ersetzen. Das hat sich auch bei den Cityradkunden herumgesprochen, so das vollgefederte Rad schon längst nicht mehr ein Nischenprodukt der Mountainbikeszene ist. Nur hält nicht jede Feder, was sie verspricht. Den Unterschied merkt man oft erst, wenn´s schon zu spät sein kann. Die Rückrufaktionen zahlreicher Fahrradhersteller der vergangenen Monate haben nur zu deutlich gezeigt, wie viel schrottreife Räder über Deutschlands Straßen rollen. Von diesen an Kinderkrankheiten leidenden Konkurrenten (die überhastet vollgefederte Alltagsräder auf den Markt warfen) möchte sich die Darmstädter Firma Riese und Müller unterscheiden und verspricht sich deshalb sehr viel von einem Zertifikat der Aktion Gesunder Rücken (AGR). AGR wird vom "Forum Gesunder Rücken - besser leben" und vom "Bundesverband der deutschen Rückenschulen" getragen. Als erste Räder wurden gleich drei Velos von Riese und Müller ausgezeichnet: Culture, Avenue und der City-Cruiser Equinox, welcher jetzt endlich auch erhältlich ist.

Insgesamt war die Messe dieses Jahr sehr überschaubar, die Ausstellungsfläche ist auf fünf Hallen zusammengeschrumpft. Die Konkurrenzsituation zu der 14 Tage früher statt gefundenen Eurobike in Friedrichshafen wurde dieses Jahr sehr deutlich. In dem Streit um die größte Fahrradmesse der Welt gibt es mindestens einen Verlierer: den Fahrradkunden. Für den heißt es mittlerweile auf allen deutschen Fahrradmessen: Bitte draußen bleiben! Anders im Ausland: Die zeitgleich in Mailand ausgerichtete Fahrradmesse EICMA warb mittlerweile selbst in deutschen Zeitschriften für ihre Publikumstage und "Schumi" soll ja auch anwesend gewesen sein.



Mehr als 50 Weltpremieren waren auf der diesjährigen Fahrradmesse Eurobike in Friedrichshafen für die Presse angekündigt gewesen, doch so richtig aufregend Neues sah man in den Messehallen nicht. Im Gegenteil. Rund ein Dutzend der Produkte, die man Journalisten vergangenes Wochenende als brandneu verkaufen wollte, entpuppten sich bei näherer Betrachtung als "olle Kamellen". Wurden sie doch bereits auf den Messen des vergangenen Jahres präsentiert.

Zum zweiten Mal war die Fahrradausstellung nur für Fachbesucher geöffnet. Es scheint, als sei das dem Innovationsschub der Branche nicht gut bekommen. Dabei sollte eine Messe auch ein Ort des Experiments sein. Natürlich gab es Neuigkeiten auf der Messe, doch unterm Strich war das Angebot schon seit Jahren nicht mehr so uninteressant gewesen. Eine Messe lebt schließlich auch von den ausgestellten Prototypen, von jenem Mut mancher Hersteller, sich mit einer – bei längerem Nachdenken – vielleicht abwegigen Idee auch den Spott der Konkurrenz zu spüren.

Viel Resonanz, absolut sehenswert, aber nicht nur Beifall fand beispielsweise ein Gesundheitsfahrrad der Firma Epple (Tel. 08331 / 751 –0). Letztes Jahr waren die "Easy Boarding Bikes" groß im Kommen gewesen. Die Räder zeichnen sich durch einen tiefen Durchstieg für stressfreies Auf- und Absteigen aus. Das " Epple Millenium" ist die konsequente Weiterführung des Trends. Es gibt bei diesem Fahrrad nämlich gar keinen Durchstieg mehr, sondern einen Rahmen, der sich um den Fahrer windet. Kombiniert wurde die neue, massive Rahmenform mit einer Vollfederung und einer hydraulisch arbeitenden Sattelstütze, die durch leichtes Absenken zusätzlich das Aufsitzen erleichtert. Besonders an ältere und gehbehinderte Menschen richtet sich das neue Konzept. Ein Nachteil ist das spürbar hohe Gewicht und die ungewohnte Gewichtsverlagerung durch den seitlich im Bogen verlaufenden Rahmen. Im Handel soll das Rad 2399 Mark kosten. (mehrere Fotos, ein Muss, Buchstabe A)

Natürlich war dies nicht das einzige neue Fahrrad auf der Messe. Doch das einzige, was wenigstens zum Teil Messegespräch war. Viele Hersteller werden dagegen in die kommenden Saison mit leicht überarbeiteten Modellen gehen.

Dabei zeigt sich auch, dass nach den vielen Rückrufaktionen in diesem Jahr offensichtlich nicht mehr "auf Teufel komm raus" am Rad abgespeckt wird, um das Rad übers geringere Gewicht zu verkaufen. Vielmehr rückt allmählich der Komfortgedanke stärker in den Blickpunkt. Fahrräder mit Federungen sind der Renner, die Frage der richtigen Sitzposition wird immer wichtiger.

Das wartungsfreie Fahrrad haben wir auch dieses Jahr noch nicht entdeckt, aber immerhin einen vielversprechenden Ansatz bei einem dänischen Hersteller gesehen, der sich mit dem kardanangetriebenen Trekkingrad "Copenhagen" erstmalig nach Deutschland traute. Das Rad selber ist gar nicht so neu, verrieten uns die Inhaber der Firma Biomega, Jens Martin Skibsted und Elias Grove Nielsen. In Dänemark sei man mit dem Copenhagen bereits seit zwei Jahren auf dem Markt (für 1000 Euro). Nun also die Deutschlandpremiere. Das Copenhagen wird in Tritium lackiert, einer in der Nacht fluoreszierenden Farbe, die zusätzliche Sicherheit geben soll. Biomega hat insgesamt nur drei verschiedene Modelle im Programm. So standen folgerichtig auch nur drei Bikes auf einem vergleichsweise großen Messestand. Biomegas Bikes findet man sowieso bisher eher in Museen und Designshops, denn die Rahmen für die Modelle Extravaganza (kostet 5500 Euro) und Bonanza wurden vom Designer Marc Newson entwickelt. Newsons Bike-Kreationen kann man im Neuen Museum in Nürnberg, im Centre Pompidou in Paris und im Londoner Design Museum bewundern. Die Premiere der Firma Biomega in Deutschland (Tel. 0045 39 40 49 19) wirft noch ein anderes Licht auf die Branche. Denn derzeit kommen Innovationen fast nur noch von außen.

Es sind schon lange nicht die etablierten Firmen, die mit neuen Ideen überraschen, sondern Branchenfremde, die offensichtlich noch Spaß an der Umsetzung neuer Konzepte haben.

Skibsted und Nielsen von Biomega zum Beispiel hatten bisher mit der Branche wenig zu tun. Sie haben Philosophie studiert und nach dem Studium angefangen, Fahrradrahmen zu zeichnen.

Ein ebenfalls Branchenfremder bringt uns den ersten biomechanischen Fahrradschuh. Der Sportmediziner Andy Pruitt vom Boulder Centrum für Sportmedizin hat ihn entwickelt. Beim dem neuen Modell wurde sowohl die Sohle als auch das Fußbett speziell der Körperhaltung auf dem Fahrrad angepasst. Pruitt sagt: "Der menschliche Fuß ist für eine Abrollbewegung gebaut, nicht für den Druck nach unten auf ein Pedal.". Bei herkömmlichen Schuhen würden deshalb Blutbahnen und Nerven eingeklemmt, zudem seien bisherige Bikeschuhe nicht in der Lage gewesen, während der Tretbewegung das Kniegelenk in einer geraden und damit gesunden Richtung zu halten. Das soll mit dem neuen Schuh nicht der Fall sein, behauptet der Chef-Mediziner der US-Rad-Nationalmannschaft. Ab dem kommenden Jahr werden die Schuhe auch bei uns im Handel sein. Das Prinzip wird in den Modell-Linien Pro und Comp der amerikanischen Firma "Specialized"(Tel. 0031 314 67 66 00) verwendet (Preis ab 200 Mark).

Einen interessanten Lenker präsentierte der Komponentenhersteller Sram auf seinem Stand. Es ist kein herkömmlicher Lenker, sonder eher ein Bike Cockpit, Smart Bar genannt. Der Smart Bar ist nicht nur leicht verstellbar, sondern integriert auf harmonische Weise zwei Rückspiegel ein Tachometer, die Ganganzeigen und die Lichtanlage in die Lenkhilfe. Einige Hersteller haben bereits angekündigt, den Lenker serienmäßig einzubauen. Großer Vorteil der neuen Konstruktion: Sie sieht nicht nur schick aus, sondern ist auch weniger diebstahlanfällig.

Bleiben wir noch beim Lenker. Lange mussten wir auch warten, bis mal ein Hersteller auf die Idee kam, einen Lenkertaschenadapter zu konstruieren, der abschließbar ist. Der bekannte Klickfix-Adapter der Firma Rixen & Kaul wurde um diese Funktion erweitert. Ein Metallschloss verhindert so das unbefugten Entfernen von Fahrradkorb oder Lenkertasche.

Mehr Sicherheit verspricht die Firma Abus. Erstmalig bei einem Fahrradschloß wird ein Schließzylinder mit einer Sicherheits-Code Karte eingesetzt.

Insgesamt hat sich aber die weite Reise von Berlin nach Friedrichshafen nicht gelohnt. Aber vielleicht war es ja nur die Ruhe vor dem stürmische Feuerwerk an Innovationen. Schließlich findet in 14 Tagen die nächste Fahrradmesse (IFMA) statt und einige Hersteller (wie auch Primus Shimano) sind dieses Jahr erst gar nicht nach Friedrichshafen gekommen.

Wer sich bereits auf die IFMA in Köln gefreut hat, sei gewarnt: Die IFMA kopiert das Konzept der Eurobike und schließt erstmalig dieses Jahr das gemeine Publikum völlig aus. Vom 15. bis zum 18. September sind in Köln nur Fachbesucher willkommen.



Fahrradtaschen benutzt man im allgemeinen vor allem, wenn man auf Tour geht. Zwar ist ihr Einsatzbereich durchaus vielfältiger. Jedoch stört so manches Design nicht nur aufgrund der Optik, sondern auch im Schnitt die Benutzung im Alltag, wenn sperrige Güter transportiert werden sollen.

Ein neues Konzept verfolgt die Berliner Firma Wechsel mit dem Packnology-System. Sie trennten die Tasche von der Aufhängevorrichtung. So ist die Grundplatte, auf der sonst die Haken und die Tasche aufgenietet werden, einzeln verwendbar. Die Tasche, oder besser der Sack, wird dann in ein Gurtsystem eingehängt, welches mit der Grundplatte stets verbunden bleibt.

Bleiben wir zunächst noch bei der Grundplatte. Sie besteht aus Polypropylen, ist äußerst verwindungssteif und wird fest ans Fahrrad geschraubt. Ein Federhaken kann arretiert werden und verhindert sicher das Abspringen des Taschensystems bei holpriger Wegstrecke. Einmal am Träger befestigt, lässt sich die Grundplatte nur wieder mit Werkzeug entfernen. So besteht auch ein leichter Diebstahlschutz.

Durch die Bänder und Steckschnallen können am Fahrrad auch Güter transportiert werden, für die man sonst viel Bastelarbeit leisten müsste. Man ist flexibler, natürlich auch während einer Radtour.

Hat man sich beim Einkauf mit den Transportmöglichkeiten verschätzt, wird aus der Tasche ein Rucksack und die Tüte aus dem Supermarkt wird einfach in die Riemen gezurrt.

Wir haben durchweg gute Erfahrungen mit dem neuen System gemacht, wenn uns auch das Packvolumen für eine mehrwöchige Radtour nicht ausreichen würde und man auch nicht so schnell an den Inhalt herankommt, ohne dass wieder alles von Neuem verzurrt werden muss. Auch ist Vorsicht geboten bei einer Fahrt ohne Tasche, die Gefahr, dass die Riemen ins Rad kommen, sollte nicht unterschätzt werden.

Die klaren Vorteile des Packnology-Systems liegen eindeutig in der Flexibilität, die besonders in der Stadt gefragt ist.

So braucht man beispielsweise auch nicht ständig einen Rucksack auf dem Rücken. Denn während der Fahrt wird dieser einfach eingeklemmt und erst beim Bummeln über die Schulter gehangen. Das lästige Rückenschwitzen kann somit auch vermieden werden.

Ausgeliefert wird "Packnology" neben der Grundplatte und dem Rollsack mit einer zusätzlichen Innentasche und einem Regenschutz. Selbstverständlich lässt in das Haltesystem auch ein wasserdichter Sack (beispielsweise von Ortlieb) einsetzen. Ein Set kostet 198 Mark, die Grundplatte alleine ist im Paar für 96 Mark zu bekommen. Wo man das System in Berlin bekommt erfährt man am besten durch einen Anruf bei der Wechsel GmbH (Tel. 030 / 390 340 10).

Irgendwann kennt man jeden Fahrradweg, jede Waldstraße, jede Steigung, jede Biegung, kurzum: es langweilt immer nur am Wannsee entlang zu radeln. Warum nicht einfach einmal zur Abwechslung eine Radtour auf dem Wannsee machen?

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In dieser Geschichte sollen zwei Wörter nicht vorkommen: Kult und Trend. Vielmehr soll im Mittelpunkt das Zeitlose, ja fast Vergessene stehen. Also vergessen wir für ein paar Augenblicke den Konkurrenzdruck in der Fahrradindustrie, in der immer schnellere Modellwechsel notwendig werden und eher geprotzt als präsentiert wird.

Hier geht es also nicht um jede Menge Gänge oder um Gewichtsreduzierungen und bis zur Velo-Bulimie (Abspecken bis das Bike bricht). Es geht vielmehr um ein Fahrrad, welches es bereits gab, als Autos noch zu den Raritäten gehörten: das Wanderer.

Die Geschichte beginnt 1885 in Chemnitz. Damals gründete ein Fahrrad-Enthusiast und ein Mechaniker das Unternehmen Wanderer. Sie bauten nicht nur Fahrräder, sondern entwickelten auch Fahrradteile (beispielsweise die erste Zweigang-Nabenschaltung), aber auch Schreibmaschinen, Motorräder und Automobile (wobei diese Produktion später in der Auto-Union aufging).

Bis Ende der 50er-Jahre wurden Velos unter der Marke Wanderer verkauft, zuletzt von München aus. Das Chemnitzer Werk stand nach dem Krieg auf der falschen Seite des Eisernen Vorhangs und urplötzlich sowieso in Karl-Marx-Stadt und wurde deshalb zum Volkseigenen Betrieb.

Sämtliche Räder mit dem großen flügelhaften "W" als Logo am Steuerkopf sind dann irgendwann aus dem Angebot verschwunden. Bis zur Wiederbelebung hat es sehr lange gedauert. Erst vor zwei Jahren wurde die Marke wieder aufgegriffen. Initiator war die Firma Manufactum. Das Waltroper Versandunternehmen handelt mit "klassischen langlebigen Gebrauchsgütern des täglichen Bedarfs". Im Katalog findet man deshalb vom schwarzen Telefon mit der guten alten Drehscheibe bis hin zum runden Elektroschalter aus weißem Porzellan (mit der Flügelschraube zum Drehen) ziemlich viel von dem, was in den vergangenen 50 Jahren aus dem Sortiment der Kaufhäuser gepurzelt ist.

In diese Philosophie reiht sich harmonisch auch das Wanderer-Fahrrad ein. Es ist keine Neuauflage oder ein aufgewärmter Oldie "Made in India", sondern ein neues, modernes Produkt im Kleid des Klassischen. Sehr viele der verbauten Teile sind Sonderanfertigungen. Viel Liebe steckt beispielsweise in der Chrom-Molybdän-Stahlgabel mit einem klassischen Gabelkopf aus Feinguss, selbstverständlich (hand)gelötet und dreifach pulverbeschichtet. Auch der Rahmen ist vollständig gemufft und gelötet. Gemuffte Rahmen gelten allgemein also stabiler und langlebiger. Natürlich sitzt auch der Frontscheinwerfer nicht in einem Plastikrahmen, sondern in einem poliertem Edelstahlgehäuse. Und die Schutzbleche – keine Frage – sind aus Edelstahl und geben während der Fahrt dieses typische leichte Klappern von sich, wie wir es schon lange nicht mehr gehört haben, in der von Kunststoffteilen dominierten Welt.

Die neuen Wanderer wurden entwickelt vom Fahrradkonstrukteur Hans-Gerd Lanzerath. Die Modellpalette wird stetig erweitert, derzeit hat man die Wahl zwischen einem Reiserad mit Touren- oder Rennlenker (welches dann Randonneur heißt), einem "Tourer" (also einem Tourenrad), welches ebenfalls mit Rennlenker zu bekommen ist (heißt dann "Sporttourer").

Neueste Kreation und seit diesem Frühjahr zu bekommen, ist ein Stadtrad. Auch hier handelt es sich nicht um eine Neuauflage der alten Marke als "Classic Cycle" mit Imitaten von damals. Hinter der klaren Linie der Räder steckt Technik von heute. Nicht aufgemotzt präsentiert, sondern dezent versteckt. Der Kunde hat sich dies gewünscht, heißt es bei Manufactum, weil viele ja gerne ein Wanderer gekauft hätten, jedoch die Preise ab 2500 Mark (bis über 5000 Mark) so einige abschreckten, nur leider nicht die Diebe.

Das neue Stadtrad ist zugleich der preiswerteste Einstieg in die Wanderer-Klasse. Für 1700 Mark sitzt man dann auch aufrechter als auf den sportlicheren Varianten. Das Rad zeichnet ein sehr guten Geradeauslauf, eine gute Eigenfederung der Gabel und natürlich die bekannte Liebe zum Detail aus. So findet man das Wanderer-Logo nicht nur am Steuerkopf, sondern auch in der Struktur des Kettenblatts (von Stronglight) und am Brooks-Sattel wieder. Ansonsten wurden sehr viele gute Standardteile verbaut, die Qualität für einen akzeptablen Preis bieten: Shimano-Rollenbremse am Vorderrad, Sieben-Gang-Naben (Shimano-Inter-7) im Hinterrad, ebenfalls von Shimano stammen die Naben.

Die Rahmengeometrie des Stadtrades entspricht der des Tourers. Während man das Stadtrad nur mit Rücktritt bekommt, sind die Variationsmöglichkeiten beim Tourer erheblich größer. Drei Varianten, mit je 7, 14 und 21 Gängen werden angeboten. Gebremst wird mit Magura-Hydraulikbremsen (in Sonderanfertigung mit Stahlflexleitungen und Silberlackierung). Mit der Sram-Spectro-7-Gang-Nabe kostet das Rad dann 2500 Mark, mit der Spectro 3x7-Ausstattung 2600 Mark und mit der exzellenten Rohloff-14-Gang-Nabe stolze 3900 Mark.

Gebaut werden die Wanderer bei der Firma Recker in Meckenheim. Die Montage, bis hin zur Verpackung, übernimmt eine Person. Im Serviceheft des Rades kann der Kunde dann erkennen, wer sein Rad montiert hat. Der Service und die Wartung läuft über Vertragungshändler vor Ort. Dort kann man die Räder auch kaufen, wenn auch eine Bestellung über den Versandkatalog möglich ist. Jedoch werden sie sowieso nur über den Fachhandel ausgeliefert. Ein vormontiertes Rad, das per Spediteur vor die Haustür gestellt, kommt deshalb bei Manufactum nicht vor.

Einen guten Überblick über die vielfältige Auswahl, bis hin zu Sonderanfertigungen, bekommt natürlich beim Händler oder auch im Internet (www.wanderer-fahrraeder.de). Den Manufactum-Katalog kann man unter der Telefonnummer 02309 / 939-00 bestellen.

Fahrradfahrer in Berlin, die sieht man nicht gleich, man hört sie erst. Nicht, weil sie sich wieder einmal auf dem Fußweg im Affentempo „von hinten" einem Passanten nähern und sich den Weg frei schreien. Nein, so etwas macht doch kein Radfahrer... Wir reden vom guten Ton, und zu dem gehört in der Hauptstadt ein Konzert der Glieder. Immerhin hat so eine Fahrradkette mehr Mitglieder als die Berliner Philharmoniker. Und die reiben kräftig aneinander (die Glieder - nicht die Musiker), und erzeugen einen Lärm, der selbst Katzen verjagen kann. Nach dem Krach zu urteilen, liegt bei vielen Fahrrädern die letzte Ölung wohl Jahre zurück. Dafür sorgt allerhand Schmutz für viel Widerstand und ein getrübtes Fahrvergnügen.

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Auf- und Absteigen bereitet vielen älteren Menschen Probleme. Sie können durch gesundheitliche Probleme das Gleichgewicht nicht mehr halten und werden unsicher. Aus Angst, im Verkehr mit dem Rad umzukippen, verzichten viele deshalb auf das Rad fahren. Oder sie radeln auf zu kleinen Velos, nur, um ständig Kontakt zum Boden zu haben.

SattelliftÄhnlich ergeht es Radfahrern mit Gelenkprobleme. Auch sie stellen den Sattel auf die tiefste Stufe. Dadurch fühlen sie sich sicherer, nur werden die Kniegelenke dann noch stärker belastet. Am besten radelt man, wenn das Knie bei der untersten Pedalstellung fast vollständig gestreckt ist. Natürlich hat man davon schon gehört. Doch das Problem, in der idealen Sitzposition nicht mehr mit den Füßen auf den Boden zu kommen, bleibt natürlich weiterhin bestehen. Diesen Teufelkreis haben auch drei Erfinder aus Sachsen erkannt und einen Sattellift entwickelt.

Bei dem von Wilfried und Elmar Hommel und Dietmar Hofmann entwickelten Sattellift handelt es sich um eine Sattelstütze, durch die sich der Sattel innerhalb eines Bereichs von 120 Millimeter stufenlos auf jede beliebige Höhe verstellen lässt. Und im Gegensatz zu Schnellspannerverschlüssen auch während der Fahrt.

Die Fernbedienung erfolgt über einen Hebel vom Lenker aus (ähnlich wie bei einer Gangschaltung). Das Prinzip funktioniert wie beim Bürodrehstuhl. Angehoben wird der Sattel per Gasdruckzylinder, eingeschoben wird er durchs Gewicht des Fahrers.

Der Sattellift wird in verschiedenen Rohrdurchmessern angeboten. Vertrieben wird die Stütze über den Fachhandel. Ein Versand über Hofmanns Firma ist auch möglich. Die Firma Hofmann Spezialmaschinen aus Grüngräbchen (in der Oberlausitz) hält auch ein sehr gutes Faltblatt bereit (Tel. 035797 – 63520 / Fax –63015).

Zwei Nachteile hat der Sattellift. Er ist nicht ganz billig (328 Mark) und die Konstruktion bringt ein paar zusätzliche Gramm aufs Fahrrad (genauer 1,6 Kilogramm). Doch beides werden viele Menschen im wahrsten Sinne des Wortes verschmerzen können, wenn sie doch überhaupt nur wieder bequem und sicher Fahrrad fahren können.

Der Sattellift, der übrigens auch einen leicht federnden Effekt besitzt (Federweg etwa 10 bis 15 Millimeter), lässt sich an vielen Fahrradtypen montieren, egal ob Herren- oder Damenmodelle. Eine gewisse Baufreiheit unter dem Sattel muss aber gewährleistet sein. Die Firma hat mehrere Variante zur Auswahl, die man sich am besten im Fachhandel anpassen lässt. Spezielle, ganz moderne Rahmengeometrien können Probleme bereiten, doch gehen wir einmal davon aus, dass die Zielgruppe des Produkts eher ein klassisches Fahrrad benutzt.

Ein ähnliches Konzept verfolgt die Firma Possat. Allerdings ist ihr Sattellift nicht nachrüstbar, sondern an einen speziellen Fahrradrahmen gebunden. Angeboten wird ein 26-Zoll-Cityrad mit einer Sieben-Gang-Nabenschaltung und Rollenbremse. Die Sattelstütze lässt sich bei dem Rad aus Siersburg (Tel. 06835-3256) hydraulisch verstellen. Wir sind eine Proberunde gefahren, als wir das Bike durch Zufall bei Fahrrad Berger entdeckten. Das Rad kostet 1499 Mark und ist durchaus eine Alternative zum Sattellift, jedenfalls dann, wenn man sowieso ein neues Rad braucht, und das Possat-Rad einem zusagt.

Wenn Norbert Haller eine Idee hat, holt er einen Stift heraus und zeichnet. Der Fantasie wird dabei freien Lauf gelassen, schließlich gibt es auf dem Papier keine Gesetze der Physik und schon gar keine garstigen Grenzen der Marktwirtschaft. Haller bildet zusammen mit Johannes Cremer das Design-Duo "Craftsmen". Die beiden Berliner können etwas, was offensichtlich im Zeitalter der neuen Medien vielen anderen abhanden gekommen ist: Sie können zeichnen.

Wasserstoffrad von CraftsmenDie Künstler sind deshalb seit dem Ende ihres Industrie-Design-Studiums an der Hochschule der Künste im Jahre 1997 viel beschäftigte Kreative. Bereits mit ihren Diplom-Arbeiten haben sie Aufsehen erregt. Darin verbanden die Studenten die Ästhetik der Zwanziger Jahre mit der Technik von heute und entwickelten einzigartige Elektrofahrräder. Das grüne "Sunbeam" war einer der optischen Höhepunkte auf den Fahrradmessen vor zwei Jahren. Leider ist das moderne Nostalgierad mit dem Alt-Berliner IA-Nummernschild auf dem vorderen Schutzblech bis heute nicht in Serie gegangen. Es gab Schwierigkeiten, sich mit einem Hersteller über die Konditionen und Lizenzbedingungen zu einigen.

Ihr neuester Entwurf ist ein futuristisches E-Bike mit Brennstoffzellenantrieb. Die Designer versuchten Technik und Natur zu vereinigen und die perfekte Geometrie der Biologie, entstanden durch Millionen von Jahren der Evolution, in eine Revolution des Fahrradbaus zu verwandeln. Aus Entwicklungsgeschichte wird so höchstwahrscheinlich Fahrradgeschichte. Die Struktur, der "Körper" des Fahrrades, erinnert an ein großes Insekt, die Gottesanbeterin. Ihre Gestalt setzten Haller und Cremer in einen Fahrradrahmen um, und nannten das Bike dann entsprechend "Mantis", wie die Gottesanbeterin im Englischen heißt.

Die Konstruktion hat mit einem normalen Fahrrad optisch nur noch sehr wenig gemein. Natürlich kann auch "Craftsmen" das Rad nicht neu erfinden. Die Materialien, die sie benutzen sind für jedermann erhältlich und das Velo hat zwei Räder. Der Unterschied liegt in der spielerischen Umsetzung und in dem Mut von Branchenfremden - also Menschen, die nicht aus dem Dunstkreis der Fahrradindustrie kommen - einfach Neues auszuprobieren. Die Designer möchten mit dem "Mantis" bewusst neue Impulse setzen. "Wir wollten ein neues Fahrzeug kreieren", sagt Haller, "und dazu gehört auch einfach ein neues Aussehen".

E-Bike von Craftsmen für HawkNatürlich ist das Fahrrad vollgefedert, doch das Geheimnis und der entscheidende Unterschied steckt in den zwei Tanks und im Aluminium-Rahmen. In Zukunft sollen die raketenartigen Behältnisse, die auch aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten, Wasserstoffpatronen aufnehmen, während dann Brennstoffzellen im Rahmen platziert werden. Diese Art und den Ort des Antriebs haben sich die Geschäftsmänner gleich patentieren lassen. Es wäre das erste Mal, das ein Fahrrad mit Wasserstoff angetrieben werden würde. Noch befindet man sich allerdings im Versuchsstadium. Deshalb wird in der ersten Version des Mantis, in die Tanks die Batterie für den Elektroantrieb gesteckt. Später soll mit der Brennstoffzellentechnik auch die Reichweite mit einer "Batterieladung", oder nennen wir es besser Tankfüllung, um das Zwei- bis Dreifache steigen.

"Bei gleichem Gewicht", sagt Haller. Damit wäre dann auch das bisher größte Problem der Elektrofahrräder, die unzureichenden Reichweite mit einer Akkuladung befriedigend gelöst.

Eine Leistungselektronik soll den Schub regulieren, ein Ventilator die Brennstoffzellen kühlen. Und alles soll kinderleicht zu handhaben sein. "Jeder kann das Mantis zu Hause aufladen, wirbt Haller. Gedacht ist zudem auch an eine faltbare Variante, damit das Velo auch ins Auto passt.

Bequem sitzt man schon heute auf der langen ledernen Sattelschwinge, die schon in der Nähe des Vorbaus beginnt. Überzeugend ist das System der Anti-Dive-Gabel, das mal nicht von Craftsmen erfunden wurde, sondern von einer US-Schmiede stammt.

Die Markteinführung steht noch nicht fest, wie beim Sunbeam muss natürlich auch hier erst einmal ein Hersteller gefunden werden. Es ist allerdings zu befürchten, das die deutsche Fahrradindustrie – mit ihrer konservativen Einstellung und dem ausgeprägten Hang zu wenig Risikofreude - bei so viel Innovation erst einmal staunt und abwartet.

Cremer und Haller unterdessen sitzen natürlich nicht still. Wenn sie nicht gerade Prototypen fahren, entwickeln sie in ihrem Atelier und Büro in der Kurfürstenstraße hauptsächlich für Werbeagenturen Illustrationen und gestalten Produkte, wie beispielsweise einen Cyberhandschuh für eine Anzeige der Deutschen Bank.

Die Arbeit war ein Auftrag der Stadtwerke Hannover, die sich einen solargekühlten Fahrrad-Verkaufsstand wünschten. Die Technik des "Ice-Rider" stammt von Sepp Fiedler. Fiedler, Ingenieur und Inhaber des SolarCafé in Berlin, hat auch an der Entwicklung der Berliner Velotaxis maßgeblich mitgewirkt. Die Velotaxi-Technik stand Pate für die Neuentwicklung. Derzeit fährt der Icy-Rider über das Expo-Gelände. Das einklappbare Solardach schützt vor Sonne und Regen. Der Verkaufstresen mit der Kühltruhe lässt sich leicht zum Info-Counter umbauen. Es ist laut der Stadtwerke Hannover, der "weltweit erste Fahrradverkaufsstand, der seinen Kältebedarf von der Sonne zapft". Weitere Modelle sind bestellt.

Man kann noch so aufmerksam radeln. Nicht immer ist ein Unfall vermeidbar. Wenn einem keine Schuld trifft, bleibt die Frage, wer für den Schaden aufkommt. Sehr gerne wird in solchen Fällen von den anderen Verkehrsteilnehmern (soweit sie einsichtig sind) angeboten, den Schaden außergerichtlich an Ort und Stelle zu klären und flugs die Brieftasche gezückt. Nach dem Motto: "So teuer kann der Schaden ja nicht sein". Das mag manchmal sogar ehrlich und aufrichtig gemeint sein, doch darauf sollte man sich nicht einlassen (und wenn einer einem 3000 Mark anbietet, obwohl das Rad augenscheinlich alt und verbraucht ist, hat der Schuldige vielleicht mehr als nur einen Unfall verbockt).

Im Zweifel ist es immer besser, die Polizei zu rufen, besonders, wenn sich nach dem ersten Schreck Schmerzen bemerkbar machen oder keine Zeugen greifbar sind.

Oft lassen sich Schäden auch für den Laien nicht so einfach feststellen. Wer vorschnell zu kooperativ ist, kann später auf seinen Kosten sitzen bleiben.

Rechtsanwalt Martin Karnetzki, beim Fahrradclub ADFC für Rechtsfragen zuständig, rät zudem zu einem Gedächtnisprotokoll, und zwar "so schnell wie möglich". Bei körperlichen Schäden sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Denn mögliche Spätschäden können dann auf den Unfall zurückverfolgt werden, erklärt Karnetzki.

Spontane Angaben zu den Schäden am eigenen Rad sollte man nicht abgeben. Wird ein Polizeiprotokoll angefertigt, sollten die offensichtlichen Schäden aufgelistet werden. Oft übersieht jedoch man auf den ersten Blick, nach dem ersten Schreck, wesentliche Details. Eine verbogene Gabel fällt einem vielleicht erst bei einem Vergleich mit einem ähnlichen Rad auf. Und eine Wucht im Rad macht sich eventuell erst bei Geschwindigkeiten über 20 km/h oder bei Touren mit Gepäck bemerkbar.

Den Schaden sollte auf alle Fälle man von einer Fachwerkstatt schätzen lassen. Man kann dabei darauf bestehen, dass beispielsweise eine Unwucht im Laufrad nicht mit viel Fingerspitzengefühl vom Mechaniker beseitigt wird, sondern ein neue Felge eingespeicht wird. Ist jedoch ein Totalschaden zu beklagen, so hilft zur Zeitwertermittlung eventuell die Schwacke-Liste für Fahrräder. Allerdings findet man dort vor allem hochwertige Räder, die auch einen gewissen Wiederverkaufswert haben. Bei kleineren, reparablen Schäden sollte ein Kostenvoranschlag angefertigt werden, den man mit seinen Ansprüchen bei der gegnerischen Versicherung einreicht.

Hat die Versicherung Zweifel an der Schadenshöhe, so wird ein – meist von der Versicherung bestimmter - Sachverständiger eingeschaltet. In einem konkreten Fall lief die Überprüfung dann wie folgt ab: Der Sachverständige ließ den Schaden von der Werkstatt zeigen und "begutachtete" die angezeigten Schäden nach dem Rat und der Aufstellung des Mechanikers des Fahrradgeschäfts. Offensichtlich scheint die fortschreitende Technik am Fahrrad auch so manchen Experten zu überfordern. Es kann deshalb nicht schaden, sich eine Werkstatt zu suchen, der man auch vertraut. Natürlich gibt es auch auf Fahrräder spezialisierte Gutachter. Eine Liste bekommt man beim ADFC (Tel. 030 / 448 47 24)

Automatisch einen Sachverständigen hinzu zu schalten, ist weniger ratsam. Wenn beispielsweise ein Schaden von 500 Mark entstanden ist, das Gutachten jedoch 1000 Mark kostet, wird so manche Versicherung sich weigern, den Gesamtbetrag zu begleichen. Die Verhältnismäßigkeit sollte also gewahrt beleiben.

Auch als Radfahrer hat man Anspruch auf Nutzungsausfallentschädigung. Einzige Einschränkung: Das Bike sollte dann nicht nur in der Freizeit und zum Spaß gefahren werden. Berechnet wird nach Tagen. Als Vergleich dienen dabei die Tarife von Mietfahrrädern.

Muss ein Anwalt hinzu gezogen werden, ist es von Vorteil eine Rechtschutzversicherung zu besitzen. Allerdings müssen natürlich die Anwaltskosten vom Unfallverursacher ersetzt werden. Bei vielen Autoclubs und natürlich auch beim einzigen Fahrradclub ist man automatisch rechtschutzversichert (beim ADFC allerdings mit einer Eigenbeteiligung von 100 Mark).

Auch einen Fahrradschutzbrief bietet der ADFC an. Für 21,70 (plus Steuer) im Jahr sind damit Taxikosten bei Panne, Unfall oder Diebstahl sowie Transportkosten zur nächsten Werkstatt bis zu 200 Mark inbegriffen. Auch werden die Kosten für ein Mietrad für eine Woche übernommen. Einziger Haken: Man muss bereits Mitglied sein (kostet 72 Mark im Jahr). Für Mitglieder gibt es auch eine Vollkaskoversicherung, beispielsweise für ein 1500 Mark-Rad 120 Mark (plus Steuer) im Jahr.

Versicherungen aller Art rund ums Rad bekommt man freilich auch bei vielen Maklern, Autoclubs und in Fahrradgeschäften.



Aufrechte Sitzposition beim Fahrrad ungesund / Federung ist gesund

Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule testet Fahrradprodukte im Hinblick auf ihre gesundheitliche Eignung. Der Mountainbiker und promovierte Sportwissenschaftler hat Messmethoden entwickelt, mit denen Radfahrer auf ihre körperliche Belastung beispielsweise auf der Transalp-Challenge, einem Radrennen über 620 Kilometer und 20 300 Höhenmetern untersuchen werden können. Über den Vorteil einer Federung am Fahrrad und die gesundheitlichen Auswirkungen des Radfahrens sprach Ulf Hoffmann mit dem Kölner Wissenschaftler.

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Nur einmal angenommen, eine Mutter bekommt zunächst ein orange- und ein blaufarbenes Kind, und dann ein paar Jahre später ein weiteres mit silbriger Haut. Auch ein Farbenblinder wird Zweifel anmelden, ob sämtliche Sprösslinge vom selben Vater abstammen. Da hilft es dann auch nicht, dass die besorgte Mama den Kindern zusätzlich zum Familiennamen "Culture" die Rufnamen "Blue", "Orange" beziehungsweise "Silver" gab.

Das "Culture blue" von der Darmstädter Firma "Riese und Müller" war vor drei Jahren eines unserer Favoriten in der Kategorie "Bestes gefedertes Cityrad". Es war eine neue Kreation, mit frischen Ideen und einem klasse Fahrgestell, das man zudem gerne anschaute. Quasi ein Model unter den schlichten Modellen.

Heute hat sich die Situation geändert. Die Konkurrenz zog nach, hat so einiges kopiert und vieles Gute selbst entworfen. Die Unterschiede verwischen. Vollgefederte Stadträder sind keine Seltenheit mehr und manch ein Hersteller versucht bereits – mit natürlich deutlich spürbaren Abstrichen bei der Ausstattung - die Preisgrenze von 1000 Mark zu unterbieten.

Gewiss: In der Masse fällt auch weiterhin die Culture-Familie auf. Das neue Modell, in silberner Farbe pulverbeschichtet - hinterlässt einen sehr edlen Eindruck. Man sieht dem Rad den Preis von 2899 Mark durchaus an. Doch unter der glatten Haut entdeckten wir einige Pickel, die wir von den beiden älteren Brüdern "Blue" und "Orange" nicht kannten.

Das Problem fing schon nach den ersten Metern auf der Probefahrt an. Die Klingel klingelte nicht nur, sie klapperte auch. Gewiss, ist dies schnell abzustellen (neue Klingel für zwei Mark 50 montieren), doch müssen solche Kinderkrankheiten sein?.

Nun werde viele sagen: Wozu brauche ich eine Klingel- ab damit. Doch "Riese und Müller" wollten ein Cityrad bauen, mit dem man sorgenfrei und sicher durch die Stadt kommt, und dazu gehört schließlich eine Klingel.

Während es also den Klappertest nicht bestanden hat, hat uns das neue Lichtkonzept völlig überzeugt. Die Kombination aus Nabendynamo (von Shimano) und einer Lichtanlage, die sich bei Dämmerung automatisch einstellt, ist klasse. Das nennen wir einen wirklichen Fortschritt. Sobald man in eine Unterführung einfährt oder bei Dämmerung radelt, stellt sich das Licht automatisch ein. Eine kleine Diode, ins Vorderlicht integriert, sorgt für den Impuls, der dann auch ans Rücklicht weiter gesandt wird. Selbstverständlich kann man das Licht auch manuell anstellen. Ein Schieberegler befindet sich oberhalb des Scheinwerfergehäuses. Auf dem Lichtsektor ist der "Lumotec Oval senso plus" von Busch & Müller (kostet einzeln 60 Mark) die empfehlenswerte Neuerscheinung dieser Saison. Das beim Culture sowohl Rücklicht als auch Vorderradscheinwerfer mit Standlicht ausgestattet wurden, wird hier nur am Rande erwähnt, bei anderen Herstellern wäre dies bereits das Highlight des Berichts gewesen.

Allerdings ist der Ort des Scheinwerfers unglücklich gewählt. An den Vorbau geklemmt, sitzt dieser hinter den Brems- und Schaltzügen. So wird der satte Lichtstrahl gebrochen und auch ein leichter Schatten erscheint auf der Fahrbahn. Noch schlimmer kommt es, wenn Mann oder Frau einen Korb oberhalb des Vorderrades montiert. Die Ingenieure haben dafür (sehr lobenswert) eine Halterung bereits in den Rahmen integriert (wie auch hinterm Sattel für Kindersitze). Das gibt Pluspunkte, allerdings nur für den Einkauf bei Tageslicht.

Ansonsten hatten wir während der mehrwöchigen Probefahrt keine Probleme mit der Funktion. Breite Spiralkabel, doppelt ausgeführt und zum Großteil im Rahmen verlegt sind weniger anfällig für Brüche und Risse.

"Riese und Müller" nennen das Velo "Das No Problem-Rad". So weit würde wir uns nicht aus dem Fenster lehnen. Gewiss wird das Culture auch über die Garantiezeit hinaus Freude bereiten und nicht ständig in Werkstatt stehen. Das sorgenfreie Rad jedoch muss erst noch erfunden werden. Obwohl die Komponenten eigentlich fürs Festmenü alle vorhanden sind, wird bei den Zutaten immer noch gespart. Nicht, weil die Hersteller lieber mehr Geld verdienen wollen, sondern weil der Kunde einfach nicht bereit ist, über 3000 Mark für ein Fahrrad auszugeben.

Und auch bei den 2899 Mark, die das Culture Silber kostet, wird so mancher abwinken. Zumal das neue Culture sich weniger für Fahrten abseits der befestigten Wege eignet. Es neigt, höchstwahrscheinlich auf Grund des ins Vorderrad integrierten Nabendynamos und der damit verbundenen Gewichtsverlagerung hin zum Vorderrad, zum Untersteuern. Sandige Böden, enge Kurven oder ein Slalom im Kiefernwald, sind deshalb nicht das Terrain des silbernen Culture.

Bleiben wir also in der Stadt. Man sitzt aufrecht und gleitet über den heißen Asphalt. Die Federung, sowohl am Hinterbau, als auch am Vorderrad ist sehr komfortabel ausgefallen. Leider lässt sich die Federspannung beim Hinterbaudämpfer nur schwer von Hand einstellen. An der Vordergabel gelingt dies dagegen spielend. Ein wenig an den Knöpfen gedreht und aus 63 Millimeter Federweg werden deutlich weniger.

Die RST 281 TL -Gabel arbeitet hervorragend beim Einfedern. Sie hat allerdings ihre Probleme mit der Dämpfung. Der Rückschlag ist bei Sprüngen über Wurzeln oder Bordsteine deutlich zu spüren. So deutlich, dass wir an einen Fabrikationsfehler dachten, doch die Probe an einem baugleichen Modell im Fahrradladen brachte überraschenderweise wenig Verbesserung. In diesem Fall war die früher eingesetzte RST 280 besser, wenn sie auch über weniger Federweg verfügte und nicht einstellbar war.

Der Gepäckträger beim Culture ist wie immer in den Rahmen integriert. Die Ausführung ist dadurch sehr stabil. Im Zubehör (kostet 49 Mark extra) gibt es zudem einen Adapter, mit dem dann auch Satteltaschen angebracht werden können, die sonst nur wenig Halt finden. Allerdings passen nicht alle Hakensystem an den Träger, da dieser im hinteren Bereich sehr dick ausfällt und deshalb die Taschen – wenn überhaupt - nur mit ein wenig Fummelarbeit Platz finden.

Geschaltet wird übrigens mit Drehgriffschaltern (von Sram). Beim Bremsen helfen V-Bremsen von Avid. Die 21 Gänge sind verteilt auf sieben Gängen als Ketten- und drei weitere als Nabenschaltung . Durch die Kombination lässt sich leicht ein Schutzblech montieren, was Hosenbein und zum Teil auch Ketten vor Schmutz bewahrt.

Wir haben bisher viel gemeckert, so dass eigentlich ein nicht so gutes Urteil unterm Strich herauskommen müsste. Doch wenn die Kinderkrankheiten beseitigt werden, ist das "Silver" ist ein sehr gutes Stadtrad, das mit 16,8 Kilogramm noch – mit Blick auf den eingebauten Komfort – im akzeptablen Gewichtsbereich bleibt. Für sportliche City-Radfahrer empfehlen wir aber weiterhin das "Culture blue"(2399 Mark).

Und eines muss man auch betonen: Wir haben die Latte bewusst sehr hoch gehangen. Denn mit "Riese und Müller" ist das wie mit dem FC Bayern: Nur der erste Platz zählt. Die Topp-Position hat man sich in der Vergangenheit durch sehr gute Leistungen und innovative Ideen erarbeitet. Die Vizemeisterschaft wird deshalb nicht angestrebt. Der Fan erwartet schlicht die Meisterschale und nicht nur eine silberne Medaille.

Update:

Nicht jeder ist wirklich über die Jahre mit der Rad zufrieden. Es gibt wohl doch desöfteren Rahmenbrüche. Dies berichten Fahrradhändler, aber auch Fahrradtestleser wie Michael Joachim.

Seine Geschichte vom Rahmenbruch des Culture kann man hier nachlesen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In etwa 80 Prozent der Unfälle mit radelnden Kindern wird der Kopf der jungen Biker in Mitleidenschaft gezogen. Das hat jedenfalls die Stiftung Warentest am Rande ihres aktuellen Tests von Fahrradhelmen für Kinder ermittelt (siehe Heft 5/2000). Trotz der alarmierenden Zahlen radeln immer noch sehr viele Knirpse ohne Kopfschutz. Dabei ist auch noch der schlechteste Deckel besser als gar keiner. Doch so schlecht sind die Produkte gar nicht. Beruhigend, dass die Warentester bei 18 untersuchten Helmen nur einmal das Urteil "mangelhaft" vergeben mussten. Der Grund für die Abwertung des MET Buddy war die unzureichende Stoßdämpfung.

16 Helme bekamen die Note "gut". Bemerkenswert: Dabei schnitten 40 Mark-Helme fast genauso gut ab, wie ein 100 Mark-Schutz. Für größere Kinder empfehlen die Tester die für je 60 Mark zu bekommenden Helme AGU Creation und Casco Follow Me. Für Kleinkinder raten die Experten zu dem Busch Joy (60 Mark) und dem zehn Mark teureren KED Harlekin. Doch selbst der mit 39 Mark vergleichsweise billige Grepper Doggy war den Warentester eine Empfehlung wert. So gesehen muss man beim Helmkauf (heutzutage) auf andere Eigenschaften achten: Lässt sich der Helm gut und leicht einstellen? Riemensysteme, leicht einstellbar, sind in diesem Fall besser als die etwas überholten Polster (Pads), die mit Klettband eingesetzt werden müssen. Weiter ist ein Testkriterium, ob der Helm ausreichend belüftet ist, damit der Nachwuchs ihn auch an heißen Tagen aufbehält. Ein Fliegengitter schützt zusätzlich vor lästigen Mitfahrern.

Natürlich sollte der Kopfschutz dem Kind auch gefallen. Deshalb gilt: Kein Helmkauf ohne das Kind. Der Helm muss sowohl Schläfen als auch Nacken bedecken, um sicher schützen zu können. Fahrradhelme eignen sich übrigens auch fürs Inline-Skaten (ausgenommen sind nur akrobatische Verrenkungen in der Half-Pipe). Hinweise in der Gebrauchsanweisung seitens der Hersteller, dass der Schutz nur fürs Radeln gedacht ist, haben vor allem wirtschaftliche, vielleicht noch gewährleistungstechnische, aber weniger sicherheitsrelevante Gründe. Einige Hersteller tauschen übrigens beschädigte Helme unentgeltlich oder gegen eine vergleichsweise geringe Gebühr aus. Sollte es zu einem Sturz gekommen sein, muss der Helm ersetzt werden (auch wenn keine äußerlichen Schäden zu erkennen sind). Einen Kopfschutz sollten die Kinder nicht nur tragen, wenn sie alleine Radeln. Auch im Kindersitz kann der Plastikdeckel Leben retten. Besonders gefährlich sind Stürze im Stand, wenn das Fahrrad mit dem Kind im Sitz umkippt. Für den Schlaf zwischendurch hilft ein Kissen der Firma Sandini (Tel. 070307-29673; www.sandini.de), welches den Kopf zur Seite stabilisiert.

Die richtige Sitzposition und ein gefedertes Rad können helfen.

Sado-Maso auf dem Zweirad. Täglich. Hauptsache hart und ohne Komfort. Ungefedert, ungedämpft und offensichtlich ohne Verstand, geht es über Stock und Stein. Zur Abwechslung ein Bordstein oder ein Stück Kopfsteinpflaster. Die Hände vibrieren, die Wirbelsäule biegt sich, das Schambein drückt. Der Arzt schüttelt derweil mit dem Kopf.

Die Härte der Natur kann man nur spüren, wenn man ungefedert durch den Wald brettert, so die Meinung vieler Radler. Sehr lange hat die Industrie diese Ansicht auch noch unterstützt und uns – wie wir heute wissen - veraltete Technik verkauft. Viel zu lange hat es gedauert, bis die schon lange im Fahrzeugbau, beispielsweise beim Motorrad, eingesetzte Technik aufs Fahrrad übertragen wurde. Doch trotz des Fortschritts: Die Mehrheit der Radfahrer setzt sich noch immer bewusstbewußt unnötigen Schlägen aus. Der Markt, besonders außerhalb des Mountainbikebereichs muss erst noch erobert werden. Die Preise für vollgefederte Räder sind bereits kräftig gepurzelt, und eine Kampagne jagt die andere, um Gesundheit und Radfahren zu verbinden. Selbst der ADAC hat dies für seine Mitglieder entdeckt und auch die Deutsche Sporthochschule in Köln initiierte zusammen mit der Firma RockShox das Projekt Wellcom (steht für Wellness und Komfort). Gesunde Produkte für gesunde Menschen. Die Menschen sollen sich auf dem Rad wohl fühlen und Spaß am Sport haben, so in etwa das Credo. Natürlich will auch RockShox, Kennern als Hersteller von Federelementen ein Begriff, ein weiteres Verkaufsargument haben. Man hat sich deshalb entschlossen, den „größten gemeinsamen Nenner als Entwicklungsziel zu stecken: die Gesundheit“, sagt Dirk Belling von RockShox. „Gesundheit heißt Vorsorge“. Natürlich spielen auch Marketinggründe eine Rolle. „Gesunde“ Produkte lassen sich schlicht besser verkaufen. Ein entsprechendes Logo als Zertifikat soll es dann auch geben.

Aufklärung tut wirklich Not. Denn wenn die Wehwehchen auch noch am nächsten Morgen vorhanden sind, und die Rückenschmerzen sich ständig melden, sollte man nicht nur einen Arzt aufsuchen, sondern auch seinen Fahrradhändler nach einem Komfortrad fragen.

Dass Federung nicht gleich Federung ist, zeigen zahlreiche Untersuchungen. Und vollgefederte Fahrräder aus dem Bau- oder Supermarkt sollte sowieso lieber nicht kaufen. Mit diesen Rädern wird man eher geteert als abgefedert.

Eine Federung an einem gutem Bike vermindert über 20 Prozent der Stöße. Man fährt gesünder, spart Kraft und die Wirbelsäule, aber auch die Handgelenke werden weniger belastet.

Auch ein bequemer Sattel kann helfen. Allerdings mit Einschränkungen, denn auch ein breiter, gepolsterter Sattel setzt die Durchblutung des Penis um ein Viertel herab, wie der Bostoner Urologe Irwin Goldstein feststellte. Besser sind deshalb ergonomisch geformten Sattel, die den Damm, das ist der Bereich zwischen Penis und After, weniger belasten. 

Die Firma Specialized forscht in diesem Bereich und hat bereits erste Sättel vorgestellt (wie berichtet; Anmerkung für Red: Wenn die Sattelgeschichte vorher erschienen ist) Specialized entwickelte nicht nur neue Sattelformen, die die Taubheitsgefühle im Schambereich vermindern oder gar verhindern sollen, sondern auch Body-Geometry-Handschuhe, mit denen die Hände nicht einschlafen sollen.

Auch ein verstellbarer, kurzer Vorbau ist sehr hilfreich. Zudem setzt die Industrie zunehmend auf kürzere Geometrien beim Radbau. Dazu gehören ein längeres Steuerrohr, ein kürzeres Oberrohr und einfach mehr Federweg.

Die Industrie wacht so langsam auf. Bestes Zeichen: Erste spezielle Forschungsaufträge für die Sporthochschule in Köln. Die Firma „Derby Cycle“ finanziert sogar eine Doktorantenstelle. Ziel des Projekts ist unter anderem die optimale Sitzposition zu finden, aber auch die Bedürfnisse für Radfahrerinnen zu untersuchen.

Froböses Abteilung ist führend in der Welt. Der Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport hat für Tests deshalb in Zusammenarbeit mit dem Institut für Arbeitssicherheit der Uni Bochum ein spezielles Messverfahren entwickelt. Erstmalig wurden auf der Transalp-Challenge vergangenen Sommer zwei Mountainbiker mit Sensoren ausgestattet, die die Erschütterungen maßen. Es war weltweit der erste Test, der nicht auf einer Rüttelmaschine im Labor stattfand, sondern unter Live-Bedingungen.

Der eine Fahrer musste nur mit einer Federgabel fahren (Fachleute nennen so ein Bike Hardtail), während der andere Tester ein vollgefedertes Mountainbike („Fully“) hatte. Bei der Fahrt zeigte sich, wie erwartet, dass ein „Fully“ einen Teil der Stöße aufnimmt. In der Summe musste der Fahrer auf dem vollgefederten Fahrrad 24 Prozent weniger Vibrationen ertragen. Überrascht hat die Wissenschaftler allerdings die Erkenntnis, dass die größten Unterschiede nicht bei Bergabfahrten auftraten, sondern bei den Anstiegen. Auf Schotterpisten lagen die Erschütterungen für den Körper um 32 Prozent unter den beim Hardtail.

Im Klartext heißt das man kann länger und entspannter Radfahren.

Und Freunden des Geschwindigkeitsrausches sei gesagt, dass man mit einem Fully schneller bergab kommt und dabei auch noch weniger Energie verbraucht. Der ungefederte Biker muss erheblich mehr Arbeit verrichten, um nicht aus der Bahn geworfen zu werden.     

 

 

Ein neuer Anti-Impotenz-Sattel soll Taubheitsgefühle und Fruchtbarkeitsprobleme verhindern

 

Erst war es nur ein taubes Gefühl zwischen den Beinen, später trat dann immer dieses Kribbeln auf, als wenn die Hand oder der Fuß eingeschlafen sind. Kann man vom Radfahren impotent werden? Potenzprobleme durchs Radfahren sind keine Seltenheit, wenn man der Werbung eines Sattelhersteller und den Schlagzeilen der Boulevardpresse glauben mag. Dem widerspricht Ingo Froböse, Professor für „Prävention und Rehabilitation im Sport“ von der Deutschen Sporthochschule in Köln: „Was Sie beschreiben sind Taubheitsprobleme, Empfindungsstörungen auf Grund mangelnder Durchblutung“. Wie bei der „eingeschlafenen“ Hand löse sich das sehr schnell wieder auf, beruhigt der ambitionierte Mountainbiker. Seit Jahrzehnten wird vor allem in den USA über eine mögliche Impotenz durchs Radfahren diskutiert.

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Tödliche Abfahrt in Willingen. Es sollte ein schönes Bikefestival im vergangenen Sommer werden. Für Britta Schmidt wurde es eine Fahrt in den Tod. Sie stürzte mit ihrem Mountainbike auf dem Weg in die Stadt und verstarb wenig später an den schweren Kopfverletzungen. Die junge Frau trug keinen Helm und ihr Freund appellierte danach über die Presse an alle Biker, nur mit Kopfschutz auf eine Radtour zu gehen.

Es spricht vieles für den Helm beim Radfahren, auch wenn der Kopfschutz einen Unfall nicht vermeiden, sondern nur die negativen Folgen mindern kann. Doch offensichtlich müssen viele Radfahrer erst selber stürzen oder schwere Stürze miterleben, bis sie den lebenswichtigen Nutzen des Fahrradhelms erkennen. "Rund 80 Prozent aller tödlichen Ausgänge von Radfahrer-Unfällen sind auf Verletzungen des ungeschützten Kopfes zurück zu führen", hat die Zeitschrift "Sportrad" errechnet.

Noch werden nur rund ein Viertel so viele Helme wie Fahrräder pro Jahr verkauft. In den USA soll dagegen statistisch gesehen mit jedem gekauften Bike auch ein Helm über die Ladentheke gehen. Eine Helmpflicht könnte dieses Manko beseitigen, doch weder der Radklub ADFC noch von Regierungsseite wird dies gewünscht. Der Grund: Wie nach der Einführung einer Helmpflicht in Australien könnte auch hier die Benutzung des Rades dann deutlich zurückgehen.

Um die freiwillige Quote zu steigern, muss der Kopfschutz richtig sitzen, sich leicht einstellen lassen, gut belüftet sein und - bei jungen Radfahrern sehr wichtig – auch entsprechend modern aussehen.

Im Grunde sind alle Helme sicher. Bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem vergangenen Jahr schnitten von 16 getesteten Modellen (die zwischen 60 und 130 Mark kosteten) 15 mit "gut" ab, nur einer bekam ein "mangelhaft" (Heft 3/99). Auch die Zeitschrift Bike hat sich dem Thema angenommen und 15 Helme zwischen 80 und 200 Mark untersucht. Auch dort gab es keine Ausfälle. Seit 1997 ist die Europanorm DIN EN 1078 für Fahrradhelme bindend und hat offensichtlich dazu geführt, dass sich die Hersteller auch danach richten.

Aber auch ein guter Helm schützt nur dann, wenn er auch richtig passt, richtig aufgesetzt wird und richtig geschlossen ist. Besonders bei der Anpassung hat sich erfreulicherweise in der Vergangenheit viel getan. Die Schaumstoffpolster ("Pads"), die man mittels Klettband individuell ausrichten musste, haben oft augedient und wurden durch ein Halb- oder Ringgurtsystem ersetzt, welches sich durch ein Rädchen auf der Helmrückseite leicht einstellen lässt. Bei Cratoni heisst dieses System beispielsweise "Quick-Turn", bei Atlas "Headfix". Wichtig ist auch eine leichte Verstellbarkeit während der Fahrt. Selbst mit Handschuhen muss man das Rädchen noch drehen können.

Wenn man den Helm nicht so anpassen kann, dass er mit geschlossenem Riemen nur unwesentlich nach vorne und hinten verschoben werden kann, dann sollte der Schutz nicht benutzt beziehungsweise gekauft werden. Während der Fahrt muss der Helm waagerecht sitzen. Ihn tief in den Nacken zu ziehen, bringt gar nichts. – Im Gegenteil.

Wie beim Fahrradkauf gilt auch beim Helmkauf: Eine Probefahrt machen. Nur so lässt sich feststellen, ob der Deckel drückt, das Sichtfeld eingeschränkt ist oder man sehr schnell auf der Kopfhaut schwitzt. Auch Brillenträger sollten ihre Sehhilfe zum Test mitbringen.

Gute Helme kosten zwischen 60 und 200 Mark. Je nach dem für welchen Einsatz sie gedacht sind, wie gut sie belüftet sind, wie viel sie wiegen und ob dem Helm ein Visier (möglichst schraub- oder steckbar und nicht geklebt) beigelegt wurde.

Gute Belüftung kostet Geld. Leicht andere Materialien werden dann eingesetzt, um dann auch trotz der vielen Löcher und Schlitze die Sicherheit und die Dämpfung zu Gewähr leisten. Allerdings heißt es auch nicht unbedingt, dass eine höhere Anzahl von Löchern und Belüftungsschlitzen ein Kriterium für eine bessere Helmqualität darstellt.

Bevor man ein Schnäppchen kauft, sollte man einen Blick auf die Innenseite des Helms werfen. Dort muss sich ein Aufkleber befinden, der den Hersteller bezeichnet, die Prüfnorm beschreibt (meist gepaart mit einem TÜV/GS-Zeichen), das Gewicht und ganz wichtig: den Herstellungsmonat.

Da Helme aus einem Schaumstoff, nämlich "Expandiertem Polystyrol" bestehen (auch "Styropor" genannt), kann dieser Material mit den Jahren altern. Nach etwa drei bis fünf Jahren sollte man sich einen neuen Kopfschutz kaufen, auch wenn der alte in dieser Zeit nur ein paar Mal benutzt worden ist. Alte Ware, die als Sonderangebot verkauft wird, kann somit auch nur noch für einen stark eingeschränkten Zeitraum sicher benutzt werden.

Neues Fahrradmietsystem startet in München

Das Motto von Christian Hogl könnte „nicht kleckern sondern klotzen“heißen. Hogl von der Call-A-Bike AG will ab dem Frühling die Münchner Innenstadt flächendeckend mit 2000 Fahrrädern ausstatten. So sollen an jeder Telefonzelle in der City durchschnittlich zwei Fahrräder zum Ausleihen stehen.

Hinter der auf den ersten Blick einfachen Geschäftsidee steckt die Denk- und Entwicklungsarbeit von fast fünf Jahren. Denn die Firma stellt nicht irgendwelche Billigräder zur Verfügung, sondern vollgefederte Sonderanfertigungen, die derzeit in einer Halle am Münchner Ostbahnhof zusammen gebaut werden. Sie sollen zum Markenzeichen werden und später dann auch bundes- ja vielleicht sogar europaweit exportiert werden (www.callabike.de).

Die Idee scheint erfolgsversprechend, durchdacht, steht auf soliden finanziellen Beinen und hat einen enormen technischen Vorsprung.

Das Prinzip ist sehr einfach. Der Kunde ruft zunächst eine kostenlose Telefonnummer an (bundesweit unter 0800/522 55 22) und meldet sich an. Dazu gibt er seine Konto- oder Kreditkartennummer bekannt. Damit nicht irgendjemand auf Kosten anderer fahren kann, wird dem Interessenten erst einmal eine Mark überwiesen, mit der auch die Kundennummer übermittelt wird.

Und schon kann´s losgehen. Bei Bedarf ruft der Kunde wiederum die Hotline an und gibt seinen Standort durch. Call-A-Bike nennt dem Kunden ein in der Nähe abgestelltes Bike und einen vierstelligen Öffnungscode.

Mit diesem lässt sich nun ein spezielles Bügelschloss öffnen, das fest mit dem Fahrrad verbunden ist. Das geschieht mittels eines Bildschirmdialogs (Touchscreen). Falsche Angaben können korrigiert werden und man wird jeweils zu nächsten Handlung aufgefordert. Also etwa: „Bitte Bügel herausziehen“ oder „Gute Fahrt“. Beim Abschließen wird man gefragt, ob man die Fahrt beenden oder nur unterbrechen möchte. Bei einer Unterbrechung kann das Fahrrad wieder mit der alten Nummer geöffnet werden. Drückt man „Beenden“, so bekommt man einen Quittungscode angezeigt, den man von der nächsten Telefonzelle aus der Hotline mitteilt. Den Rest erledigt der Computer, die Abrechnung vom Konto erfolgt am Monatsende.

Die Fahrt auf dem Velo kostet eine Mark 80 Grundpreis und für jede Minute drei Pfennig. Nach der siebenten Stunde fällt der Preis auf einen Pfennig. Eine Stunde Radeln kostet somit 3,60 Mark, zwei Stunden 5,40 Mark. Ein ganzer Tag kostet 24 Mark. Ob die Preise nicht zu hoch sind, muss sich in der Praxis zeigen.

Die Räder, so steht´s in den Geschäftsbedingungen müssen im Umkreis von 30 Metern zu einer Telefonzelle abgestellt werden. Handybesitzer könne die Velos auch an einer Straßenkreuzung platzieren.

Christian Hogl nennt seine Idee bewusst nicht Radverleih, sondern „öffentlichen Radverkehr mit direkter Verfügbarkeit“.

Das elektronische Schlosssystem, vom Informatiker Hogl entwickelt, macht es möglich, ganz flexibel zu reagieren. Und genau daran krankten bisher alle Fahrradverleihsysteme. Wer beispielsweise mit dem Rad in die Stadt zum Einkaufen fährt, stellt das Rad ab und beendet die Ausleihe. Nach dem Bummel nimmt man sich das nächste Velo und fährt zurück. Das spart effektiv Geld. Es sei denn, man fährt innerhalb einer Stunde weiter.

Das Herzstück der Idee ist das patentierte Elektronikschloss. Es ist eine Art rollender Computer mit Speichen- und angehängtem Stahlschloss. Dadurch kann nicht nur das Rad blockiert werden, sondern das gute Stück auch an einen festen Gegenstand angeschlossen werden. Anhand einer LED lässt sich sehr schnell feststellen, ob das Rad benutzt wird (rote LED blinkt) oder frei ist (grüne LED blinkt).

Wird das Fahrrad während der Ausleihe gestohlen (dann leuchtet übrigens keine Lampe), dann haftet der Mieter mit 80 Mark. Baut man einen Unfall, dann deckt eine Haftpflichtversicherung Schäden an Dritten ab. Natürlich rechnen die Gesellschafter mit einem gewissen Schwund. Sollte jemand in einer Nacht einen Großteil des Bestands stehlen, kommt dafür aber eine Versicherung auf. Die flächendeckende Verteilung übernimmt ein mobiles Serviceteam, das nachts durch die Stadt fährt und nebenbei auch kaputte Räder aus dem Verkehr zieht.

Sobald man ausreichende Erfahrungen in München sammeln konnte, will die Call-A-Bike AG expandieren. Konkrete Pläne für Verleihsysteme existieren für Wien, Stockholm und Amsterdam, potenzielle Zielstädte in Deutschland sind Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Köln.

Die Callbikes sind Unisex-Modelle, die sich sowohl von großen als auch kleinen Menschen fahren lassen. Unser erster Eindruck bei einer Probefahrt in München war durchweg positiv. Das silberfarbene Bike (mit der in Signalorgane lackierten Hinterradschwinge) fällt im Stadtgebiet schnell auf und trifft mit der Vollfederung und dem tiefen Durchstieg den Zeitgeist. Allerdings treiben die Komfortfederung und besonders das massive Schloss das Gewicht des Bikes auf knapp 20 Kilogramm. Überraschend leicht fährt sich dann doch das Rad, nur Tragen ist sehr mühsam. Im Einsatz ist es wendig und ohne Übung sofort beherrschbar. Acht Gänge stehen zur Verfügung. Gebremst wird mit wartungsarmen Rollenbremsen aus der Shimano-Nexavegruppe. Garantiert ohne Platten kommt man ans Ziel, denn montiert sind die Schlauchlosreifen von Continental. Eines steht fest: Die Münchner werden sich wohl mit an ein neues Verkehrsmittel gewöhnen müssen. Die Bikes sind schon jetzt so beliebt, behauptet Hogl, dass man nicht ausschliessen möchte, sie auch zu verkaufen. Darüber hinaus ist der Rahmen so konzipiert, dass leicht ein Elektromotor eingebaut werden kann.



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