Unsere Webmagazine

Elektroradtest.de - Der neue Ratgeber für E-Bikes & Pedelecs
Das Reiseradio - Audioreportagen und Interviews
Holidayjournal.de - Magazin für warme und kalte Reisen
Der komplette Reiseführer für Island
Bytetest.de - Der Internet- & Computerratgeber
Anzeige

Wenn Norbert Haller eine Idee hat, holt er einen Stift heraus und zeichnet. Der Fantasie wird dabei freien Lauf gelassen, schließlich gibt es auf dem Papier keine Gesetze der Physik und schon gar keine garstigen Grenzen der Marktwirtschaft. Haller bildet zusammen mit Johannes Cremer das Design-Duo "Craftsmen". Die beiden Berliner können etwas, was offensichtlich im Zeitalter der neuen Medien vielen anderen abhanden gekommen ist: Sie können zeichnen.

Wasserstoffrad von CraftsmenDie Künstler sind deshalb seit dem Ende ihres Industrie-Design-Studiums an der Hochschule der Künste im Jahre 1997 viel beschäftigte Kreative. Bereits mit ihren Diplom-Arbeiten haben sie Aufsehen erregt. Darin verbanden die Studenten die Ästhetik der Zwanziger Jahre mit der Technik von heute und entwickelten einzigartige Elektrofahrräder. Das grüne "Sunbeam" war einer der optischen Höhepunkte auf den Fahrradmessen vor zwei Jahren. Leider ist das moderne Nostalgierad mit dem Alt-Berliner IA-Nummernschild auf dem vorderen Schutzblech bis heute nicht in Serie gegangen. Es gab Schwierigkeiten, sich mit einem Hersteller über die Konditionen und Lizenzbedingungen zu einigen.

Ihr neuester Entwurf ist ein futuristisches E-Bike mit Brennstoffzellenantrieb. Die Designer versuchten Technik und Natur zu vereinigen und die perfekte Geometrie der Biologie, entstanden durch Millionen von Jahren der Evolution, in eine Revolution des Fahrradbaus zu verwandeln. Aus Entwicklungsgeschichte wird so höchstwahrscheinlich Fahrradgeschichte. Die Struktur, der "Körper" des Fahrrades, erinnert an ein großes Insekt, die Gottesanbeterin. Ihre Gestalt setzten Haller und Cremer in einen Fahrradrahmen um, und nannten das Bike dann entsprechend "Mantis", wie die Gottesanbeterin im Englischen heißt.

Die Konstruktion hat mit einem normalen Fahrrad optisch nur noch sehr wenig gemein. Natürlich kann auch "Craftsmen" das Rad nicht neu erfinden. Die Materialien, die sie benutzen sind für jedermann erhältlich und das Velo hat zwei Räder. Der Unterschied liegt in der spielerischen Umsetzung und in dem Mut von Branchenfremden - also Menschen, die nicht aus dem Dunstkreis der Fahrradindustrie kommen - einfach Neues auszuprobieren. Die Designer möchten mit dem "Mantis" bewusst neue Impulse setzen. "Wir wollten ein neues Fahrzeug kreieren", sagt Haller, "und dazu gehört auch einfach ein neues Aussehen".

E-Bike von Craftsmen für HawkNatürlich ist das Fahrrad vollgefedert, doch das Geheimnis und der entscheidende Unterschied steckt in den zwei Tanks und im Aluminium-Rahmen. In Zukunft sollen die raketenartigen Behältnisse, die auch aus einem Science-Fiction-Film stammen könnten, Wasserstoffpatronen aufnehmen, während dann Brennstoffzellen im Rahmen platziert werden. Diese Art und den Ort des Antriebs haben sich die Geschäftsmänner gleich patentieren lassen. Es wäre das erste Mal, das ein Fahrrad mit Wasserstoff angetrieben werden würde. Noch befindet man sich allerdings im Versuchsstadium. Deshalb wird in der ersten Version des Mantis, in die Tanks die Batterie für den Elektroantrieb gesteckt. Später soll mit der Brennstoffzellentechnik auch die Reichweite mit einer "Batterieladung", oder nennen wir es besser Tankfüllung, um das Zwei- bis Dreifache steigen.

"Bei gleichem Gewicht", sagt Haller. Damit wäre dann auch das bisher größte Problem der Elektrofahrräder, die unzureichenden Reichweite mit einer Akkuladung befriedigend gelöst.

Eine Leistungselektronik soll den Schub regulieren, ein Ventilator die Brennstoffzellen kühlen. Und alles soll kinderleicht zu handhaben sein. "Jeder kann das Mantis zu Hause aufladen, wirbt Haller. Gedacht ist zudem auch an eine faltbare Variante, damit das Velo auch ins Auto passt.

Bequem sitzt man schon heute auf der langen ledernen Sattelschwinge, die schon in der Nähe des Vorbaus beginnt. Überzeugend ist das System der Anti-Dive-Gabel, das mal nicht von Craftsmen erfunden wurde, sondern von einer US-Schmiede stammt.

Die Markteinführung steht noch nicht fest, wie beim Sunbeam muss natürlich auch hier erst einmal ein Hersteller gefunden werden. Es ist allerdings zu befürchten, das die deutsche Fahrradindustrie – mit ihrer konservativen Einstellung und dem ausgeprägten Hang zu wenig Risikofreude - bei so viel Innovation erst einmal staunt und abwartet.

Cremer und Haller unterdessen sitzen natürlich nicht still. Wenn sie nicht gerade Prototypen fahren, entwickeln sie in ihrem Atelier und Büro in der Kurfürstenstraße hauptsächlich für Werbeagenturen Illustrationen und gestalten Produkte, wie beispielsweise einen Cyberhandschuh für eine Anzeige der Deutschen Bank.

Die Arbeit war ein Auftrag der Stadtwerke Hannover, die sich einen solargekühlten Fahrrad-Verkaufsstand wünschten. Die Technik des "Ice-Rider" stammt von Sepp Fiedler. Fiedler, Ingenieur und Inhaber des SolarCafé in Berlin, hat auch an der Entwicklung der Berliner Velotaxis maßgeblich mitgewirkt. Die Velotaxi-Technik stand Pate für die Neuentwicklung. Derzeit fährt der Icy-Rider über das Expo-Gelände. Das einklappbare Solardach schützt vor Sonne und Regen. Der Verkaufstresen mit der Kühltruhe lässt sich leicht zum Info-Counter umbauen. Es ist laut der Stadtwerke Hannover, der "weltweit erste Fahrradverkaufsstand, der seinen Kältebedarf von der Sonne zapft". Weitere Modelle sind bestellt.

Ähnliche Beiträge

Fahrradtest.de - Ein Projekt der Journalia Kommunikation Multimediaagentur

Fahrradtest.de ist optimiert für Firefox, Chrome, Opera & Safari. Benutzer von IE8 sollten ihren Browser updaten.

Copyright © 2016. Alle Rechte vorbehalten.