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Die wichtigste Tätigkeit eines Fahrradingenieurs ist heute das Weglassen. Die Fahrradbranche ist in manischer Diätstimmung. Runter mit dem Gewicht, rauf mit dem Komfort. Nur bei Federgabeln ging der Trend in die andere Richtung: Mehr Federweg machte die Gabel auch immer schwerer.

Sicherlich: Ein paar Gramm kann man durch neue Werkstoffe einsparen, durch bessere Verarbeitung oder durch intensives Nachdenken. Eine, wenn auch sehr gewagte Idee hatten die Experten der Firma Cannondale (Tel. 0031-541-573580). Auf der Suche nach einer besseren und zugleich leichteren Federung fürs Vorderrad stießen sie bei der herkömmlichen Technik an die Grenze des technisch Machbaren, wenn das Gewicht nicht doch wieder steigen sollte.

Zehn Zentimeter Federweg waren die Vorgabe. Und das Produkt sollte dann auch noch weniger wiegen als die bis dahin leichteste (und vergleichbare) Gabel auf dem Markt, die RockShox SID XL (1724 Gramm). Nach mächtigem Grübeln kamen die Ingenieure zu dem Schluß: Es geht nicht auf dem herkömmlichen Weg. So ließen sie einfach dreist die rechte Hälfte der Gabel weg und orientierten sich daran, mit nur einem Holm zu arbeiten. Das Produkt nannte sie "Lefty", dem englischen Spitznamen für Linkshänder.

Von einer Gabel zu sprechen fällt beim Blick aufs Vorderrad recht schwer, es ist eher ein stumpfer Spieß, mit dem man das Vorderrad aufgabeln kann. Kann man damit auch fahren?, fragt man sich, beim Anblick auf das offene Rad. Ja, man kann, und dazu noch gut. Die Lefty ist zur Zeit die verwindungssteifste Gabel. Nicht nur, daß dies auch in Tests der Zeitschrift "Mountainbike" festgestellt wurde (Ausgabe 6/99).

Mit einfachen Mitteln kann jeder die Eigenschaft der Gabel überprüfen. Fridjof Cunow, wohl Berlins best-informiertester Cannondale-Spezialist (Spitzname: "Mr. Cannondale"), macht es uns vor: Einfach eine sehr gute normale Gabel zwischen die Beine klemmen und den Lenker hin- und herbewegen und sich das Spiel der Holme anschauen. Dann zum Vergleich die "Lefty" einspannen. Das Ergebnis ist eindeutig und überrascht uns doch sehr. Selbst die hauseigenen Federsysteme von Cannondale (Headshok genannt) sind nicht so steif, obwohl die Lefty auf der dort bewährten Vierkant-Führung im Innern der Gabel beruht.

Der eine Arm macht es natürlich auch möglich, schnell und ohne Radausbau bei einen Platten den Schlauch wechseln zu können. Auch dreckt jetzt das Vorderrad nicht mehr so schnell ein. Die Gabel wird mit einer speziellen zylinderförmigen Achse ausgeliefert. Das Vorderradlager wird einfach auf die Achse geschraubt. Lediglich eine Inbusschraube hält das Laufrad an der Gabel, ähnlich wie wir es vom Auto her kennen. Selbstverständlich ist es keine gewöhnliche Nabe, die dort benutzt wird. Sie würde die auftretenden Kräfte gar nicht aushalten. Die Achse ist innen (also am Gabelholm) 25 Millimeter dick und verjüngt sich bis zum äußeren Ende auf zehn Millimeter.

So bekommt man die Gabel nur mit der eigenen, speziellen Achse. Auch die Montage von V-Bremsen ist verständlicherweise nicht mehr möglich. Verzögert wird deshalb per Scheibe. Inklusive Scheibenbremse (von Coda), Bremsgriff und der Coda-Nabe wiegt die "Lefty" 2180 Gramm. Sie ist damit trotz der gewichtsintensiveren Scheibe noch 61 Gramm leichter als die vom Federweg vergleichbare RockShox SID XL mit XTR-Bremsen und Nabe. Vorgabe erfüllt.

Sehr praktisch und typisch für die Vorderradfederung bei Cannondalerädern ist das Blockieren der Luft-Federung. So muß nur ein schwarzer Hebel auf der Brücke in der Nähe des Lenkers umgelegt werden und schon fährt man ungedämpft. Die Öl-Dämpfung läßt sich mit einer rosafarbene Schraube deutlich spürbar im Ansprechverhalten variieren.

Wir sind die Lefty Probegefahren und waren begeistert, auch wenn sich natürlich schon die Frage stellt, ob man diesen Einarmigen wirklich braucht. Das neue Produkt läßt sich in jeden Cannondale-Rahmen mit Headshok-Aufnahme einbauen, serienmäßig wird sie in verschiedenen Cannondale-Modelle der 99er-Produktion verbaut.

Ein großes Risiko geht man nicht ein, wenn sich die Lefty-Technik doch nicht durchsetzen sollte. Die Gabel läßt sich schnell gegen eine herkömmliche aus dem Cannondale-Programm austauschen. Für die Zukunft ist man so gerüstet, und was die in der Fahrradbranche bringt, ist nicht abzusehen. Die "Lefty" kostet einzeln stolze 2290 Mark, was in etwa einen Preis von einer Mark pro Gramm entspricht. So sollte man schon gut überlegen, ob man den Hingucker braucht. Eine Probefahrt ist dabei immer noch die beste Möglichkeit, denn Sinn und Nutzen selber zu testen. Exklusiv ist dies bis Mitte August in Berlin nur bei Fahrrad Berger in Rudow möglich (Tel. 663 50 93). Danach bieten die "Lefty" auch die anderen Händler an. Eine Händlerliste findet man im Internet unter www.cannondale.com. Weitere Informationen zur "Lefty" stehen auch auf der Headshok-Homepage (www.headshok.com).

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