Unsere Webmagazine

Elektroradtest.de - Der neue Ratgeber für E-Bikes & Pedelecs
Das Reiseradio - Audioreportagen und Interviews
Holidayjournal.de - Magazin für warme und kalte Reisen
Der komplette Reiseführer für Island
Bytetest.de - Der Internet- & Computerratgeber
Anzeige

Am Anfang stand der Wunsch nach einem Edelstahlrahmen. Handgearbeitet, auf den Leib geschmiedet, extrem stabil, für extreme Radtouren mit viel Gepäck ausgelegt. Die Ansprüche waren hoch: Der Rahmen sollte eigentlich für die Ewigkeit gebaut sein, aber auf alle Fälle schön anzusehen sein, gemufft und faltbar sein und Rohloffs Speedhub aufnehmen können.

Hilfe in 240 km - Island per Rad Foto: Ulf HoffmannZur damaligen Zeit, es war das Jahr 2002, sahen sich nur zwei Rahmenbauer in der Lage (oder konnten die notwendige Erfahrung nachweisen), dass sie wussten, wie man die S&S-Kupplung in einen Edelstahlrahmen einpasst. Einer davon war Uwe Marschall. Gewünscht war ein Edelstahl-Rahmen (oder genauer gesagt Edelstahl rostfrei) für raue Touren in Australien, Island oder Kanada. Gefordert war ein Rahmen, der auch viel Gepäck tragen kann und auch einen Anhänger gut nach sich zieht.

Nach vier Rahmenbrüchen ist mein Vertrauen in die hohen Kunst der Rahmenbauer erstmal vorüber. Jedenfalls in die Arbeit von Marschall Framework. Dann doch lieber solide Ware von der Stange. Zumal der letzte Reparateur, der Schweißer und frühere Rahmenbauer Helmut Lünemann aus Berlin, bei näherer Untersuchung des Rahmens eben zu dem Fazit kam: Schöner Rahmen, aber für Ihre Touren viel zu schwach ausgelegt. Von ihm stammt auch das Eingangszitat. Er hat früher komplette Rahmen gebaut, aber auch Hochdruckkessel für die BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. Ich glaube, der Mann weiß, wovon er spricht.

Rahmenflickerei mit Zelthäring Foto: Ulf HoffmannDas vorläufige Ende der Rahmenkarriere war ein deutlicher Anriss am Hinterbau im vergangenen Sommer. Wie sich bei näherer Inspektion durch Lünemann rausstellte, gab es zudem zwei Risse auf der Unterseite des Rahmens in der Nähe des Tretlagers, dort wo sich der Rahmen weitet, um Platz für dicke Reifen zu machen. Diese Risse waren mir gar nicht aufgefallen.

Nun kommt so ein Riss nicht von ungefähr. Dem gehen entweder Belastungen oder Vorschäden voraus. Die Stelle des Haarrisses war drei Jahre zuvor in einer Notoperation geschweißt worden. Denn auf einer Tour ist die Muffe auf der linken Seite des Hinterbaus aufgebrochen. Eine Motorradwerkstatt reparierte und verunstaltete leider auch gleich den Rahmen mit. Wie Lünemann feststellte, wurde auch das falsche Lot gewählt und eine viel zu hohe Temperatur eingestellt. Rahmendreiecke an Rahmenbruchstelle Foto: Ulf HoffmannDie von mir auf beiden Seiten gewünschten Edelstahldreiecke als zusätzliche Stabilisierung haben wohl das Gegenteil bewirkt. Da der Praktikant (ein Profi müsste sich für solch eine Arbeit schämen - oder wie es Lünemann ausdrückte: "Der hätte Ihnen für diese Arbeit auch noch was zahlen müssen") tief ins Material eingegriffen und dadurch die Rohre auch geschwächt. Der Anriss war dann die logische Konsequenz, dass sich die Kräfte ihre eigenen Entlastungswege suchten.

Riss an der Unterseite - bereits repariert - Foto: Ulf HoffmannDie beiden Anrisse auf der Unterseite des Hinterbaus sind dagegen zuvor nicht behandelt worden. Das erste Mal war der Rahmen übrigens 2004 gebrochen. Ein Jahr nach dem Kauf. Nicht durchgebrochen, sondern an der einen S&S-Kupplung ist die Schweißnaht aufgeplatzt. Das eine Rohr konnte man also hin und her schieben. Nun sind solche "Unfälle" mitten in der Wüste von Island, mitten im September, keine Kleinigkeit, sondern können ganz schnell lebensbedrohlich werden. Entsprechend sauer waren wir. Zumal der Rahmen ja auch soviel gekostet wie drei Bundesbürger durchschnittlich für ihre Kompletträder ausgeben.

Island per Rad Foto: Ulf HoffmannDie 60 Kilometer Schieben durch weichen Wüstensand mit einem gebrochenen Rahmen werde ich mein Leben nicht vergessen. Es war ein gutes Beispiel dafür, was man leisten kann, wenn man muss, weil nur noch zwei mal die Woche in 60 km Entfernung am nächsten Tag ein Bus fährt. 60 km Schieben an einem Tag ist eigentlich ein Horror. Aber wo ein Wille, da ist bekanntlich auch ein Weg. Und wenn Du glaubst, Du kannst nicht mehr, dann sind das höchstens 75 Prozent von deinen Leistungsreserven. Da geht noch was, glaub´s mir....

Notschweißung in Island Foto: Ulf HoffmannIn der nächsten isländischen Stadt wurde dann der Rahmen in einer LKW-Werkstatt geschweißt. Nicht schön, aber effektiv. Die Kupplung und der Rahmen waren am Unterrohr nicht mehr zu retten und mussten später komplett von Uwe Marshall ausgetauscht werden. Leider brach drei Tage nach der geschweißten Kupplung der Rahmen an der Kupplung am Oberrohr. Damit waren wir bei Rahmenbruch zwei. Klar, die Belastung war einfach zu stark gewesen, und wenn das Lot sowieso nicht weit genug rein geflossen ist, kann es auch schnell brechen.

Lünemanns Arbeit - fast wie neu Foto: Ulf HoffmannDie Kupplungen wurden neu eingesetzt und verlötet. Bis zum Jahr 2006. Dann waren wir bei Rahmenbruch drei. Jener am Hinterbau. Rahmenbruch vier dann 2013. Achso, eigentlich gibt es ja noch Rahmenbruch fünf, nämlich die Risse an der Unterseite der Kettenstrebe. Aber bei so vielen Brüchen und Rissen kann man auch schon mal den Überblick verlieren.  

Fahrradtest.de - Ein Projekt der Journalia Kommunikation Multimediaagentur

Fahrradtest.de ist optimiert für Firefox, Chrome, Opera & Safari. Benutzer von IE8 sollten ihren Browser updaten.

Copyright © 2016. Alle Rechte vorbehalten.