Unsere Webmagazine

Elektroradtest.de - Der neue Ratgeber für E-Bikes & Pedelecs
Das Reiseradio - Audioreportagen und Interviews
Holidayjournal.de - Magazin für warme und kalte Reisen
Der komplette Reiseführer für Island
Bytetest.de - Der Internet- & Computerratgeber
Anzeige

Aber der Reihe nach. Autor der Studie ist Gernot Sieg von der Uni Münster. Sieg ist dort Direktor des Instituts für Verkehrswissenschaften an der Uni Münster und in seiner im Fachblatt "Transportation" veröffentlichten Studie geht es nicht um den Sinn oder Unsinn des Helms, sondern um den volkswirtschaftlichen Nutzen und Schaden durch eine Helmpflicht. Im Klartext: Kostet die Einführung einer Helmpflicht mehr als sie beispielsweise durch weniger Verletzte und Tote bringt. Wer sich die mathematischen Formeln in Siegs Studie anschaut, dem schwirrt der Kopf wie nach einem unfreiwilligen helmlosen Kontakt mit dem Asphalt.

Und natürlich dauert es nicht lange bis es Reaktionen gab, denn Holger Dambeck von Spiegel Online hatte die Studie recht neutral vorgestellt. Das passte nicht jedem. So zeigte sich der Vorstandsvorsitzender der ZNS - Hannelore Kohl Stiftung, Joachim Breuer, "entsetzt" über die Botschaft des Artikels (wobei nicht ganz klar ist ob er den wissenschaftlichen oder den Spiegel-Online-Artikel meint): "Studien namhafter Unfallforscher haben gezeigt, dass das Tragen eines Fahrradhelms das Risiko einer schweren Kopfverletzung um mindestens 50 Prozent verringern kann", so Breuer. "Kennt man die dramatischen Auswirkungen, die Schädelhirnverletzungen für jeden einzelnen Betroffenen seine Familie mit sich bringen, ist ihre Vermeidung oder die Reduzierung des Schweregrades der Verletzung jeden Aufwand wert.

Laut der Stiftung erleiden 23.400 Radfahrer jährlich eine Gehirnverletzung. Woher diese Zahl stammt ist nicht ganz klar, denn ein Blick in die Statistik des Statistischen Bundesamt weist für den Zeitraum Januar bis November 2013 insgesamt 67440 Straßenverkehrsunfälle mit Personenschäden und Fahrrädern aus (von insgesamt übrigens 268.234 Straßenverkehrsunfällen mit Personenschäden). Das würde bedeuten,  dass fast jeder zweite verunglückte Radfahrer eine Gehirnverletzung erleidet oder erlitten hat. Die Hannelore-Kohl-Stiftung ist übrigens auch gegen eine Helmpflicht, wie auch Prof. Gernot Sieg.  

In dieser Aufruhr ging fast der ZDF-Helm-Test unter, der immerhin zu einem Rückruf führte. Die Redaktion WISO hatte beim TÜV Süd insgesamt 14 verschiedene Modelle testen lassen. Die Preisspanne reichte von 9,99 € bis 90 €. Von jedem Modell wurde vier Exemplare gekauft und bei Zweifel auch getestet. Der Test erfolgte "in Anlehnung an" die Norm EN 1078. Getestet wurden die Kinnriemenprüfung, der Abstreif oder Roll-off-Test und die Dämpfung. Beim Roll-Off-Test (wie der Test funktioniert kann man in einem Video vom TÜV Süd sehen) gab es zwei Ausfälle: Limar 985 und Uvex City 9. Beim Limar riss der Gurtanker aus dem Helm heraus, beim City 9 ist der Gurtanker durchgebrochen. Während Limar einen Rückruf einleitete, schriebe Uvex an WISO, dass der Helm bei hausinternen Untersuchungen den Test bestanden habe. Das mit "in Anlehnung an" ist auch immer wieder ein Kritikpunkt gegenüber den Tests der Stiftung Warentest. So wird auch beim TÜV Süd nicht ganz klar, welche Testwerte als Grundlage genommen wurden. Deshalb ist es für Hersteller dann auch immer leicht sich rauszureden und zu sagen: war ja nicht nach Norm geprüft.

Der Test zeigte auch, dass teuer nicht gut ist, denn mit dem "Streetcoach" hat sich auch ein 10 Euro-Helm vom Discounter gut geschlagen. Beim WISO-Test wurde übrigens nicht die Belüftung, Hitzebständigkeit und Tragekomfort bewertet. Dies hatte die Stiftung Warentest 2012 in ihrem großen Helm-Test gemacht. Damals wurde übrigens ein Limar-Helm Testsieger. Aber auch bei diesem Test zeigte sich, dass man auch mit einem 20-Euro-Helm gut und sicher fahren kann. Man muss ihn nur finden. 

Wer einen Helm sucht, sollte aufpassen, ob sich um einen Kopfschutz oder einen Helm handelt. Es gibt immer mehr schicke Angebote, die nicht aussehen wie ein Helm. Oft sind dies aber keine Helme, dürfen deshalb auch nicht so genannt werden. Denn sie wurden nicht nach der Norm getestet. Sie stellen Kopfbedeckungen dar. Diese sind natürlich besser als kein Schutz, aber jeder muss sich im Klaren sein, dass damit nicht der optimale Schutz gewährleistet ist. Und auf die Prüfzeichen im Helm achten (z.B. Ansi). Dort muss sich auch ein Aufkleber befinden, der das Produktionsdatum ausweist. Da Helme nach etwa fünf Jahren (auch ohne Unfall oder Aufprall) ausgetauscht werden sollten, sollte man nicht zu alte Helme kaufen.

Hövding HelmEin Helm ist auch der Hövding nicht. Aber wie der Fahrradairbag funktioniert haben wir schon vor Jahren hier beschrieben. Stefan Raab konnte es nun auch ausprobieren, denn Gunnar Fehlau, der mit seiner industrienahen Firma "Pressedienst-Fahrrad" das schwedische Unternehmen Hövding PR-Seitig betreut, war zu Gast und zeigte in beeindruckender Weise, was der Hövding kann. Selbst Headbanging von Stefan Raab, auf den Boden werfen führte zu keiner Auflösung. Erst als er es wagte sich mit dem Fahrrad auf eine Matte zu werfen, ging der Luftpolster auf. 

Achso, auch Hövding hatte sich mit einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet und von "erheblichen Schwächen bei herkömmlichen Fahrradhelmen" geschrieben. Verwiesen wird auf einen Test der schwedischen Versicherungsgesellschaft Folksam. "Im Rahmen der dabei durchgeführten Schlagprüfung erreichten sämtliche herkömmliche Helme einen Wert von etwa 250g. Der Airbag-Helm Hövding dagegen lag bei nur 65 g." (Anmerkung der Redaktion: g ist die Einheit für die Erd- oder Fallbeschleunigung. 1g sind 9,81 m/s²).  

Leider ist der Hövding sehr teuer (300 €) und auch nur einmal zu benutzen. Und während dann nichts auf dem Kopf stört, ist die Halskrause auch nicht jedermann Sache. Denn Raab verwies auf den Schwitzeffekt im Sommer. Würde der Hövding 100 € kosten, würden vielleicht mehr überlegen, sich den Airbag zuzulegen.

 

Fahrradtest.de - Ein Projekt der Journalia Kommunikation Multimediaagentur

Fahrradtest.de ist optimiert für Firefox, Chrome, Opera & Safari. Benutzer von IE8 sollten ihren Browser updaten.

Copyright © 2016. Alle Rechte vorbehalten.