Unsere Webmagazine

Elektroradtest.de - Der neue Ratgeber für E-Bikes & Pedelecs
Das Reiseradio - Audioreportagen und Interviews
Holidayjournal.de - Magazin für warme und kalte Reisen
Der komplette Reiseführer für Island
Bytetest.de - Der Internet- & Computerratgeber
Anzeige

Kaufberatung: Die Tricks der Fahrradbranche

Anzeige Penny Fahrradhelm Shot und Montage: Stiftung WarentestWoran erkennt man ein gutes Fahrrad? Am Preis vielleicht? Sind deshalb aber alle Billigräder gleich Schrott und gar gefährlich? Und wie weit kann ich Qualitäts- und Testsiegel vertrauen, wie sie die Stiftung Warentest oder Ökotest oder auch Prüfinstitute mit dem GS-Zeichen vergeben? Das Problem: Die Hersteller und Händler werben gerne mit Testsiegel und Markennamen.

So steht in fast jeder Anzeige "Shimano-Schaltung" oder "Shimano-Ausstattung". Doch oft wird nur das Schaltwerk von Shimano bezogen, der Rest mit Billigteilen aufgefüllt. Die Folge: Die Komponenten passen nicht zusammen. Und dem Kunden wird vorgegaukelt, er hätte ein gutes Rad für einen Schnäppchenpreis ergattert. Kaufentscheidend ist zudem oft ein Prüfsiegel, doch auch dort kann geschummelt werden.

Leider gibt es für Fahrräder keinen TÜV oder eine Betriebserlaubnisprüfung. Die EU konnte sich ja noch nicht mal einigen, dass Räder nicht mehr nur vormontiert verkauft werden dürfen. Zwar gibt es Vorschriften, beispielsweise die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO), doch diese Vorgaben gelten nur für die Beleuchtungs- und Bremsanlagen. Und ein Blick in ein Fahrradgeschäft zeigt, wie massiv dagegen verstoßen wird, wenn Mountainbikes ohne Lichtanlage verkauft werden. Von den Fixies ohne Bremsen mal völlig abgesehen. Woran erkenne ich aber ein gutes Fahrrad?

Das Testsiegel

Früher gab es eine DIN-Norm. Die wurde von der EU-weiten europäischen Norm EN abgelöst (genau: DIN EN 14764). Während früher gerne mit dem DIN-Zeichen geworben wurde, ist das EN-Zeichen wohl zu unbekannt, als dass sich damit Umsatz machen lässt. Da die DIN nie wirklich etwas über die Qualtität ausgesagt hat, kam man auf die Idee eine verschärfte Norm namens DINplus einzuführen. Diese gilt auch heute noch.

Nach der DINplus wurde beispielsweise getestet, wenn Sie ein GS-Zeichen auf dem Fahrrad (oder in der Werbung) sehen ist. Steht da allerdings "LGA tested" hat das wenig Aussagekraft. In diesem Fall wurde lediglich nach einer ausgewählten Produkteigenschaft getestet. Der Test nach LGA-tested Quality ist umfangreicher, umfasst beispielsweise Gebrauchsanweisung, Gebrauchseigenschaften und Sicherheit.

Shot Anzeige mit GS-ZeichenDas GS-Zeichen gibt in der Tat einen Anhaltspunkt. Dies zeigte sich auch jüngst bei einem Test der Marktredaktion des WDR. Sie brachten zwei Billigräder (von Real und Praktiker) zum Test auf den Prüfstand von Velotech. Die Testapparatur von Velotech ist in der Branche befürchtet. Doch überraschend hielten beide Räder die Malträtur durch. Eines der Räder trug auch ein GS-Zeichen. Die GS-Prüfung kostet natürlich Geld, nur wenige Hersteller lassen all ihre Modelle zuvor testen. Die Firma Utopia macht dies beispielsweise, wie der Geschäftsführer Ralf Klagges sagte.

 

Falsche Testurteile

Immer wieder kommt es vor, dass Produkte mit Testurteilen beworben werden, die gar nicht getestet wurden, sei es, weil es sich um Nachfolgemodelle handelt oder sie überhaupt noch nie getestet wurden. Die Stiftung Warentest weist aktuell auf einen Helm hin, der bei Penny angeboten wurde.

Test schreibt dazu: "Penny setzte unser ´Gut´ neben einen Fahrradhelm, der gar nicht das getestete Modell war, sondern dessen Nachfolger. Der Discounter übertrug das Qualitätsurteil auf das neue Produkt, weil es nun ein Insektennetz hatte und daher vermeintlich besser war. Das Netz jedoch veränderte Tragekomfort und Belüftungseigenschaften – und wohl auch das Testergebnis."

Bei Lidl gab es vergangenes Jahr ein Bügelschloss, welches mit Testurteil "Gut" beworben wurde. Gut, weil es angeblich baugleich mit dem zwei Jahre zuvor getesteten „Sekura KB 302“ war. Eine Nachprüfung zeigte aber (Fahrradtest.de berichtete), dass dies nicht zutraf. Eine Fahrradtest.de-Leserin wies daraufhin, dass die Schlösser offensichtlich weiterhin bei Ebay verkauft werden.

Die Testurteile

Es wird in der Branche ganz offen diskutiert, dass man sich auf die meisten Testurteile in Fachzeitschriften nicht verlassen kann. Erst jüngst gab es eine umfangreiche Diskussion in der Fachzeitschrift SAZbike zu diesem Thema. Interessant, wie abgebrüht sowohl Händler als auch Hersteller mit diesem Thema umgehen und im Grunde sowieso keinem Testurteil mehr glauben und lieber den Kunden im Laden überzeugen möchten. Auslöser jener Diskussion war übrigens der Verdacht, Fahrradfachzeitschriften würden Räder der Onlineshops besser abschneiden lassen (weil es sich auch um gute Werbekunden handle). 

warentest_DynamoscheinwerferEine Empfehlung einer Redaktion ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Egal, ob das Rad mit "überragend", "hervorragend" oder "ausgezeichnet" bewertet wurde. Allerdings werben Hersteller gerne mit den Testurteilen. Unabhängig testen nur wenige, allen voran die Stiftung Warentest, aber auch der ADAC (der ADFC lässt sich dieses Thema fast völlig links liegen), zudem Ökotest und im zunehmenden Maße auch die Verbrauchermagazine der öffentlich-rechtlichen Sender.

Doch Vorsicht: Auch hier wird dann gerne mit dem Siegel geworben. Beispielsweise bei einer Regenjacke, die in der Sendung "Markt" vom WDR getestet wurde (eine von drei Jacken) und der Hersteller (eine große Sportkette) gleich vom "Testsieger" sprach. Mit dem Siegel der Stiftung Warentest wirbt natürlich jeder gerne, so lange das Ergebnis natürlich im Sinne des Herstellers ausgefallen ist. (zudem ist das Siegel kostenlos, andere lassen sich dagegen das Abdrucken des Siegels bezahlen).

Shot Cyco Aldi_sued_LGA_Tested_textAuch hier wird getrickst. Immer wieder kommt es vor, dass das Siegel in der Werbung steht, das Produkt aber ein anderes ist. Oder, dass bei der Bewerbung kompletter Fahrräder gerne die Testurteile einzelner Komponenten wie Nabendynamo oder Scheinwerfer abgedruckt werden. Zur Information des Verbrauchers versteht sich und nicht, weil eventuell jemand darauf hofft, dass der Leser nur das Siegel sieht und denkt: Ist ja von der Stiftung Warentest getestet worden.

Die Streichpreise

Ein Händler sagte mir: "Der Kunde möchte beschissen werden". Die Schnäppchenmentalität zieht immer, deshalb werden oft Mondpreise in die Anzeigen geschrieben  (oder auch im Geschäft an die Fahrräder geheftet). Da ist dann die Rede von einem ehemaligen Verkaufspreise (EVP), dabei ist es kein Geheimnis, dass diese Preise nie gefordert wurden. Mitarbeiter bekommen auch schon mal die Ansage: "Denk dir halt einen Preis aus". Auch gerne geworben wird mit der unverbindlichen Preisempfehlung (UVP). Auch die sagt gar nichts über den wirklichen, den Markpreis aus. Die Preisempfehlung ist lediglich ein Vorschlag seitens des Herstellers oder Zwischenhändlers an den Handel, was er für den Artikel verlangen kann.

Es gibt Fahrradhersteller die achten genauer darauf, dass ihre Räder nicht zur Ramschware werden. Andere beklagen sich über den Preisverfall insbesondere im Internet und durch große Fahrradketten, die viel Geld in die Werbung stecken. 

Der Gutscheintrick

tchibo_pegasus_zeg_gutscheinDieser Tage kann man sich auf der Webseite von Tchibo einen Gutschein für ein E-Bike herunterladen. Geworben wird für ein Rad der Marke Pegasus der Einkaufsgenossenschaft ZEG. Mittels Gutschein soll es einen Preisvorteil von 300 Euro geben. Allerdings gibt es kleines Sternchen: "gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung der ZEG". Doch mit dem Gutschein gab es Ärger: denn vielerorts war das Rad bereits auf 1499 Euro heruntergesetzt. Die Fachzeitschrift SAZbike hatte darauf hingewiesen, worauf laut der Zeitschift die beteiligen Händler eine Mail von der ZEG-Zentrale bekamen, mit der Aufforderung, die Räder wieder auf 1799 Euro auszupreisen.

Der Komponententrick

Shimano macht sich in der Werbung immer gut. Da ist dann also schnell von einer Shimanoausstattung zu lesen. Auf dem Schaltwerk prangt dann groß der Schriftzug Shimano. Leider stellen auch die Japaner Billigprodukte her, aber schlimmer ist der Trick, ein Schaltwerk von Shimano zu montieren und den Rest mit Billigfernostware aufzufüllen.

Im leichtesten Fall passen dann einfach die Komponenten nicht zusammen, also die Kette rutscht über das Ritzelpaket, der Schalter schaltet nicht alle Gänge, die Bremsen haben einen schlechten Bremsweg usw. Im schlimmsten Fall werden Komponenten gemixt, die sich nicht mögen, beispielsweise Stahlvorbau und Alulenker.

 

Der Made-in-Germany-Trick

Immer noch verkauft sich "Made-in-Germany" sehr gut. Kein Wunder, dass viele Fahrradhersteller gerne mit dem Hinweis werben. Und es ist relativ einfach zu schummeln, denn "Made-in-Germany" ist durch keine EU-Richtlinie geschützt. Geregelt wird die Angabe durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Nach §3 UWG kann man sich eine Unterlassung einfangen, wenn man mit der Usprungsbezeichnung den Verbraucher in die Irre führt. Nur wenn´s (fast) alle machen, hackt natürlich keine Krähe der anderen ein Auge aus.

Doch wann liegt eine Irreführung vor? Wenn der Rahmen aus China oder Vietnam stammt, die Laufräder aus China, die Bremsen und das Schaltwerk aus Japan, die Reifen aus Thailand und die Lenker aus Malaysia kommen? Was ist daran noch Made-in-Germany?  - Die Wertschöpfung! Denn alle Teile werden in Deutschland zusammengeschraubt. Ehrlicherweise müsste so ein Rad "Assembled in Germany" heißen. Verkauft sich natürlich nicht so gut.

Das deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fordert beispielsweise, dass "ein hinreichend hoher Anteil der Wertschöpfung- plausibel wäre mindestens die Hälfte - in Deutschland verbleibt. " Durch die hohen Lohnkosten in Deutschland gelingt es trotzdem die Wertschöpfung, also im Grunde durch das Zusammenschrauben von Einzelteilen aus Fernost, das Made-in-Germany-Label aufs Rad zu pappen.

Nach Brancheninformationen stellen nur noch ein paar wenige Fahrradhersteller ihre Rahmen auch in Deutschland her. Im Grunde könnte man fordern: Made-in-Germany nur, wenn wenigstens neben der Entwicklung auch der Rahmen aus Deutschland kommt.

Die Verbraucherreaktion

Wo kann man sich hinwenden, wenn man sich getäuscht fühlt? Am besten an den Verbraucherzentrale Bundesverband. Prospekt aufbewahren oder Screenshot anfertigen und schicken an:

Verbraucherzentrale Bundesverband, Kollektiver Rechtsschutz, Markgrafenstraße 66, 10969 Berlin, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Hier kann man sich einen Artikel der Stiftung Warentest zu diesem Thema herunterladen.

 

Fahrradtest.de - Ein Projekt der Journalia Kommunikation Multimediaagentur

Fahrradtest.de ist optimiert für Firefox, Chrome, Opera & Safari. Benutzer von IE8 sollten ihren Browser updaten.

Copyright © 2016. Alle Rechte vorbehalten.