Eurobike 2001: Von der Kettenautomatik bis zum Zahnriemen

Grundlegend neue Fahrradkonzepte fand man auf der diesjährigen Fahrradmesse Eurobike nicht. Die meisten der in Friedrichshafen am vergangenen Wochenende ausgestellten Fahrräder hatten immer noch zwei Räder und selbst bei der Anzahl der Gänge scheint mittlerweile das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein.

Wichtige Neuerungen gab es dagegen bei Detaillösungen. Mehr Komfort - weniger Wartung, so könnte der Leitsatz einer an sich kränkelnden Branche heißen, in der in diesem Jahr mehrere Hersteller Konkurs anmelden mussten. Die Stimmung ist schlecht - nicht zuletzt auf Grund der gesunkenen Zahl verkaufter Fahrräder. Einen Aufschwung erhofft man sich unter anderem durch den Einsatz von Elektronik bei der Steuerung von Gangschaltung und Federung. Shimano präsentierte die erste serienreife automatische Kettenschaltung. Neu ist dabei nicht die Automatik am Rad, jedoch die Möglichkeit, auf diese Weise auch eine Kettenschaltung zu steuern. Bei der Nabenschaltung gibt es diesen Komfort schon länger. Der Bordcomputer errechnet dabei nicht nur den passenden Gang, sondern auch die ideale Federung. Ende des Jahres sollen die ersten Modelle zum Händler gelangen.

Nur als Prototyp war ein Fahrrad zu bestaunen, welches durch einen aus der Automobilbranche bekannten Zahnriemen angetrieben wird. Bisher setzen nur wenige Hersteller auf diese wartungs- und verschleißarme Antriebsart. Das wirklich Neue, ja fast revolutionäre, ist die Gangschaltung. Sie besteht aus einer Reihe radial angeordneter Rädchen auf einer Scheibe. Wie bei einer Kettenschaltung verändert sich zum Berggang hin der Radius. Entwickelt wurde diese neue Gangschaltung vom Raumfahrtingenieur Eckart Hettlage aus Karlsruhe. Bis zu 33 Gänge sollen möglich sein. Der Übersetzungsbereich soll dann bei 620 Prozent liegen. Hettlage will die Gangschaltung selber bauen, sucht allerdings noch Rahmenhersteller, denn für die noch namenslose Schaltung ist ein Spezialrahmen nötig.

Am Anfang steht auch Bernd Henelhaupt aus Suhl. Henelhaupt hat ein Schloss fürs Tretlager entwickelt, welches leicht nachrüstbar sein soll. Die von der Dreherei Fritz Weih gebaute Diebstahlsicherung ist so eine Art Wegtretsperre. In Kombination mit einem Stahlbügel, der ins Tretlager gesteckt wird, kann man dann das Rad auch an feste Gegenstände anschließen. Preis und Markteinführung stehen noch nicht fest.

Da ist Markus Schulz aus Saarbrücken schon weiter. Die Firma Byschulz präsentierte einen höhenverstellbaren Lenkervorbau für die so genannten A-Head-Systeme. Diese aus dem Mountainbikebereich kommende Vorbautechnik zeichnet sich dadurch aus, dass sie zwar leicht ist, aber eine Höhenverstellung des Lenkers sehr umständlich ist. Der "Speedlifter" hingegen ermöglicht eine variable Lenkerhöhe im Bereich von zehn Zentimetern. Verstellt wird per Schnellspanner. Für den Einbau des 200 Mark teuren Zubehörteils sind allerdings einige Umbaumaßnahmen notwendig. Die Fahrradfirmen Epple und Hartje haben den Speedlifter bereits in ihr Programm aufgenommen.

Das gefederte Fahrrad ist ja mittlerweile fast zum Standard geworden. Trotzdem geht die Entwicklung weiter, und so gibt es immer wieder neue Federkonzepte, die besser sein sollen oder einfach nur optisch ansprechende Rahmengeometrien ermöglichen. Gleich zwei Hersteller setzen darauf, den Dämpfer fürs Hinterrad unterhalb des Rahmens zu positionieren. Bei der neuen Fahrradmarke "Orbit" der Firma Our Planet nennt sich die neue Federung "J-Link". Als Vorteile werden genannt, dass die neue Anordnung ein Verdrehen des Hinterbaus verhindert und trotz der Federung - durch die gute alte Diamant-Rahmenform - der Rahmen so steif wie bei einem ungefederten Rad sein soll. Besonders bergauf soll man den Unterschied spüren. Bei "Checker Pig" hat die neue Anordnung der Federung dagegen andere Gründe. Hier wollte man bei einem Cityrad einen möglichst tiefen Durchstieg realisieren.

Noch ganz am Anfang steht die Entwicklung von Fahrrädern mit Global Positioning System (GPS). Das ist vor allem für Touren- und Reiseradler interessant, allerdings ist das satellitengestützte Navigationssystem noch sehr teuer. Die deutsche Firma Mondello zeigte ein Edel-Reiserad für 11 000 Mark mit integriertem GPS-Gerät. Natürlich sind die Empfänger auch gleichzeitig Tacho, Kilometerzähler und Höhenmesser. Tourempfehlungen können im Internet heruntergeladen und ausgetauscht werden. Das Gerät lässt sich auch nachrüsten, kostet einzeln etwa 1200 Mark.

Wer gar nicht mehr rausfahren möchte, dem bietet die holländische Firma Tacs eine Alternative. Mit Hilfe eines speziellen Gestells wird aus dem Straßenrennrad ein Heimtrainer. Fahrrad und Trainer werden mit einem Computer verbunden und die Radtour durch eine virtuelle Welt kann beginnen. Man kann an Radrennen teilnehmen, gegen Gegner kämpfen, vom Weg abkommen oder sich schwitzend den Berg hoch kämpfen. Die Rückkopplung wirkt ziemlich echt, denn man muss richtig treten und lenken und wenn's auf dem Bildschirm bergauf geht, erhöht sich entsprechend der Widerstand in der Laufrolle. Der Ritt durch die immer blühende Landschaft kostet knapp 800 Euro.