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RKI-Expertin: Fahrradhelme vermeiden viele Kopfverletzungen

Ungeliebte Fahrradhelme vermeiden viele Kopfverletzungen. Nur jeder 2. Deutsche unter 18 Jahren trägt beim Radfahren einen Helm. Dabei ließen sich gerade bei Kindern und Jugendlichen viele schwere Kopfverletzungen bei Unfällen vermeiden, wie die Berechnungen einer Expertin des Robert Koch-Instituts (RKI) in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ zeigen.

Laut Polizei verunglückten 2008 insgesamt 11 470 Kinder unter 15 Jahren als Radfahrer. Nach den Zahlen der Unfallversicherungen waren es sogar 17 016. Johanna Gutsche und ihre Kollegen vom Robert Koch-Institut in Berlin vermuten, dass die tatsächliche Zahl noch höher ist, da nicht alle Unfälle gemeldet werden.   

Die Statistiken zeigen: Nach Arm und Bein ist der Kopf das am häufigsten beschädigte Körperteil. Viele Verletzungen wären durch Fahrradhelme vermeidbar. Die Schutzwirkung stehe außer Zweifel, schreibt die Forscherin: Nach wissenschaftlichen Studien sinke das Risiko einer Kopfverletzung um 69 Prozent, wenn Radfahrer einen Helm tragen. 

In Deutschland halten sich aber viele Kinder und Jugendliche nicht an die Empfehlungen. Dies hatte zuletzt der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) des Robert Koch-Instituts ergeben. Dort waren die Mütter von 3- bis 17-Jährigen gefragt worden, ob ihr Kind regelmäßig beim Radfahren einen Helm trägt. Im Alter von 3–6 Jahren war dies bei 90 Prozent der Fall, so Gutsche. Der Anteil nehme mit zunehmendem Alter jedoch stark ab, und von den Teenagern (14–17 Jahre) schützen sich nur noch 11 Prozent.

Das Team um die RKI-Wissenschaftlerin hat die Ergebnisse des KiGGS mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Schutzwirkung in Beziehung gesetzt und den sogenannten PAR-Wert berechnet. PAR steht für „population attributable risk“ zu deutsch: bevölkerungsbezogenes zuschreibbares Risiko. Gemeint ist der rechnerische Anteil aller Kopfverletzungen nach Radunfällen, der durch das Tragen von Helmen verhindert werden könnte. Da ältere Kinder und Jugendliche meist ohne Helm radeln, ist der PAR bei ihnen besonders hoch: In der Altersgruppe der 11- bis 13-Jährigen beträgt er nach den Berechnungen von Gutsche 57 Prozent, bei den 14- bis 17-Jährigen sogar 66 Prozent.   

Eine Helmpflicht hält die Autorin in Deutschland jedoch nicht für konsensfähig. Selbst der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) ist dagegen. Er befürchtet einen Rückgang der Fahrradnutzung. Nicht bestritten wird allerdings, dass Helme schützen. Wenn es gelänge drei Viertel der jugendlichen Radler zu motivieren, würde nach den Berechnungen von Johanna Gutsche der Anteil der vermeidbaren Kopfverletzungen bei Jugendlichen deutlich auf 35 Prozent zurückgehen.     

J. Gutsche et al.: 
Helmtragequoten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland und vermeidbare Kopfverletzungen bei Fahrradunfällen. 
Das Gesundheitswesen 2011; 73 (8/9): S.491-498

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