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Pedelecs-Probleme: Dreht jetzt der Medienwind?

Wenn an einem Abend gleich zwei Mal unabhängig voneinander im Fernsehen negativ über Elektrofahrräder berichtet wird, kann dies natürlich Zufall sein. Doch da die in den Beiträgen von NDR und WDR geäußerte Kritik durchaus berechtigt und nachvollziehbar ist, stellt sich die Frage: Dreht jetzt der Wind und sind nun die kritiklosen Jubelartikel über die "neue" Gattung von Fahrrädern vorbei? 

Zwar hatte auch der ADAC und die Stiftung Warentest vergangenes Jahr auf die Schwachstellen der Elektrofahrräder hingewiesen. Bei den Berichten in den Verbrauchermagazinen "Markt" von NDR sowie "markt" des WDR ging es vor allem um Sicherheitsaspekte. "Ein boomendes Geschäft mit Schattenseiten", berichtet der NDR und zitierte unter anderem Ernst Brust von Velotech.de. Brust weist schon länger daraufhin, dass viele (Elektro)Räder enorme Schwachstellen zeigen. Laut Brust wurden bei ihm 400 Elektroräder getestet, von denen die Hälfte nicht die erforderlichen Bremswerte erreicht habe. 

Auch das Laden der Akkus ist immer noch nicht richtig gelöst. Seien es Steckersysteme, die es ermöglichen, dass man am falschen Ladegerät den Akku anschließen kann. Oder gar wie vor einigen Jahren durch Kaltgerätestecker, mit denen man gleich ganz das Ladegerät umgehen konnte. Was natürlich Kunden prompt machten und den Akku direkt mit dem 230 Volt-Netz laden wollten. Seitdem setzen viele Hersteller auf XLR-Stecker.  

Ob allerdings der Vorschlag, auf möglichst viele unterschiedliche Steckersysteme zu setzen, um ein falschen Anschließen zu verhindern, wirklich die Lösung ist, bleibt fraglich. Ein einheitliches System wäre viel wünschenswerter, doch immer mehr Akkusysteme kommen auf den Markt. Und jeder baut seine eigenen Akkus. Ein Uni-Ladegerät wird es bei Pedelecs wohl auch erst durch Druck aus Brüssel von der EU-Kommission geben, vergleichbar mit den Standardladesteckern, die jetzt bei Handys vorgesehen sind.  

Der WDR in seiner Sendung "Markt" berichtete dagegen von einem Einzelfall eines abgebrannten Akkus einer Kundin. Dabei hatte die Kundin eines Discounterrades ihren Akku nicht ein paar Stunden sondern zwei Tage am Ladegerät gelassen. Der Akku erhitzte, es kam zu Rauchentwicklung und einem beherzten Einsatzes des Feuerlöschers. Die Mitteldeutschen Fahrradwerke (MIFA AG) weigerten sich laut dem Bericht zunächst für die Kosten eines neuen Akkus und des Ladegeräts aufzukommen, schrieben von Bedienfehlern. Sahen es später aber ein, dass man nicht vom Kunden verlangen kann, nach vier Stunden den Akku vom Ladegerät zu nehmen, nur weil sonst die Gefahr bestehe, die Bude brenne ab.

Die Brände durch defekte oder überhitzte Akkus häufen sich. Ernst Brust sammelt die Daten, versucht auch möglichst schnell immer vor Ort zu sein. Er beklagt allerdings auch die Informationen, die er von Polizei oder Feuerwehr erfährt. Denn oft ist nur von einem abgebrannten Elektrorad die Rede, aber weder Typ noch Hersteller werden genannt. Das mache es so schwer, sich einen Überblick zu verschaffen. 

Hinzu kommen dann auch noch Unfälle durch Bastler, die versuchen, beispielsweise die Motorleistung zu erhöhen oder am Akku herumschrauben. Die Presse stürzt sich gerne auf diese Themen und vermischen dann Fahrlässigkeit eines einzelnen Zeitgenossen mit Schlamperei bei den Herstellern.

Was viele auch nicht wissen: Akkus gelten als Gefahrgut. Als im Frühjahr bei der Fachtagung Vivavelo Hannes Neupert von ExtraEnergy e.V. Fahrradhändlern vor den Gefahren einer unsachgemäßen Lagerung von Akkus warnte, merkte man, wie manch einer doch überlegte, ob er wirklich ins Geschäft mit den Elektrofahrrädern einsteigen solle. Da sind extra Sicherheitsschränke notwendig, und wenn man dann hört, das durch einen Akkubrand ein komplettes Fahrradgeschäft abgebrannt ist, machen sich Bedenken breit.

Eine einheitliches Sicherheitszertifikat gibt es derzeit nicht. Neupert arbeitet an einer Lösung und wirbt für sein mitentwickeltes BATSO-Gütesiegel. BATSO ist ein neuer Industriestandard für Batteriesicherheit. Nach den BATSO-Standards getestete Batterien erhalten dann das BATSO-Gütesiegel. BATSO steht für BATtery Safety Organization und neben ExtraEnergy ist auch der TUV Rheinland Taiwan Partner des Kooperationsprojektes.

Doch so lange warten? Aber bei den Verkaufszahlen und dem weiter anhaltenden Boom, möchte keiner in der Branche zu spät kommen, denn jetzt werden die Claims abgesteckt. Das gilt auch für die Fahrradhersteller. Für Elektrofahrräder braucht der Hersteller eigentlich ein CE-Kennzeichen, da es sich um eine Maschine handelt. Dieses Zeichen klebt der Hersteller zwar selbst aufs Rad, aber wer dabei erwischt wird, dies unrechtmäßig zu nutzen, für den kann es teuer werden. 

Demzufolge ist auch die Schätzung von Ernst Burst zu verstehen, dass 70 Prozent der im Handel befindlichen Pedelecs kein CE-Zeichen tragen, wie er in der NDR-Sendung "Markt" sagte. Viel zu befürchten haben die Hersteller offensichtlich nicht, denn wie der NDR berichtete, sind die Ordnungsämtern offensichtlich die Hände gebunden, so lange nicht klar ist, wer eigentlich zuständig ist und die Überwachung übernimmt. Auch da scheint offensichtlich die Politik von einem Boom überrannt worden zu sein.  

Die Beiträge kann man für eine bestimmte Zeit in den Mediatheken nachschauen:

NDR-Mediathek

WDR-Mediathek Sendung Markt

Artikel beim NDR über Pedelecs

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