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Ein Wanderer auf dem richtigen Weg

In dieser Geschichte sollen zwei Wörter nicht vorkommen: Kult und Trend. Vielmehr soll im Mittelpunkt das Zeitlose, ja fast Vergessene stehen. Also vergessen wir für ein paar Augenblicke den Konkurrenzdruck in der Fahrradindustrie, in der immer schnellere Modellwechsel notwendig werden und eher geprotzt als präsentiert wird.

Hier geht es also nicht um jede Menge Gänge oder um Gewichtsreduzierungen und bis zur Velo-Bulimie (Abspecken bis das Bike bricht). Es geht vielmehr um ein Fahrrad, welches es bereits gab, als Autos noch zu den Raritäten gehörten: das Wanderer.

Die Geschichte beginnt 1885 in Chemnitz. Damals gründete ein Fahrrad-Enthusiast und ein Mechaniker das Unternehmen Wanderer. Sie bauten nicht nur Fahrräder, sondern entwickelten auch Fahrradteile (beispielsweise die erste Zweigang-Nabenschaltung), aber auch Schreibmaschinen, Motorräder und Automobile (wobei diese Produktion später in der Auto-Union aufging).

Bis Ende der 50er-Jahre wurden Velos unter der Marke Wanderer verkauft, zuletzt von München aus. Das Chemnitzer Werk stand nach dem Krieg auf der falschen Seite des Eisernen Vorhangs und urplötzlich sowieso in Karl-Marx-Stadt und wurde deshalb zum Volkseigenen Betrieb.

Sämtliche Räder mit dem großen flügelhaften "W" als Logo am Steuerkopf sind dann irgendwann aus dem Angebot verschwunden. Bis zur Wiederbelebung hat es sehr lange gedauert. Erst vor zwei Jahren wurde die Marke wieder aufgegriffen. Initiator war die Firma Manufactum. Das Waltroper Versandunternehmen handelt mit "klassischen langlebigen Gebrauchsgütern des täglichen Bedarfs". Im Katalog findet man deshalb vom schwarzen Telefon mit der guten alten Drehscheibe bis hin zum runden Elektroschalter aus weißem Porzellan (mit der Flügelschraube zum Drehen) ziemlich viel von dem, was in den vergangenen 50 Jahren aus dem Sortiment der Kaufhäuser gepurzelt ist.

In diese Philosophie reiht sich harmonisch auch das Wanderer-Fahrrad ein. Es ist keine Neuauflage oder ein aufgewärmter Oldie "Made in India", sondern ein neues, modernes Produkt im Kleid des Klassischen. Sehr viele der verbauten Teile sind Sonderanfertigungen. Viel Liebe steckt beispielsweise in der Chrom-Molybdän-Stahlgabel mit einem klassischen Gabelkopf aus Feinguss, selbstverständlich (hand)gelötet und dreifach pulverbeschichtet. Auch der Rahmen ist vollständig gemufft und gelötet. Gemuffte Rahmen gelten allgemein also stabiler und langlebiger. Natürlich sitzt auch der Frontscheinwerfer nicht in einem Plastikrahmen, sondern in einem poliertem Edelstahlgehäuse. Und die Schutzbleche – keine Frage – sind aus Edelstahl und geben während der Fahrt dieses typische leichte Klappern von sich, wie wir es schon lange nicht mehr gehört haben, in der von Kunststoffteilen dominierten Welt.

Die neuen Wanderer wurden entwickelt vom Fahrradkonstrukteur Hans-Gerd Lanzerath. Die Modellpalette wird stetig erweitert, derzeit hat man die Wahl zwischen einem Reiserad mit Touren- oder Rennlenker (welches dann Randonneur heißt), einem "Tourer" (also einem Tourenrad), welches ebenfalls mit Rennlenker zu bekommen ist (heißt dann "Sporttourer").

Neueste Kreation und seit diesem Frühjahr zu bekommen, ist ein Stadtrad. Auch hier handelt es sich nicht um eine Neuauflage der alten Marke als "Classic Cycle" mit Imitaten von damals. Hinter der klaren Linie der Räder steckt Technik von heute. Nicht aufgemotzt präsentiert, sondern dezent versteckt. Der Kunde hat sich dies gewünscht, heißt es bei Manufactum, weil viele ja gerne ein Wanderer gekauft hätten, jedoch die Preise ab 2500 Mark (bis über 5000 Mark) so einige abschreckten, nur leider nicht die Diebe.

Das neue Stadtrad ist zugleich der preiswerteste Einstieg in die Wanderer-Klasse. Für 1700 Mark sitzt man dann auch aufrechter als auf den sportlicheren Varianten. Das Rad zeichnet ein sehr guten Geradeauslauf, eine gute Eigenfederung der Gabel und natürlich die bekannte Liebe zum Detail aus. So findet man das Wanderer-Logo nicht nur am Steuerkopf, sondern auch in der Struktur des Kettenblatts (von Stronglight) und am Brooks-Sattel wieder. Ansonsten wurden sehr viele gute Standardteile verbaut, die Qualität für einen akzeptablen Preis bieten: Shimano-Rollenbremse am Vorderrad, Sieben-Gang-Naben (Shimano-Inter-7) im Hinterrad, ebenfalls von Shimano stammen die Naben.

Die Rahmengeometrie des Stadtrades entspricht der des Tourers. Während man das Stadtrad nur mit Rücktritt bekommt, sind die Variationsmöglichkeiten beim Tourer erheblich größer. Drei Varianten, mit je 7, 14 und 21 Gängen werden angeboten. Gebremst wird mit Magura-Hydraulikbremsen (in Sonderanfertigung mit Stahlflexleitungen und Silberlackierung). Mit der Sram-Spectro-7-Gang-Nabe kostet das Rad dann 2500 Mark, mit der Spectro 3x7-Ausstattung 2600 Mark und mit der exzellenten Rohloff-14-Gang-Nabe stolze 3900 Mark.

Gebaut werden die Wanderer bei der Firma Recker in Meckenheim. Die Montage, bis hin zur Verpackung, übernimmt eine Person. Im Serviceheft des Rades kann der Kunde dann erkennen, wer sein Rad montiert hat. Der Service und die Wartung läuft über Vertragungshändler vor Ort. Dort kann man die Räder auch kaufen, wenn auch eine Bestellung über den Versandkatalog möglich ist. Jedoch werden sie sowieso nur über den Fachhandel ausgeliefert. Ein vormontiertes Rad, das per Spediteur vor die Haustür gestellt, kommt deshalb bei Manufactum nicht vor.

Einen guten Überblick über die vielfältige Auswahl, bis hin zu Sonderanfertigungen, bekommt natürlich beim Händler oder auch im Internet (www.wanderer-fahrraeder.de). Den Manufactum-Katalog kann man unter der Telefonnummer 02309 / 939-00 bestellen.

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