Unsere Webmagazine

Elektroradtest.de - Der neue Ratgeber für E-Bikes & Pedelecs
Das Reiseradio - Audioreportagen und Interviews
Holidayjournal.de - Magazin für warme und kalte Reisen
Der komplette Reiseführer für Island
Bytetest.de - Der Internet- & Computerratgeber
Anzeige

Bis die Sattelstütze bricht / Die Tests der Stiftung Warentest sind gefürchtet aber auch beliebt

Wenn die Stiftung Warentest Fahrräder prüft, bekommen viele Hersteller Nervenflattern. Denn bei fast jedem Test bleiben ein Paar Velos auf der Strecke. Im jüngsten Fall testeten die Verbraucherschützer 15 Mountain- und sieben Cross-Trekkingbikes. Das folgende Ergebnis überrascht deshalb Experten nicht so richtig. Denn wieder gingen zwei Rahmen, fünf Sattelstützen und ein Lenker zu Bruch. "Hals und Lenkerbruch" titelte die Zeitschrift "test" (in ihrer Maiausgabe) treffend.

 

Seit Jahren weht der Stiftung auf Grund der oft mangelhaften Noten ordentlich Gegenwind von Seiten der Fahrradindustrie entgegen. Zu hart seien die Tests, nicht realitätsnah und für Hersteller auch nicht nachvollziehbar. Nur: Werden sie von der Stiftung mit einem guten Qualitätsurteil gelobt, dann ist natürlich alles in Ordnung, schließlich fördert dies ordentlich den Absatz der Räder.

Wen es im Test trifft, lässt sich nicht vorhersagen. Bei dem jüngsten Vergleich gab's Materialbrüche bei den Firmen Giant (Rahmenbruch), Centurion (Lenkerbruch) Bergamont, KTM, Focus, Wheeler, Scott (jeweils Sattelstützenbruch), Corratec (Rahmenbruch bei vollständig ausgezogener Sattelstütze) und Trek (Sattelklemmung gebrochen). Alles keine kleinen Fische oder gar schwarze Schafe der Branche. Centurion hat bereits reagiert, die Kunden der verkauften Räder in die Werkstatt gerufen und den Lenker ausgetauscht. Auch Corratec soll gehandelt haben, die Sattelstützenmarkierung wurde verändert.

Auffällig bei dem Test ist, dass vor allem Komponenten brachen, auf deren Qualität die Hersteller eigentlich nur wenig Einfluss haben. Das liegt daran, dass viele Fahrradfirmen oft nicht mehr selber produzieren, sondern alle Teile (selbst den Rahmen) bei Zulieferern einkaufen. Ob die Komponenten tatsächlich zueinander passen, wird nur selten überprüft, aus Kosten- oder manchmal auch Zeitgründen.

Zur Verteidigung einiger der blamierten Firmen muss man allerdings auch sagen, dass bei vier Modellen die Sattelstützen "erst" nach 15 000 Kilometern brachen und auch der Lenker immerhin 10 000 Kilometer lang hielt. Dass kann natürlich nicht die schlechte Qualität entschuldigen, aber gewissenhafte Fahrradhersteller und auch Händler raten sowieso zu einem Austausch von stark belasteten Teilen wie Sattelstütze, Lenker und Vorbau nach rund 10000 Kilometern. Weshalb das Material nicht länger hält, ist jedoch eine ganz andere Geschichte.

Ob die Hersteller wirklich wissen, was sie da einbauen, ist fraglich. Ernst Brust vom Fahrradprüfinstitut Velotech.de kritisierte in einem Artikel für das Fachblatt "Radmarkt" die mangelnde Sachkenntnis in der Fahrradbranche, "die immer kompliziertere Produkte in Leichtbauweise anbietet, sich bei der sicherheitstechnischen Auslegung der Erzeugnisse aber auf alte Gewohnheiten verlässt". Und Wolfgang Renner von der Fahrradfirma Centurion gibt zu: "Wir waren in der Vergangenheit Bastler". Renner ärgert, dass in vielen Fahrradberichten das Gewicht des Rades das urteilsbestimmende Kriterium sei. Leicht und billig soll es sein - ein Teufelskreis.

Ernst Brust hat deshalb auch festgestellt, dass immer mehr Fahrräder in die Werkstatt gerufen werden müssen. Vieles wurde und wird zu schnell auf den Markt gebracht. Das Geld für Prüfungen wird gespart. Zu kurz gedacht, meint Brust. Als vor anderthalb Jahren das Kynastrad La Ola wegen schwerer Mängel in die Werkstatt musste, kostete dies nach Schätzungen von Experten die Firma rund 4,2 Millionen Mark. Eine Prüfung des Rades hätte dagegen nach Angaben von Brust lediglich 15 000 Mark gekostet.

"Ständige Tests gibt der Markt nicht her", beklagt Wolfgang Renner. Doch Renner sagte auf einer Diskussionsveranstaltung mit Testern und Herstellern im Frühjahr in Bremen auch, dass für viele Hersteller die Schmerzgrenze noch nicht erreicht sei. Jeder sage: "Bei mir hält's schon."

"Wir haben es mit einem Produkt zu tun, das so weiter nicht mehr vertretbar ist", hielt Peter Hinze auf der selben Veranstaltung dagegen. Hinze ist Leiter der Abteilung Technik bei der Stiftung Warentest. "Jedes Motorrad unterliegt hinsichtlich aller Teile einer Baugenehmigung." Wird nur ein Teil verändert, erlöscht die Betriebsgenehmigung. Hinze fordert deshalb: "Wenn ein Fahrrad ein High-Tech-Produkt bleiben soll, muss es sich auch solchen Anforderung unterziehen."

Die Stiftung Warentest spielt dabei Entwicklungshelfer. So liegt die Vermutung nahe, dass viele Firmen froh sind, wenn andere testen. Den Imageschaden für die gesamte Fahrradsparte nehmen sie wohl in Kauf. Mit Wohlwollen wurde in der Branche auch vernommen, dass Peter Hinze noch vor dem aktuellen Test angekündigt hatte, künftig die Prüfkriterien den betroffenen Herstellern "noch offener" zur Verfügung zu stellen.

In der Fahrradindustrie wird derweil fast nur noch auf Fehler reagiert. Resignation macht sich breit. So sagte der Centurion-Produktmanager Jürgen Falke (im Test immerhin mit zwei Rädern vertreten, die mit mangelhaft beziehungsweise gut bewertet wurden) zu dem aktuellen Test dem Fachblatt "SAZbike": "Die Stiftung Warentest hat nur an der Oberfläche gekratzt." Und das vor dem Hintergrund, dass die Warentester nicht etwa Billigräder auf die Teststrecke geschickt haben, sondern Bikes, die zwischen 1200 und 2000 Mark kosten.

Weshalb bei anderen Fahrradtests weniger zu Bruch geht, ist auf den ersten Blick nicht erklärlich. Doch die Stiftung gilt als härtester Tester in der Branche. "Wir lassen uns von keinem Hersteller irgendwelche Prüfmuster zu schicken. Wir kaufen ganz normal im Laden, wie es ein Kunde auch tut", erklärt Peter Hinze. Allerdings glauben Händler, die Einkäufer aufgrund ihrer ungewöhnlichen Wünsche und ihres eigenwilligen Kaufverhaltens erkannt zu haben und kontrollieren deshalb noch einmal alles. Viel verbessern lässt sich dann allerdings nicht.

Mehr Zeit zur Verbesserung haben die Hersteller bei vielen Tests anderer Publikumszeitschriften. Denn dort werden die Firmen oft von den Redaktionen angesprochen, um ein paar Testräder zu bekommen oder die Hersteller bewerben sich regelrecht um einen Test. Manch kleinere Firma beklagt sich deshalb hinter vorgehaltener Hand auch darüber, wie schwer es sei, überhaupt erst einmal ins Testfeld zu kommen. "Erst muss man die gesamte Redaktion mit Rädern ausstatten", sagte uns ein Hersteller.

Der Test ergab natürlich auch, dass es durchaus gute Räder gibt. Mit Abstand Testsieger bei den Mountainbikes wurde das "Laser" der Firma Simplon (2000 Mark). Gefolgt von neun weiteren "guten" Rädern. Bestes Trekkingrad mit "gut" wurde das Hercules Cheetah (1500 Mark) bewertet. Gefolgt vom KTM Life Cross und vom Centurion Cross.  

Ähnliche Beiträge

Fahrradtest.de - Ein Projekt der Journalia Kommunikation Multimediaagentur

Fahrradtest.de ist optimiert für Firefox, Chrome, Opera & Safari. Benutzer von IE8 sollten ihren Browser updaten.

Copyright © 2016. Alle Rechte vorbehalten.