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Im Test: Was taugt der erste Airbag-Helm Hövding?

rainer_seitlichHaste Halsschmerzen? Die Frage muss man sich gefallen lassen, wenn man den ersten Airbag-Helm für Radfahrer ausprobiert. Viel mehr als ein dicker Hals ist nämlich nicht zu erkennen, wenn man den Helm Hövding umbindet, äh, aufsetzt? Ja, was denn nun? Der Airbag versteckt sich in einem schicken Kragen und kommt erst dann zum Einsatz, wenn es ernst wird, also ein Sturz bereits im Anmarsch ist. Die Idee ist genial, die Umsetzung scheint ausgereift, das Design stimmt. Im Frühjahr kommt der Hövding auf den Markt. Fahrradtest.de konnte exklusiv das erste Serienmodell testen.

hoevden_nackt_1Als die Post aus Malmö kam, dort sitzt nämlich die produzierende Firma Hövding, übergab der stets schlecht gelaunte Paketbote einen kleinen Schuhkarton. Erster Eindruck: Das soll ein Helm sein? Der Kragen besteht aus zwei Teilen: einem Überzugstoff, der sich dank Reißverschluss entfernen und waschen lässt und einen an Softshell-Jacken erinnernden Innenstoff, in dem sich die eigentliche Technik versteckt (und den man nicht waschen sollte). Links auf dem Foto ist der Hövding ohne den Überzug zu sehen.

Der Hövding wiegt nackt (also ohne den schicken Überstoff) 660 Gramm, komplett bringt er etwa 740 Gramm auf die Waage. Das erste Gefühl in der Hand vermittelte den Eindruck: ganz schön schwer. Also schwerer als ein Helm ist der Kragen schon, aber daran wird man sich sicherlich gewöhnen. Den Airbag gibt es in zwei Größen. Geliefert bekamen wir die kleine Größe. Eine Nummer größer wäre besser gewesen, denn über einen dicken Wintermantel gestülpt, wird´s eng, den Kragen auch geschlossen zu bekommen.

hoevden_on_off_1Und genau das ist wichtig, denn nur, wenn man den Reißverschluss komplett schließt und den Druckknopf (siehe Foto links) verbindet, wird das Gerät scharf gestellt. Ein kleiner akustischer Hinweis signalisiert: jetzt kann´s losgehen.

Ach so, vor der Tour sollte man den Akkustand kontrollieren. Der Helm muss nämlich geladen werden. Vorne am Kragen ist ein Mini-USB-Anschluss (allerdings handelt es sich um die Mikroversion des Mini-USB, der nicht ganz so verbreitet ist - jedoch wird ein Ladekabel mitgeliefert).hoevden_usb Der Aufladevorgang dauerte in unserem Test etwa 110 min (funktionierte übrigens mit einem Fremdkabel nicht). Eine Batterieladung reichte für vier Stunden. Die sechsteilige LED-Anzeige zeigt den Batteriestand an. Leuchtet nur noch die Haupt-LED, geht bald der Saft aus. Ein Warnton signalisiert zusammen mit blickenden LEDs minutenlang, dass man alsbald aufladen soll. Laut Hersteller hat man dann noch etwa für eine Stunde Kopfschutz.

hoevden_seitlich_bWenn man den Hövding per Computer lädt und eine Internetverbindung besteht, kann auch die aktuelle Firmware sowie neue Sounds heruntergeladen werden (klappte in unserem Test nicht). 

Im Nacken sitzt das Herzstück des Airbags. Im harten Dreieck, welches Stiernackenbesitzer eventuelle unangenehm anstoßen wird, sitzt die Gaspatrone. Eingesetzt wird zum Aufblasen Helium. Das System ist laut Hövding identisch mit in Motorradhelmen integrierten Airbags.  

ro_dam_klDie Sensoren stecken im Kragen. Sie geben Zeichen, wenn eine abnorme Bewegung ausgeführt wird. Der Hersteller verspricht, dass bei normaler Radtour, aber auch beim über Treppen radeln, plötzlichen Bremsen oder Aufpumpen des Reifens, der Airbag nicht ausgelöst wird.

Die Sensoren reagieren auf Bewegungen, die von diesen Toleranzen abweichen. Und aus diesem Grund muss auch der Airbag scharf gestellt werden, da nur dann der Gasaustritt ausgelöst werden kann, aber auch die Technik im Kragen ihre Hausaufgaben machen kann, nämlich das Verhalten des Radfahrers immer ins Verhältnis zu setzen. Es ist quasi ein Bewegungsmelder, der sich immer wieder mit der eigenen Statistik auseinander setzt.

Das Geheimnis des Helms steckt genau in dieser mathematischen Berechnung zwischen normal und anormal. Der Hövding sei in zahlreichen Reihen sowohl mit Dummies als auch mit Stuntmännern und - frauen getestet, erklärte der Hersteller.

ro_helm_aufgeblasenDen meisten Radfahrern bleibt zu wünschen, dass sie die Funktion gar nicht ausprobieren brauchen. Der Firma bleibt zu wünschen, dass die Technik nicht ohne Grund auslöst. Der Schaden wäre groß - fürs Image - und auch für den Geldbeutel. Soll doch der Helm in etwa 325 Euro kosten, wenn er im Frühjahr 2011 auf den Markt kommt.

Im Hövding befindet sich übrigens - ähnlich wie im Flugzeug - eine kleine Blackbox, die die 10 Sekunden vor dem Unfall aufzeichnet. Sollte es also zu einem Unfall kommen, bittet der Hersteller um Rücksendung des benutzten Helms, um die Daten auswerten zu können. Als Entgegenkommen gibt es einen Rabatt auf einen neuen Airbag.

Denn: einmal ausgelöst, kann man nur noch den schicken Überzug wiederverwenden, der Rest ist reif für den Recyclinghof. Bleibt zu hoffen, dass wenn sich die Technik europaweit durchsetzen sollte, ein Rückgabesystem beispielsweise über die Fahrradhändler eingerichtet wird.

Zunächst wird der Hövding nur in Schweden verkauft. Über die Webseite ist er aber auch bestellbar. Derzeit sollen auch Verhandlungen mit einer Vertriebsfirma in Deutschland laufen.

hoevden_rainer_radFazit: Geniale Sache. Der Preis scheint gerechtfertigt zu sein, wenn´s denn im Notfall auch funktioniert. Der Hövding ist modisch, fällt fast nicht auf, ist vom Gewicht noch tragbar. Allenfalls das Dreieck im Nacken wird manchen Radfahrer stören. Wie lange der Akku hält und wie die Technik auf Schweiß, Staub oder Dauerregen reagiert, muss ein Langzeittest zeigen. Das Dumme ist nur, dass man nur einen Versuch hat - also einen Sturz oder Crash. Und wollen wir erst 12 Stunden durch strömenden Regen fahren, um uns dann absichtlich auf die Nase zu legen?

Für längere Radtouren ist die Technik allerdings aufgrund der begrenzten Akkuleistung von etwa vier Stunden zu kurz (lässt sich vielleicht noch steigern, wenn der Akku ein paar Zyklen durchlaufen hat). Doch was macht man nach vier Stunden? Keine Steckdose in Sicht? Eine Möglichkeit wäre das Aufladen mittels Nabendynamo und Ladegeräten wie dem Zzing, oder über einen USB-Anschluss in der Vorderlampe, oder man nimmt einen Ersatzakku wie zum Beispiel den Minigorilla mit auf Tour. Dann reicht es auch für mehrere Tagestouren.

Die Richtung, die mit dem Hövding eingeschlagen wurde, ist super und mit dem Kragen wird so mancher dann doch seine Helmmuffeleinstellungen wohl überwinden können. Achso: wichtig wäre natürlich auch, dass Hövding-Träger in Ländern mit Helmpflicht nicht als Helmverweigerer bestraft werden. Die Diskussion mit der Polizei könnte noch spaßig werden... Wenn ich daran denke, bekomme ich jetzt schon einen dicken Hals... auch ohne Kragenairbag.

Mehr Infos (allerdings nur in Englisch und Schwedisch) auf der Webseite des Herstellers.

 

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